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Sprache

Es ich? Meine Frau, deine Freundin, unser aller Spammerin…

Ellbogen

Schatten oder schlechte Retusche?

Auch wenn sich die Angebliche-Frau-Betrugs-Spammer leider nur noch selten die „Mühe“ geben, so lustige maschinell übersetzte Texte zu schreiben wie dermaleinst „Anghela“ – diesem Exemplar von gestern will ich einen eigenen Beitrag gönnen. Immerhin verspricht der Betreff schon ein bisschen was:

Den Morgen aufwachend, will ich nebenan den geliebten Mann sehen. Es du?

Sie scheint’s auch eilig zu haben – keine Zeit für Leerzeichen:

Hallo, mein geheimnisvoller Freund. Wundere dich nicht überdieseWörter. Ich habe Hoffnung, du liest dieseNachricht bis zum Ende und du schickst mir dein Antwort. Ich möchte so einen Mann finden, der mir ganzviele lustigen, sehnlicheseelische Schwingungenverschenken kann.

Wahrscheinlich hat sie zu viele schlechte Erfahrungen gemacht, etwa mit dem, der hier bei MyHeimat seine Spam-Variante kommentiert (am selben Tag) – dort gibt’s noch Leerzeichen und abweichende Formulierungen, etwa „leidenschaftlichen Emotionen geben“ statt „sehnlicheseelische Schwingungenverschenken“. Also da gefällt mir meine Variante besser.^^

Name, Alter und Herkunft sind zwar gleich, aber wo dort nur von einem „gesunden|munteren} Lebensstil“ die Rede ist, muss sie bei mir noch einen drauflegen:

Mein Name ist Asemgyl, ich bin 29 Jahre alt, Ich bin aus der Republik Kazakhstan.
Bin ledig und habe keine Kinder.
Ich führe einen gesunden|munteren}Gesundheitsförderung.

Gesundheitsförderung! Immer gut. Also komm her, meine… nun, anstatt sich wie dort mit „Deine Freundin, Asemgyl“ zu verabschieden:

Wenn du dich für mein Brief interessierst, melde dich bitte und wir können uns weiter näher kennen lernen.
Ich kann dir meine Bilder schicken und etwas Neues über mich erzählen. Deine Frau, Asemgyl.

Na dann…

Und ein extern von imgur.com eingebundenes Bild war auch noch dabei (oder eben nicht, weil man ja standardmäßig keine externen Ressourcen nachladen lässt). In sommerlich knapper Kleidung – ein unverfänglicher Ausschnitt ist oben rechts zu sehen – und wohl von Pornoseiten aus einer Serie abgegriffenes, sodass sie sich wohl vermeintlich weiter entblättern kann, wenn man sie den wirlich um weitere Bilder bitten sollte. Nur was am Ende auf tatsächlich Interessierte wartet, dürfte eher den Verlust von viel Geld bedeuten als eine echte Frau…

Deutsch retten?

Beim Hans gefunden: Die Anti-Denglisch-Webseite „Deutsch retten!“ (Achtung, Ton beim Klicken auf ein Wort! Rechts oben abschalten), bei dem man Wärter „adoptieren“ soll, d.h. mehr Ansporn bekommt, bestimmte deutsche Ausdrücke anstelle ihrer Denglisch-Äquivalente zu benutzen.

deutschretten

In vielen Fällen eigentlich keine schlechte Idee. Gerade im Business- und Management-Bereich, pardon, in der Geschäftswelt und vor allem in der Geschäftsführung kommen ja aberwitzige (D)Englisch-Häufigkeiten vor, und auch in anderen Bereichen finde ich die Sache in gewisser Weise unterstützenswert. Man muss nicht „downloaden“ statt „herunterladen“ sagen, den ohnehin nicht im Englischen verwendeten Begriff „Handy“ benutzen, und wer zum Teufel kommt auf die Idee, in einem deutschen Satz „round about“ zu sagen, wäre irgendwie sinnvoll?

