Hallesche Homöopathie

Kinderhand mit Gänseblümchen Eine Mail, die ich auch an meine Krankenversicherung, die Hallesche, geschickt habe:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

In der Mai-Ausgabe Ihres Kundenmagazins bewerben Sie auch Ihre neue kostenlose Gesundheitsbroschüre „Homöopathie für Kinder“ u.a. mit den Worten:

Besonders bei Eltern ist das Interesse an der Homöopathie groß. Zusammen mit dem Gräfe und Unzer Verlag haben wir daher die Broschüre „Homöopathie für Kinder“ aufgelegt. Auf 120 Seiten wird nach einer kurzen Einführung in die Homöopathie auf häufige Alltagsbeschwerden bei Kindern eingegangen. Außerdem gibt es natürlich Ratschläge, welche homöopathischen Mittel helfen können.

Nun hab ich diese nicht vorliegen (da sie leider auch nicht herunterladbar ist), aber anhand dieses (auch in der Onlineübersicht ähnlichen) Textes, des Verlages, der diverse ähnliche (und noch absurdere) Themenbücher im Programm hat, und des Titelbildes mit einer Kinderhand mit Gänseblümchen [exakt das Bild, das hier rechts oben zu sehen ist], das das falsche Klischee „Homöopathie = natürlich“ bedient, liegt die Vermutung nahe, dass sich nicht gerade um eine vernünftig-kritische Auseinandersetzung handeln dürfte.

Finden Sie denn nicht auch, dass man vernünftigerweise von einer Behandlungsmethode, die erwiesenermaßen aus nichts anderem als Placebos besteht, eher abraten sollte anstatt ihr irriges Heile-Welt-Image, das in großen (wenig bzw. falsch informierten, weil auch an den Hintergründen desinteressierten) Teilen der Bevölkerung noch weit verbreitet ist, noch zu fördern, auch und gerade wenn es um Kinder geht?

Wie sehr auch immer in Ihrer Broschüre „die Grenzen der Selbstbehandlung jeweils aufgezeigt“ werden (ein Zitat aus der Beschreibung des gleichnamigen Buches mit ähnlichem Seitenumfang aus dem GU-Verlagsprogramm, was mich vermuten lässt, dass es Ihrer Broschüre ziemlich ähnlich sein dürfte) – soll denn ein „hier, nimm ein paar Globuli, die helfen dir“-Vorgehen den Kindern einen – falschen – Weg für die Lösung künftiger, auch seelischer Probleme ebnen?

Der Pressetext für o.a. GU-Buch spricht ja auch von „Checklisten für Verletzungen bei Sport und Spiel, Insekten- und Tierstiche, Tierkontakte sowie Lebensmittelvergiftungen [...] wie auch Hilfe bei seelischen Beschwerden“ – also wenn Homöopathie dort (bzw. in analogen Abschnitten Ihrer Broschüre) für mehr als „geben Sie Ihrem Kind was Süßes zur Ablenkung“ drinsteht, ist sie fehl am Platz (und auch dann zu teuer).

Sollen immer mehr Leute durch vorherige „alternative“ Medikation bei schwerwiegenderen gesundheitlichen Problemen oder gar Notfällen eine nötige nachgewiesen wirksame Behandlung verzögern und erschweren und dadurch verteuern (nicht gerade im Sinne der vielbeschworenen Kostenreduktion im Gesundheitswesen); sollen Kinder leiden, weil die Eltern, deren Homöopathen oder andere Bücher etwaige in der Broschüre genannten Grenzen ignorieren – „hat ja letztes Mal auch super gewirkt, und jetzt, ach ja, Erstverschlimmerung halt“? Soll die Hinwendung zu „modernen Voodoodoktoren“ und ihrem mystischen und realitätsleugnenden Gedankengut in- und außerhalb der Homöopathie – z.B. Impfgegnerschaft, ungeeignete Diagnoseverfahren, Wasserbelebung u.a.m. – weiter salonfähig gemacht werden?

