RSS-Feed für dieses Schlagwort (Tag)Schlagwort-Archiv:

Astrologie

Wie man immer Sechsen würfelt

Würfel „Ich würfle immer Sechsen!“, freut sich P. überschwenglich.1 „Und das hat nichts mit Glück zu tun oder mit manipulierten Würfeln, das ist Können – ich hab einfach die richtige Wurftechnik!“

Z. zweifelt das an.2 „Hmm, das zweifle ich jetzt aber an. Sicher, dass du das richtig auswertest? Kannst du mir da mal eine Statistik zeigen?“

„Statistik ist nicht geeignet, um das zu beurteilen. Aber schau dir mal dieses Video an, da siehst du zwei besonders deutliche Beispiele.“ — „Nun ja, aber das sind nur zwei – und nicht mal hintereinander, da ist ein deutlicher Schnitt. Solche Einzelfälle beweisen doch gar nichts.“

„Das sind nicht einfach Einzelfälle,“ erwidert P., „ich mach diese Erfahrung täglich seit vielen Jahren – mit mindestens 80% Erfolg!“ — „Hast du nicht grad gesagt, Statistik wäre nicht geeignet? Na, erstmal egal, führ doch mal vor!“

P. nimmt einen Würfel und wirft. „Da, schau! Ich sag’s ja!“ — „Das ist aber nur eine 5!“ — „Ja, ein bisschen Unschärfe ist immer dabei – Quantenphysik, du verstehst? Unbestimmtheit ist in der Natur fundamental. Heisenberg. Nobelpreisträger!“ — „Ich bin jetzt nicht so der Experte für Quanten­physik, aber ich glaube, du hast das nicht so ganz richtig…“ — „Für sowas bist du eh nicht schlau genug,“ unterbricht P., „da muss man sich auch intensiv damit beschäftigen. Analoges Denken und Philosophie sind da wichtig – beides viel zu sehr vernachlässigt in der Wissenschaft.

Und wie auch die Experimente von Zeilinger zur Quantenverschränkung zeigen, ist sowieso alles mit allem verbunden – auch bei diesem Würfel: Schau, die 5 mag zwar oben sein, aber vorne ist die 6. Du musst halt alles in seiner Gesamtheit betrachten; wenn die 6 nicht oben ist, sondern an der Seite, hat das alles schon seinen Sinn, wie er im Kosmos eben gegeben ist. Zumal die Zahlen doch schon seit Jahrtausenden als wissenschaftliche Tatsache bekannt sind. Komm, ich würfle nochmal.“

*würfel*
*würfel*
*würfel*
*würfel*
*würfel*
*würfel*

„Hier! Schon im nächsten Wurf ist die 6 oben!“ — „Im nächsten? Da waren doch fünf Fehlschläge dazwischen, wo die 6 nur einmal schräg hinten halbwegs zu sehen war.“

Doch P. ficht das nicht an. „Ach, wen interessieren diese Fälle denn? Ich achte immer nur auf die Fälle, in denen die 6 zu sehen ist, der Rest ist doch irrelevant. Ist doch klar, dass nicht eine einzige 6 für alle Leute, für die ich würfle, ausreicht und diese quasi in dieselbe Schublade stecken würde – oben, vorne oder an der Seite, jede Position der 6 hat ihren Sinn. Da muss man jeden individuellen Wurf einzeln betrachten, und deshalb bringt auch Statistik nichts, da die das Individuelle doch ignoriert.“

Z. kommt nicht weit mit seinem „Aaaaber…“, denn P. ist nicht zu bremsen: „Und du musst doch zugeben, die Evidenz der beiden Würfe in dem Video war eindeutig und überzeugend! Wie gesagt, ich kenn das aus der täglichen Praxis, dass ich fast immer eine 6 würfle – und alle Kunden, die zu mir kommen, damit ich für sie würfle, sind zufrieden und bestätigen (vielleicht nicht sofort, aber nach ein paar Erklärungen), dass ich recht habe!“

Z. bleibt nur, wieder darauf hinzuweisen, dass Einzelfälle nichts belegen und dass da schon ein Bestätigungsfehler in einem System voller Willkür steckt – und P. um entweder eine ordentliche wissenschaftliche Herleitung zu bitten oder ein Eingeständnis, dass alles eine rein subjektive Glaubenssache ist, doch P. vertröstet einfach weiterhin und steht ansonsten nur stolz da in seiner eigenen Welt.

