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Atheismus

Typisch!

Kirchturmspitze vor dunklen Wolken (Montage) Gut, von einem Seelsorgereferenten einer Erzdiözese kann man nicht unbedingt Ausgewogenheit erwarten – aber ob die Einseitigkeit folgender Ratschläge dort wirklich niemandem ein bisschen komisch vorkommen könnte?

In den wöchentlichen Anzeigenblättern gibt’s diesmal jedenfalls je eine Sonderseite zu Erstkommunion, Firmung & Co. (» hier, S.7 – Achtung, große Bilddateien auf einer Seite!) u.a. mit einer Zehn-Punkte-Liste zum Thema „Das sollten Sie bei der Erstkommunion Ihres Kindes beherzigen“, darunter diese Punkte:

4. Seien Sie dafür offen, dass Ihr Kind zur Erstkommunion geht. Übertragen Sie eine eventuell vorhandene negative Einstellung gegenüber der Kirche nicht auf das Kind.
5. Führen Sie Ihr Kind zum Glauben hin. Nehmen Sie das Kind zum Sonntagsgottesdienst mit.

Oder anders ausgedrückt: Wenn Sie selber gläubig sind, dann beeinflussen Sie Ihr Kind, machen Sie es unbedingt auch gläubig; wenn nicht oder wenn Sie zweifeln (an Kirche oder Glauben), dann beeinflussen Sie Ihr Kind bloß nicht!

:thumbsdown: Eben die typische, erwartete scheinheilige Einseitigkeit.

Sinnvoller wäre es doch nun wirklich, denke ich (auch wenn ich selber keine Kinder habe), den Kindern auf jeweils altersgerechte Weise zu helfen, sich selbst entscheiden zu können! Kein Zum-Glauben-Hinführen, sondern höchstens zeigen, dass es diesen Glauben gibt – aber auch, dass es nur ein Glaube ist, den trotz seiner weitreichenden Präsenz beileibe nicht alle teilen. Keinen Gruppenzwang aufbauen (lassen) à la „die andern machen’s doch auch.“ Keine Gehirnwäsche und kein Verbot, sondern zum eigenen, vernünftigen Nachdenken anregen – nicht was man denken müsse, sondern wie man vorgehen sollte, um Irrtümer zu minimieren und nicht auf Täuschungen reinzufallen, egal in welchem Bereich.

Aber das kritische Nachdenken ist im Endeffekt eh etwas, das den Kirchenfürsten nicht allzu recht sein dürfte…

Links und Video der Woche (2010/42)

Hoffnung?

ÖKT-Banner „Damit ihr Hoffnung habt“ – das ist das Motto des Ökumenischen Kirchentags, der heute in München begonnen hat. Hoffnung worauf? Übers Wasser zu gehen wie auf dem Banner?1 ;)

Wenn man die Website mal ein wenig überfliegt, scheint es den Teilnehmern zum einen um die Hoffnung zu gehen, dass die verschiedenen christlichen Richtungen besser zusammenarbeiten – auch wenn’s nicht mal zu einem gemeinsamen „Abendmahl“ gereicht hat, da kann man sich wohl immer noch nicht darauf einigen, ob man dabei Jesus wirklich verspeist oder nur symbolisch –, zum anderen „die Welt mitgestalten und Hoffnungszeichen setzen“.

So weit, so gut – zumindest klingt’s prinzipiell nicht schlecht, nur sollten sich die Punkte darunter nicht unbedingt nur aufs Christsein beziehen und beschränken…

Es gibt auch ein Grußwort vom Herrn Ratzinger aus Rom mit einer weiteren, möglicherweise ihrer zentralen Hoffnung:

Das katholische Kirchenoberhaupt rief die Christen zur Hoffnung auf. „Die großen Dinge des Lebens können wir nicht selber machen, wir können sie nur erhoffen“, schreibt er.

Was aber sind die „großen Dinge“ für den Papst und seine Schäfchen (und die der anderen)? Wer entscheidet, wo die Grenze des menschlich Machbaren liegt? Jeder für sich selbst? Eine nach Belieben herausgesuchte und gedeutete Bibelstelle? Der jeweils aktuelle Kirchenanführer?

Was spräche dagegen, zu versuchen, etwas, das diese für unmöglich und nur erhoffbar halten, doch selber zu machen? Was, wenn man erfolgreich ist?

Das Vergessen der Hoffnung auf das ewige Leben führe zu einer Gier nach dem diesseitigen Leben, die „fast unausweichlich egoistisch“ werde und fast immer unerfüllbar bleibe.