Extremfälle mögen selten sein – aber dennoch zu zahlreich, und sie werden auch trotz der Erwähnung einiger Grenzen in einem Homöopathieratgeber immer wieder auftreten. Aber nicht nur angesichts der Extremfälle fände ich es wirklich besser, wenn Sie sich – u.a. mit meinen Beiträgen! – nicht für die Propagierung von scheinheiligen, wirkungslosen Pseudo-Alternativen einsetzen würden, sondern für die kritische Aufklärung und realitätsbezogene Information. Und das heißt im Falle der Homöopathie eben klar: Nichts drin, nichts dran.

Links zum Thema:

PS: Diese Mail habe ich auch auf meinem Blog veröffentlicht; es wäre nett, wenn Sie mir im Sinne eines offenen Dialogs gestatten, Ihre Antwort ebenfalls zu veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

 

Update 28.7. Zusammengefasste Antwort siehe unten.


Foto: sherrie – Fotolia.com

 

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8 Kommentare

  1. Oh, da bin ich mal gespannt, ob eine Antwort kommt. Und wenn ja, ob es eine richtige ist oder nur ein paar Textbausteine.

    Ich habe wegen Homöopathie-Unterstützung meine Krankenkasse gewechselt und musste mit Schrecken feststellen, dass praktisch alle einen Vertrag mit der homöopathischen Ärztegesellschaft (oder so ähnlich) haben.

    • Tja, mal sehen, was da kommt. Ich hab’s jedenfalls an die allgemeine Service-Adresse geschickt, die einzige, die sie angeben – und das Mini-Webformular, das sie unter dem Punkt „E-Mail“ anbieten, schien mir irgendwie nicht angemessen… (zumal ich auch einfach den fertigen Text samt Links als HTML-Mail geschickt habe :) )

      In anderen Tarifen – anscheinend die einfacheren als GKV-Alternative, wo noch mehr Bedarf fürs Kundenanlocken im Wettbewerb besteht – hat die Hallesche leider auch Homöopathie und andere „Naturheilverfahren“ drin („durch Ärzte“); mein Tarif ist wahrscheinlich schon zu alt dafür…

  2. Meine KK bietet auch Homöopsychopathie an. Ich kanns nicht verstehen. Ich will es auch nicht verstehen.

    • Höchstens betriebswirtschaftlich, solange die Einnahmen die Ausgaben (und entgangene Einnahmen der vermutlich leider wenigen Kunden, die deswegen abspringen) übersteigen…

  3. Eine Woche vorbei, noch keine Reaktion. Weshalb ich glaube, dass auch keine mehr kommen wird…

  4. (Gravatar)

    Super Reaktion, danke!
    Sowas hätte ich längst auch mal machen sollen, aber ich lese die Zeitschriften der Krankenkasse gar nicht-ich habe ehrlicherweise darauf vertraut, dass die so einen Mist nicht auch noch bewerben. Das wird sich jetzt ändern!
    Wehe da kommt keine Antwort auf deinen Brief…..da würd ich die GWUP anschreiben und um Hilfe Bitten, ich finde es unverantwortlich von dieser Krankenkasse, dass die so einen Müll verbreitet.
    Natürlich interessiert mich auch deren Antwort :)

  5. Nach zwei Monaten kam doch noch eine Antwort! Da sie in ihrem 1½-seitigen Brief (vorgestern angekommen) leider nicht auf die Frage nach seiner Veröffentlichung eingehen, hier nur kurz eine Zusammenfassung:

    Sie hätten „lange diskutiert“, ob sie so eine Broschüre anbieten sollen, haben sich aber dann aber dafür entschieden, weil sich viele Kunden für entsprechende Informationen interessierten; insb. wende sich die Broschüre auch v.a. an die, die sich schon für diese Sachen interessieren, und würde weniger einen Weg dorthin ebnen (was ich ja angesprochen hatte). Einen Hinweis in Richtung Wissenschaft und „Verantwortung des Einzelnen“ soll die Broschüre auch enthalten – auf der 1. Umschlagseite, also wohl recht knapp…

    Die Resonanz der Kunden soll positiv sein – wundert mich nicht; aber wenn bei der Aussage am Ende, wo sie für die Zukunft irgendwie unverbindlich eine Berücksichtigung der Argumente in Aussicht stellen, so auf die genaue Formulierung geachtet wurde, wie ich es auch selbst täte, dann bin ich vielleicht doch nicht der einzige mit Gegenargumenten gewesen.

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