 

Epilog: B.3 kommt vorbei und meint zu P.: „Entweder beweist du, dass deine verqueren Verdrehungen wirklich richtig sind, oder du bist nur ein blöder Betrüger!“ P. versteift sich auf die letzten beiden Wörter und hat damit einen willkommenen Anlass, sich eingeschnappt zurückzuziehen; hätte er wirklich Argumente und Belege, hätte er damit alle Kritiker alt aussehen lassen können, aber so… so kommt B. eben nicht ungelegen.

 


Wer sich jetzt fragt, was das ganze soll: So oder ähnlich gehen Astrologen gerne vor, wenn’s darum geht zu beurteilen, ob sie mit ihren Horoskopen richtig liegen und wie bzw. dass Astrologie überhaupt funktioniert. Wer mal „etwas“ Zeit hat, kann sich ja mal die Kommentare zu diesem Blogbeitrag beim Wahrsagercheck und die darauffolgende umfangreichere Diskussion beim Astrodicticum „Zur Begründung der Astrologie“ durchlesen…


Foto: Patxi – Fotolia.com

 


  1. P. steht hier einfach für „Protagonist“ und nicht für einen bestimmten Namen []
  2. deshalb „Z.“; Z. kann auch aus einer größeren Gruppe bestehen []
  3. einfach ein weiterer Buchstabe []

Zwei Monde

Mondkalender Höchste Zeit für eine neue Folge der Irrungen und Wirrungen des Mondkalenders 2010 vom Moewig-Verlag – doch diesmal gibt’s noch mehr! Ein Unternehmen namens FID Gesundheit bzw. FID Verlag war nämlich so frech, mit einem Angebot für regelmäßige Mondkalender-Mails auf meiner Bloggerei.de-Detailseite in der Google-Werbung aufzutauchen, und die hab ich doch glatt mal abonniert…

Und so gibt’s – gespickt mit Werbung für eigene „natürliche Gesundheitsprodukte“, bei denen vermutlich der Wassermann-, pardon, Löwenanteil der Wirkung auf dem Placeboeffekt der hochtrabenden Werbesprüche beruht – eben auch ein paar vermeintliche Mond-Tips im bekannten Stil sowie einen Link zu einer Monatsübersicht, wo es entsprechend stichwortartig weitergeht.

Nun sind sich die beiden Kalender meistens durchaus einig darin, in welchem Tierkreiszeichen der Mond stehen soll, und einige Male raten sie auch ähnliche Dinge – wenn sie nicht wie so oft nur aneinander vorbeireden, d.h. der eine empfiehlt das eine, der andere etwas anderes. An manchen Tagen jedoch halten sie’s eher mit Paul Claudel:

„Ordnung ist die Lust der Vernunft. Unordnung ist die Wonne der Phantasie.“
(Paul Claudel)

Dass an einem Tag etwas gut und am nächsten schon wieder schlecht sein soll, ist ja noch die „gewöhnliche“ Beliebigkeit der Astro-Schwurbler. Aber einige Tage an der Grenze zwischen zwei Tierkreiszeichen rechnen die Kalender gerne unterschiedlichen Zeichen zu! Dabei sollte man doch meinen, dass diese uralte Erfahrungs­wissenschaft auch Regeln dafür hat, was mit geteilten Tagen zu geschehen hat… Und, oh Schreck, so kann es dazu kommen, dass jemand am falschen Tag die Wäsche wäscht! Sowas muss doch vermieden werden, liebe Mondkalender­autoren!

Aber selbst wenn beide Kalender einen Tag gleich einordnen, gibt’s Unterschiede – hier ein deutliches Beispiel vom 21. Juli:

Der Schütze bietet die ideale Gelegenheit, um Früchte und Beeren zu ernten. Sie können auch Unkraut jäten oder die Fenster putzen.

Zeit für Schönheitspflege, schlechter Tag zum Heimwerken, Wäsche waschen, Fenster putzen, für Malerarbeiten.

Am besten schmeißt man die Fensterscheiben gleich am 20. Juli ein, dann hat man da keine Probleme…

Oder wurde der Kalenderautor Opfer seines eigenen Tips für den Folgetag, dass der Schützemond „Horizonte öffnen“ könne, „aber auch die Gefahr der Übertreibung in sich“ berge?

Wie schnell keimt eigentlich Rasen?

Der eine Kalender rät nämlich:

Wenn Sie neuen Rasen säen möchten, ist heute ein guter Termin, da der Fischemond die Blattbildung fördert und der abnehmende Mond verhindert, dass er zu sehr in die Höhe schießt und dann schnell zu wachsen aufhört.

