Die meisten werden am Ende des Titels nur ein Fragezeichen oder ein Kästchen sehen; eines Tages werden sich aber auch Fonts mit dem im kürzlich veröffentlichten Unicode-5.1-Standard enthaltenen Versal-ß (d.h. das ß als Großbuchstabe) durchgesetzt haben – nur ob sich das Zeichen selbst je wirklich so richtig durchsetzen kann? Gewöhnungsbedürftig finde ich es auf jeden Fall…
Nur leider wird es auch dann bestimmt noch genug Leute geben, die in GROßBUCHSTABEN das kleine ß verwenden *schauder*… okay, ja, bei Namen gerade in behördlichen Schreiben ist es der Verwechslungsgefahr mit „SS“ wegen durchaus akzeptabel (und wird auch verwendet), aber ansonsten gehört das da nicht hin.
Wohlgemerkt: das Versal-ß ist trotzdem kein Bestandteil der offiziellen deutschen Rechtschreibung.
Nun gut, das Eszett, das „scharfe S“, das „Dreierles-S“, historisch entstanden aus der Ligatur (Verbindung) vom langen s („ſ“) und, je nach Schrift, dem runden s oder dem Fraktur-z („ʒ“), kann sich also über seinen jetzt „offiziellen“ großen Bruder freuen.
An sich ist das große ß in der Typografie bzw. die Diskussion darum ja schon älter, die gibt’s nämlich schon seit Ende des 19. Jahrhunderts, zusammen mit Design-Überlegungen zum Aussehen, es soll sich ja harmonisch ins Schriftbild einfügen und nicht mit dem B zu verwechseln sein (vgl. Linktipps unten) – was z.B. durch die im Bild oben zu sehende Rundung links oben erreicht wird.
(Es sitzt im Unicode-Standard übrigens an Position U+1E9E (HTML: ẞ) und heißt „LATIN CAPITAL LETTER SHARP S“.)
Linktipps:
- TypoWiki: Versal-ß mit Liste mit vielen Fonts und Beispielen;
- Wikipedia: ß und Versal-ß;
- das Heft „Signa 9“ mit Formstudien etc.
(via Federwerk via BloggerAmt)
Aktualisierung: Seit 23.6.2008 ist das große ß nun auch offizielle ISO-Norm (wobei sich an der offiziellen Rechtschreibung als SS für ß in Großbuchstaben (noch?) nichts ändert) – siehe Heise-News.
Black shades, white gloves
Lookin' sharp and lookin' for love
ZZ Top, "Sharp Dressed Man"
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juliaL49 | 07.04.2008 um 16:27 |
| 795 Kommentare |
Ich seh tatsächlich nur ein Fragezeichen
(naïve Bemerkung: wenn ich die UMSCHALT-Taste und das ß gleichzeitig drücke, dann erwarte ich doch ein Fragezeichen)
Aber solange das nix Offizielles ist, kann man beruhigt noch SS schreiben, oder? (also im Wort, nicht einfach so als Eigenbezeichnung!)
Ich hab mich auch mal damit beschäftigt
cimddwc | 07.04.2008 um 16:50 |
| 3214 Kommentare |
Firefox scheint bei unbekannten Zeichen das ? zu bevorzugen, IE ein Kästchen. Oder woran auch immer das liegen mag… mein FF findet aktuell irgendwo ein großes ß, obwohl ich die Schriften, die ich heute ausprobiert habe, schon wieder deinstalliert (und Firefox auch öfter beendet und neugestartet) habe…
Offiziell ist immer noch die SS-Schreibweise, steht auch schön ausführlich im Wikipedia-Artikel, insb. im Abschnitt „Ersatzformen“.
(Und dein „naives“ Trema ist auch nicht grad offiziell…)
Tina | 09.04.2008 um 22:00 |
| 1 Kommentar |
Ich ärgere mich schon seit Jahren über das SS in Worten, in denen ganz eindeutig ein ß hingehört. Auch wenn man sie in Versalien schreibt (das „ß“ lässt sich nicht groß schreiben, da kommt automatisch ein „?“, wie Julia völlig richtig bemerkte). Es heißt nun mal nicht zum Beispiel STRASSE. Das Schreiben in Versalien wird nicht nur im grafischen Bereich viel zu häufig eingesetzt, finde ich.
Aber bis zur Durchsetzung des groß geschriebenen „ß“ wird es wohl noch dauern.
Das Zeichen in Deinem grafischen Beispiel gefällt mir sehr gut.
cimddwc | 09.04.2008 um 22:20 |
| 3214 Kommentare |
Ja, seit der ganzen Rechtschreibreformsdiskussion übertreiben’s einige, z.B. fahren viele Busse nach „…strasse“ (und das nicht, weil der Fahrtzielanzeiger kein „ß“ könnte), u.v.a.m. Manchmal hätte ich echt Lust, mit dem Rotstift durch die Gegend zu laufen…
Das Beispiel-Versal-ß ist aus „Eszett-Linea“ (siehe TypoWiki-Link), die „ein bisschen“ der Lucida Sans ähnelt, von der ich das kleine ß genommen habe.
Pingback: UND TSCHÜẞ - Kai Scharwies | 30.06.2008 um 18:35 |