Sich auf das reale Leben zu konzentrieren ist gleich eine Gier? Das ist ebenso absurd wie böswillig. Und wieso soll das dieser unverständlichen päpstlichen Logik zufolge so egoistisch werden? Weil sich die nicht an ein ewiges Leben Glaubenden bewusst sind, dass sie und alle Mitmenschen nur dieses eine körperliche Leben haben? Natürlich, da muss man ja egoistisch werden! Nicht.2 Aber was will man von solchen schrill gekleideten alten Männern auch sonst erwarten…

Wäre es – auf die Spitze getrieben – nicht viel logischer3, wenn sich gerade die Himmelsgläubigen viel weniger um das eigene und fremde irdische Leben kümmerten?

Nur wie „erfüllbar“ wird denn die Hoffnung aufs Jenseits sein, und warum überhaupt die Konzentration auf die Hoffnung auf etwas Fernes, um Leid in der Nähe besser ertragen zu können? Ich bin sicher nicht der einzige, der hier lieber darauf setzt – und es auch allen noch so Gläubigen raten mag –, aus dem Jetzt für sich und andere das Beste zu machen und es zu verbessern zu versuchen, anstatt auf dieses weiterhin unentdeckte Land, von dess’ Bezirk kein Wandrer wiederkehrt und vor dem Hamlet noch so besorgt war, zu hoffen – so könnten sie es eben auch jetzt besser haben. Selbst wenn sie glauben, nicht vergebens zu hoffen.

 


  1. Mit Tricks (und die dürften nicht nur aus Schuhen und Geschwindigkeit bestehen) geht das auch so(via Nerdclub) []
  2. Oder nur bezogen auf die „eigene Gruppe“ namens Menschheit in Abgrenzung zu Engeln und Göttern… []
  3. Nicht dass ich hiermit sagen will, dass sie das generell tatsächlich tun, aber zumindest logischer wäre es. []

Hirtengepolter

Kirchturmspitze vor dunklen Wolken (Montage) Der Regensburger „Bischof Müller poltert erneut bei Predigt“, schreibt die Mittelbayerische Zeitung; u.a. heißt es:

„[Müller sagte], es werde versucht, „die Kirche unglaubwürdig machen, ihre obersten Vertreter Papst und die Bischöfe zu desavouieren und zu diskreditieren.“ Dies sei zum Teil auch gelungen.

„Die Mittel dazu sind, die Menschen in einen Hörigkeitszustand zu versetzen, mit irgendwelchen Schlagzeilen, unbewiesenen Meldungen, die immer wieder den Menschen neu eingehämmert werden“, fügte Müller hinzu [...] Nur wenn es einen objektiven, greifbaren Grund gäbe, könne Mixa den Papst um die Entlassung bitten, „aber nicht deshalb, weil er in den Medien angegriffen wird, mit zu Teil lächerlichen, unglaublichen Geschichten“.

Schon lustig, wenn ausgerechnet ein Vertreter einer mächtigen Glaubensgemeinschaft wie der katholischen Kirche gegen Hörigkeitszustände und fortwährendes Einhämmern unbewiesener Behauptungen poltert. Nicht nur einer Glaubensgemeinschaft, bei der manche Vertreter gerne auf Anders- und Nichtgläubigen herumhacken und dabei nicht nur unbewiesene, sondern auch unsinnige Behauptungen ihren am liebsten hörigen, nicht widersprechenden Zuhörern einzuhämmern versuchen wie die Mär vom unmoralischen Atheisten – bspw. Fürst oder Mixa.

Sondern auch einer Glaubensgemeinschaft, die nun wirklich auf „zu Teil lächerlichen, unglaublichen Geschichten“ basiert – Genesis? Dreifaltigkeit? Unfehlbarkeit? Transsubstantiation? – und die im Prinzip schon definitionsgemäß gewisse Probleme mit Objektivität und Greifbarkeit hat. Oder wo sind denn objektive, greifbare Gründe und bewiesene Meldungen für Jesu göttliche Abstammung, seine Wunder und seine Wiederauferstehung, Himmel und Hölle, ja überhaupt für einen Gott?

Ach, und übrigens, Her Müller, es gab objektive, greifbare Gründe gegen Mixa. Seine Realitäts­verbiegungen hinsichtlich körperlicher Gewalt und den begründeten Verdacht zweck­entfremdeter Gelder etwa. Sogar Ihre eigene Bischofskonferenz hat Mixa ja wohl den Rücktritt nahegelegt…

Die Politiker rief er dazu auf, sich nicht in die Kirche einzumischen, sondern die Aufgaben zu erfüllen, für die sie gewählt worden seien. Sie sollten sich mit Problemen wie der Staats­verschuldung und dem Bevölkerungs­rückgang beschäftigen.