Am selben Tag dürfe man dem anderen Kalender zufolge aber keine Blumen gießen, umtopfen oder Bäume pflegen. Aber Rasen ist ja weder Blumen noch Bäume noch in Töpfen, und der Mond ist ja schlau genug, da zu unterscheiden. Das gilt sicher auch für einen anderen Tag, wo hie das Rasenmähen empfohlen, da vom Unkrautjäten abgeraten wird.

Ebenso weiß der Mond sicher, wieso man „Fließen[sic!] gründlich reinigen“ kann (Moewig), aber keine Fenster putzen (FID). Vielleicht weil der Mond durch Fliesen nicht durchschauen kann?

Diät für die intelligenten Augen

Bei manchem frag ich mich echt, was manche Möchtegern­ratgeber für Vorstellungen vom menschlichen Körper haben:

Wenn Sie Ihren Augen etwas Gutes tun wollen, verzichten Sie weitgehend auf die täglichen Katastrophennachrichten und den Klatsch der Tageszeitung – so eine „Augendiät“ wirkt sehr befreiend.

Als ob die Augen darüber nachdächten, was sie sehen. Aber nicht die Ohren oder besser gesagt das Gehirn dazwischen vergessen:

Achten Sie darauf, was man Ihnen heute zu sagen hat – es könnte wichtig sein!

Das war am Dienstag – den Rest des Monats können wir also alles ignorieren, was man uns sagt, juhu!

Und das ist gut, denn der spätere Wassermann-Vollmond-Tag „beflügelt die Phantasie, vor allem bei Vollmond ist die kosmische Anbindung besonders intensiv“ – so abgehoben kann man niemanden brauchen, der einem dreinredet…

Erwiesen und logisch?

Es hat sich als vorteilhaft erwiesen, an Stiertagen Geldentscheidungen zu treffen.

Na da möchte ich mal die Studien sehen, die das erwiesen haben! Aber bitte erst am richtigen Tag, an dem das hier gilt:

Im Beruf sollten Sie die analytischen und logischen Mondimpulse zum konzentrierten Arbeiten nutzen.

*räusper* Liebe Autoren und Leser, die es noch nicht mitbekommen haben sollten: An „Mondimpulsen“ ist kein Deut logisch und analytisch.

Da passt zum Schluss ein depperter Spruch eines mystikliebenden Schriftstellers und Philosophen:

„Wissenschaft ist nur eine Hälfte, Glauben ist die andere.“
(Novalis)

Hälfte von was? Vom Leben? Pfft. Im Wunschdenken der religiösen Apologeten vielleicht.

Nicht mal auf die Mondkalender trifft das zu, denn wie gesagt: Wissenschaft findet man dort nicht. Dafür möglicherweise das Ergebnis des zweiten Schlussspruchs – ja, zur (WM-Trauer-)Feier des Tages gibt’s noch einen:

„Wer viel redet, der glaubt am Ende, was er sagt.“
(Honoré de Balzac)

Gell, liebe Eso-Schwurbler? Ihr könnt ja in riesigen Absätzen noch weniger Handfestes aussagen als Politiker…

 


PS: Für die noch nicht ganz dem Mond-Aberglauben anheim Gefallenen seien noch ein paar kritische Links ergänzt:

FSME (Frühsommer-Mond-Einbildung)

Mondkalender Wer erwas über Frühsommer-Meningoenzephalitis erwartet hat, schaut am besten in der Wikipedia nach, hier geht’s um die Irrungen und Wirrungen des Mondkalenders 2010 im Juni.

„Wer andere unglücklich macht, gibt gewöhnlich vor, ihr Bestes zu wollen.“
(Luc de Vauvenargues)

Wie gewisse Homöopathen etwa…

Der Mond begünstigt dies, belastet jenes

Langsam wird’s langweilig, um nicht zu sagen lächerlich – wobei, das ist es schon immer –, immer wieder zu lesen, was der Mond von Tag zu Tag auf verschiedenste Weise beeinflussen soll. „Es herrscht Krebsmond – vermeiden Sie also, heute Abend Alkohol zu trinken!“ zum Beispiel. Auf die Idee, das mal ordentlich zu überprüfen, ist sicher noch kein Mondkalenderautor gekommen. Die Willkür zeigt sich sowohl in Bereichen des Gartens als auch im Zeitraum – zwei Beispiele:

Lassen Sie die Tätigkeiten im Garten und in der Natur ruhen [...]. Der Löwenmond eignet sich allerdings gut, um neue Beete anzulegen.