Dass man aufpassen muss, einige Vorschläge auch im richtigen Zusammenhang zu benutzen, ist klar: „Training“ ist nicht nur die allgemeine „Körperertüchtigung“, nicht jedes „Interview“ ein „Vorstellungsgespräch“, nicht jede „Show“ eine „Sendung“; dass für „Check-in“ der Flughafen („Abfertigung“), für „Check-out“ aber das Hotel („abreisen“) herhalten müssen, von mir aus; wenn ich hier einen Beitrag „poste“, dann „verschicke“ ich ihn nicht; an PC & Co. kann ich auch auf eine Art „surfen“, die man besser nicht mit „wellenreiten“ übersetzt, etc. Aber so intelligent dürften die „Adoptiveltern“ schon sein. Und wenn ich als Queen-Fan Musik höre, dann weiß ich auch, dass da sicher nicht „die britische Königin“ spielt und singt.^^

Manche Vorschläge jedoch sind für den praktischen Nutzen einfach zu lang: „Blog“ – „Internettagebuch“? („Internet“ ist also akzeptabel? Und passt zu einem Blog wie meinem wirklich die Bezeichnung Tagebuch?) „Blind Date“ – „die Verabredung mit einem Unbekannten/einer Unbekannten“? „One-Night-Stand“ – „einmaliges sexuelles Abenteuer“? „Single“ – „eine allein lebende Person“? „googlen“ – „mit Google im Internet suchen“? Wer will da wirklich das Adoptionsversprechen, „es so oft wie menschenmöglich zu benutzen und den fiesen Denglisch-Ausdruck […] nie wieder in den Mund zu nehmen!“, dauerhaft einhalten?

Und bei aller Akzeptanz von Länge fehlt die Konsequenz – wo der Vorschlag, statt „USA“ immer „die Vereinigten Staaten von Amerika“ zu sagen1, schon lächerlich anmutet, soll man doch glatt „American Way of Life“ durch „die US-amerikanische Lebensart“ ersetzen. Also da ist „US“ auf einmal wieder okay, pardon, in Ordnung?

Bei manchem fehlen m.E. wesentliche Aspekte: „leasen“ ist nicht einfach nur „mieten“, da gibt’s schon einen Unterschied (man frage mal eine Autovermietung). „Bookmarken“ würde ich im Browser (und wo verwendet man das Wort sonst?) jetzt überhaupt nicht mit „markieren“ übersetzen. Bei „Pay-per-View“ – „Bezahlfernsehen“ fehlt der „per view“-Aspekt, und „arbeiten“ erfasst auch nicht alles, was bei „jobben“ noch mitschwingt. „Look-and-feel“ – „die Ansicht“? Okay, das ist der Look, aber was ist mit dem Feel? Na, und wann kommt der erste Shitstorm, äh, die erste Empörungswelle von Frauen, wenn man „Team“ immer durch „Mannschaft“ ersetzt?

„Profit“ – „Gewinn“? Gibt’s denn Leute, die das englisch aussprechen? (Naja, im Business-Bereich bestimmt…) Ansonsten kam der auf der zweiten Silbe betonte Profit eigentlich aus dem Französischen ins Deutsche. Wobei wir schon bei der nächsten Frage sind: Vor dem Französischen muss Deutsch nicht (mehr) gerettet werden? Jedenfalls soll „Fastfood-Restaurant“ durch „Schnellrestaurant“ ersetzt werden, und gegen die Branche im „Branchenwissen“ für „Know How“ scheinen die Autoren auch nichts zu haben.

Weil’s schon lange genug her ist, dass diese Wörter „eingewandert“ sind? Nun, aber wo will man die Grenze ziehen – wie viele Jahrzehnte sind akzeptabel, wann wird Denglisch einmal so akzeptiert sein wie heute Dfranzösisch (oder wie man das nennen mag)?

Ich finde, das ist auch nur eine Frage der Gewohnheit, und so sinnvoll es ist, den Sinn neuer Fremd- und Lehnwörter zu überprüfen, bevor man sich an sie gewöhnt – und da gibt’s auf der „Deutsch retten!“-Seite in der Tat viele Anglizismen, die man m.E. lieber wieder vergessen sollte -, so muss man auch nicht zwanghaft übers Ziel hinausschießen.

 


  1. ein eventuelles „Ju-Es-Äi“ könnte man aber durch „Uh-Es-Ah“ ersetzen… []

Links der Woche (2013/11)

 


  1. sorry fürs Nichtbeantworten deiner Mail, aber die hab ich irgendwie auf einem anderen PC verlegt, der aus Prinzip erst morgen wieder eingeschaltet wird… []

Etwas Du weg?

Also mehr Sie dazu?

Link-Text: „mehr Sie dazu“

Vielleicht sollte Dell auch mal deutsche Muttersprachler einen Blick auf ihre Seiten werfen lassen – diesem Link, um den Rest von gekürzt dargestellten Kundenbewertungen anzuzeigen, hätte das gut getan. (Nur diesem Blogeintrag nicht.^^)

Links der Woche (2012/49+50)