Gilt hier auch als „Einmischung“, wenn der Staat die Kirche mit Steuergeldern – wohlgemerkt allgemeinen Steuergeldern von allen Steuerzahlern, zusätzlich zur Kirchensteuer ihrer Mitglieder – versorgt? Ja, damit könnte man wirklich mal aufhören…

Ansonsten hoffe ich doch, dass die Politiker – und nicht nur die, sondern die Gesellschaft überhaupt – sich mindestens so lange in angemessenem Maße in die Kirche einmischen, wie die Kirche sich in die Politik einmischt! So lange wie die Kirche sich in die Gesellschaft und das Leben derer einmischt oder einzumischen versucht, die nicht zu ihren Mitgliedern gehören. So lange wie zu wenig für Aufklärung und Vermeidung von Verbrechen getan wird.

So lange wie Dinge schieflaufen und die Kirche und ihre Mitglieder nicht nur Teil des entsprechenden Staates sind, sondern überhaupt der menschlichen Gemeinschaft.

Und so lange wie die Kirche bzw. gewisse ihrer Vertreter Religions­freiheit als Einbahn­straße verstehen.

Keine Götter?

betend Bei Thomas bin ich auf diese kleine Blogparade vom Fischkopp gestoßen, bei dem es um ein paar Fragen zu diesem Thema geht:

Was wäre wenn morgen jemand den wissenschaftlichen, absoluten Nachweis erbringen würde, das es definitiv keinen Gott, keinen Budha oder Allah gibt bzw. nie gegeben hat??? (Diese Fragestellung bitte ich als rein hypothetisch/philosophisch zu betrachten! Es geht nicht darum seine Religion oder Ansichten zu outen oder das Für und Wider zu diskutieren…)

Nun, den „wissenschaftlichen, absoluten Nachweis“ müsste man als Widerlegung der „Gottes­hypothese“, der Behauptung der Existenz eines wie auch immer gearteten Gottes sehen – mit dem klitzekleinen Problem (zumindest bei denjenigen Varianten, die die Bezeichnung „Gott“ auch verdienen), dass diese Hypothese nicht wissenschaftlich ist und sich der Falsifizierbarkeit entzieht, dass diese Fragestellung also definitiv nur hypothetisch sein kann; wenden wir uns also den einzelnen Fragen der Blogparade zu:

Was würde in der Welt geschehen?

Die Welt würde sich sofort in Luft auflös— nein, Spaß beiseite, es würde nichts Besonderes geschehen; vor allem nichts, was nicht im Rahmen der anderen Fragen beantwortet würde. ;)

Wie würden Milliarden gottgläubiger Menschen (Christen, Juden, Moslems, Budhisten…) darauf reagieren?

Ich denke, die allermeisten, insbesondere die tiefergläubigen Ottonormal­gläubigen würden das kurz zur Kenntnis nehmen und ganz einfach ignorieren – sie kümmern sich ja jetzt schon allgemein nicht um rationale Argumente gegen ihren Glauben und speziell nicht um wissenschaftliche Belege gegen bestimmte Elemente wie den wörtlichen Schriften­auslegungen der Kreationisten; diese würden sicher auch mit ihren kläglichen pseudo­wissen­schaftlichen Versuchen weitermachen, nur dass sie dann halt ein neues Ziel neben der Evolutionslehre hätten.

Einige mit schwächerem Glauben, insbesondere unter den westlichen Christen, die eh schon kurz vor dem Kirchenaustritt stehen, würden diesen hypothetischen Beweis dann vielleicht zum Anlass nehmen, Nägel mit Köpfen zu machen.

Am radikalen Ende des Spektrums hätten manche, die jetzt schon gewaltaffin sind, einen weiteren Vorwand, und auch die Hassprediger diverser Couleur hätten die Gelegenheit, ihr aus den Anders- und Nicht­gläubigen bestehendes Feindbild um Wissenschaftler zu erweitern. Kurz: an Ostern nicht viel Neues…

Was würde mit den kirchlichen Institutionen als Arbeitgeber geschehen?

Ein paar weniger Schäfchen, dafür ein paar weniger niedere Angestellte in diesem Bereich, aber sonst keine Änderungen. Warum auch?

Kriegt der Papst dann Hartz IV? ;-)

Selbst bei einem deutlich höheren Rückgang der Mitgliederzahlen als ich vermute würde der Vatikan davon bestimmt nicht arm werden. Und bevor’s Hartz IV gäbe, müssten sie eh erst ihre Vermögenswerte abbauen; der Papst sollte zuerst in eine kleinere Wohnung umziehen und aus seinen Palästen Hotels oder Sozialwohnungen machen. (Wäre eigentlich auch so keine schlechte Idee.) ;)

Könnte es gar zu kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt kommen?

Auch nicht zu nennenswert mehr als heute. (Und das sind schon mehr als genug.)

 


„I have never seen the slightest scientific proof of the religious ideas of heaven and hell, of future life for individuals, or of a personal God.“
Thomas Alva Edison


Foto: criswatk/sxc