„Wenn Sie im Steinbockmond nicht zum Unkrautjäten gekommen sind, können Sie heute noch einmal von der Energie des Mondes profitieren.“

Oder man macht’s halt während eines ganz „anderen Mondes“ – Hauptsache das Unkraut ist weg. Oder man lässt’s aus Liebe zur Natur wachsen, wie wär’s denn damit, liebe Möchtegern-Naturverbundenen?

Apropos wachsen: Mittel gegen Haarausfall sollen bei Löwenmond besonders gut wirken. Immerhin eine verständlichere Analogie – im sprachlichen Sinne, nicht im ursächlichen – angesichts der sprichwörtlichen Löwenmähne, als etwa den Wassermann als Luftzeichen zu bezeichnen…

Gesund?

Wer den einen esoterischen Quatsch glaubt, glaubt auch an andere oder ist zumindest empfänglich dafür. Etwa an bzw. für angebliche Schlacken – im menschlichen Körper, wohlgemerkt, und nicht in der Erzverarbeitung – oder Flüssigkeiten, die mal mit Blüten in Berührung gekommen sind:

Der Widder macht es uns nun auch leichter, den Körper zu entgiften. Meiden Sie Konsumgifte zugunsten entschlackender Kräutertees.

Sie können die Auswirkungen der dunklen Neumondkraft auch mit einem passenden Bachblüten-Heilmittel aufhellen.

Gegen ein Nocebo hilft wohl ein Placebo am besten. Aber das ist eigentlich schon zu logisch. Apropos:

Die Mondkraft des Steinbocks aktiviert das logische Denken

Wer findet den Fehler in dieser Aussage?

Möbelkanten sind gut für den Kopf
(und Mondkalender gut für die Beine)

Zumindest offenbar an den meisten Tagen, aber nicht an Widdertagen:

Der Kopfbereich reagiert an Widdertagen oftmals ein wenig angeschlagen. Meiden Sie scharfe Möbelkanten, versuchen Sie, entstandene Verspannungen mit Massagen zu lösen, und machen Sie Entspannungsübungen für den Nacken.

Dabei wird doch eher dem Widder (dem Tier) ein starker Kopf nachgesagt, oder nicht? Gefolgt wird dieser Tip leider wieder von dem depperten „Vermeiden Sie heute und morgen OP- und Zahnarzttermine.“

Hingegen gibt’s an ein und demselben Tag diese Tips:

Gesundheit: Gönnen Sie Ihren Beinen heute möglichst viel Ruhe und legen Sie sie öfters mal hoch.
Beruf: Der Wassermannmond verführt ein wenig zur Trägheit.

Hmmm… der Wassermannmond oder der Mondkalender? Aber immerhin liefert er auch eine schöne Ausrede:

An Wassermanntagen sollte man auf eine ausreichende Magnesiumzufuhr achten. Sie können heute ausnahmsweise auch ohne schlechtes Gewissen fette Speisen zu sich nehmen.

Also auf zum Burgerbrater des Vertrauens!

Das reicht wieder für diesen Monat. Wie immer ein Spruch zum Abschluss:
 

„Die Unwissenheit ist der Wahrheit näher als das Vorurteil.“
(Lenin)

Nur darf man sich auf die Unwissenheit nichts einbilden, sondern muss das objektive Wissen suchen anstatt sich unzutreffendes, vermeintliches Wissen einreden zu lassen, liebe Mond- und sonstige Esoterikgläubige…

 


PS: Für die noch nicht ganz dem Mond-Aberglauben anheim Gefallenen seien noch ein paar kritische Links ergänzt:

Projekt 52/20: Sternzeichen

Das nächste Thema der Woche bei Saris Projekt 52.

20: Sternzeichen

Projekt 52 Thema 20: Sternzeichen

Der Pinguin kann nicht glauben, dass so viele Leute immer noch an den esoterischen Quatsch namens Astrologie glauben – da kann er nur den Kopf schütteln…

Kombiniert aus fünf Pinguin-Fotos, einem verzerrten Screenshot des Astronomie-Programms Stellarium und einem Screenshot von Florians fundiertem Artikel „Astrologie ist Unsinn.“


Mondbedingte Frühlingsgefühle im Mai

Mondkalender O mei o Mai, auch im Mai bietet der Mondkalender 2010 die gewohnten Banalitäten und Unsinnigkeiten.

„Sprächen die Menschen nur von dem, was sie verstehen, herrschte bald ein großes Schweigen.“
(Aus China)

Das Problem ist aber, dass so viele Menschen glauben, sie verstünden, wovon sie sprechen, und dass das auch etwas mit der Realität zu tun hätte – und heraus kommen dann Lichtarbeiter­lehrkurse, Aufstiegs­almanache, Horoskope und eben Mondkalender…

Unkraut auf der Haut?

Am selben Tag heißt es zum einen über den abnehmenden Steinbockmond, er „fördert das Wachstum aller Wurzelpflanzen und Wurzelgemüse. Sie können heute auch gut Kompost ansetzen oder Unkraut jäten“ – und zum anderen, dass er die Haut „regiert“. Heißt das jetzt, ich soll in meiner Haut Kompost aus Wurzelgemüse jäten? Die Haut mit Kompost bestreichen? Meine Haut kompostieren? Na hoffentlich nicht!

Und was nicht so alles sein könne:

Es kann sein, dass Sie am heutigen Arbeitstag nicht recht in die Gänge kommen werden.

Hey, das liegt aber daran, dass es sich beim Tag dieses „Hinweises“ um einen Montag handelt, da ist das doch eh klar!^^

Platsch!

Alle Tätigkeiten, die mit Wasser zu tun haben, werden am Wochenende begünstigt. Gießen, Waschen, Ins-Wasser-Fallen oder das Schwimmbad reinigen fällt mit den Fischen leichter als an anderen Tagen.

Ach, der Mond ist daran schuld, dass es so viel regnet? Und das obwohl gerade jetzt viele Freibäder ihre Saison beginnen, sodass es wirklich leicht fallen würde, ins Wasser zu fallen. Hey, Mond, hör auf mit dem Regen!!

Auch das Putzen und Aufräumen fallen leicht, da immer noch zunehmender Mond herrscht.

Ach? Ist sonst nicht immer die Milchmädchen-Analogie des abnehmenden Mondes gut für reinigende Tätigkeiten? Sogar in ebendiesem Kalender hieß es im Januar noch: „Der Fischetag ist ein guter Putz- und Waschtag, obwohl zunehmender Mond herrscht.“ Da. Obwohl. Begründung mal hie, mal hott. Aber nicht wirklich überraschend.

Der Mond brennt gut

Seien Sie heute besonders sorgsam im Umgang mit offenem Feuer, denn es wird vom trockenen Widdermond genährt.

Aber nicht übertreiben, lassen Sie den anderen Menschen auch noch etwas übrig und verbrennen Sie nur einen kleinen Teil des Mondes.

Und leider gibt’s auch diesmal wieder einen der dämlich–problematischen „Gesundheitstips“, an einem bestimmten Wochenende alle OP- und Zahnarzttermine zu vermeiden. Mal abgesehen davon, dass man am Wochenende selten Termine dazu bekommt – aber ich hoffe, niemand ist so blöd, gar auf eine Notoperation am Wochenende zu verzichten…

Und auch dieser Tip ist wieder so ein Fall von warum gerade heute:

Während des Skorpionmonds besteht erhöhte Gefahr, an einer Geschlechtskrankheit zu erkranken. Schützen Sie sich.

Ja, schützen Sie sich. Aber immer – und nicht nur dann, wenn ein Mondkalender oder sonstiger Esoschwurbler von einer erhöhten Gefahr faselt. Denn der wird seine Gefahrenstufen­schwankungen bestimmt nicht belegen können.

Und nicht in Verbindung bringen mit dem anderen Tip zum „selben Mond“:

Bei zunehmendem Skorpionmond sollten Sie weniger aus der logischen Überlegung als vielmehr aus dem Bauch heraus handeln und entscheiden.

Ähem, wer einen Mondkalender kauft1, denkt dabei doch sowieso nicht logisch… Und ob wirklich der Bauch das geeignete Denkorgan ist, wo doch die Geschlechtsorgane, die Behandlung von Problemen daran und der Geschlechtstrieb überhaupt so stark be-mond-et werden?

Aber damit reicht’s mir wieder mit diesem Ach-der-Mond-macht-diesen-und-jenen-Tag-zu-etwas-Besonderem-also-her-mit-den-banalen-Tips–Gelaber. Enden wir mit einem passenden Spruch:

„Wir leben immer in einer Welt, die wir uns selbst einbilden.“
(Gottfried Herder)

Nur bemühen sich manche mehr als andere, über diese Subjektivität hinaus zu gelangen.

 


PS: Für die noch nicht ganz dem Mond-Aberglauben anheim Gefallenen seien noch ein paar kritische Links ergänzt:

 


  1. nicht um ihn wie hier zu, äh, rezensieren, sondern weil er daran glaubt []