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Verbraucher

Man kann’s auch übertreiben

Warnhinweise werden ja gerade in den USA gerne übertrieben – aber gleich diese drei hier zusammen auf einer Artikelseite bei Amazon.com?

3x Choking Hazard

Sicher könnte man da mit Logik kommen und sagen, ein Spielzeug, das ein kleiner Ball ist, enthält auch einen solchen (als Einziges), und ein kleiner Ball ist ja auch ein kleines Teil. Tja, dumm nur, dass es sich dabei nicht um einen Ball, sondern um das „Pirates of the Caribbean“-Lego-Set 4192 Quelle der ewigen Jugend handelt, das zwar Kleinteile enthält, aber – im Gegensatz zu anderen – nicht mal eine Kugel…

(Bei anderen Sets der Serie steht passenderweise nur die Kleinteile-Zeile, bei diesem passenderweise auch der Ball, bei anderen auch wieder alle drei zusammen.)

„na, wenn´s Geld bringt solte man nix unversucht lassen :-)“

Geldkoffer Das schrieb einer von fast 70(!), die die neueste Inkarnation des alten „Bill Gates zahlt Geld fürs E-Mail-Weiterleiten“-Kettenbriefs weitergeleitet haben, bis er schließlich mich erreichte. Zum Glück mit Smilie, denn wer weiß, was der sonst alles versuchen könnte…

Nur bringen wird’s nichts. Nichts für ungut, aber, Leute – Microsoft und AOL (oder Intel und AOL, je nachdem, welchem Absatz des Textes man glaubt) sollen 241-245 € pro weitergeleiteter Mail zahlen? Denkt doch mal nach!

Aber wenn der Betreff „Unbedingt weiterleiten / Kein Scherz“ heißt1, muss es ja wahr sein, ne? :roll:

Googelt wenigstens ein bisschen, dann solltet ihr etwa auf die Informationen der Hoax-Info der TU Berlin stoßen – und erfahren, dass der Schmarrn seit mindestens 11 Jahren herumgeistert, anfangs mit Summen von 5, 3 und 1 Dollar, schon bald mit vorangestellter 24 und mittlerweile in Euro. (Übrigens, kann mir jemand da mal vorrechnen, wie man auf die genannten Beispiele von angeblich erhaltenen Scheck-Summen von 4324,44 und 4543,23 € kommt? Das geht nicht mal mit MWSt…)

Und so kam es, dass ich jetzt um viele Hundert E-Mail-Adressen reicher sein könnte, wenn ich denn ein Spammer wäre – und viele Hundert weiterer Mitarbeiternamen, teils mit Abteilungskürzel, die in der Weiterleitung ohne ihre Mailadresse angegeben wurden (welchen Sinn das in den Firmen-Mailsystemen auch immer hat). Und den Beziehungen untereinander.

Die Weiterleitungskette, die es zu mir geschafft hat, begann bei einer Privatadresse in Österreich am 8.10., verlief sich zwischendrin zwei Wochen lang im Netz von Volkswagen und Audi, wo, wenn ich mich nicht verzählt habe, ganze 50 Leute so *räusper* naiv waren (und wer weiß, wie viele mehr, deren Mail-Ketten einen anderen Verlauf genommen haben) – da wäre wohl mal eine Mitarbeiterschulung fällig –, kam noch bei ein paar Versicherungen, kleinen Firmen und Privatadressen vorbei, bis ich sie von meinem Getränkelieferdienst erhielt…

Manche haben das Zeug einfach kommentarlos weitergeleitet, manche mit voller Firmensignatur, manche noch mit Kommentar – hier ein paar weitere Beispiele2:

…es klingt so unglaublich, man muß es schon deswegen probieren!

Was für ’ne Logik! Musst du dann auch probieren, dass du fliegen kannst, wenn du dich zu Boden wirfst und den Boden dabei verfehlst?

Vielleicht klappt es ja wirklich… dann würd ich mir erstmal nen schönes paar schuhe gönnen ;o)

Liebe Jenny, ein für alle Mal: „’nen“ ist die Kurzform für „einen“, für „ein“ wäre es „’n“! Ist das so schwer zu kapieren?

Und sprich dich mit deinem Kollegen Julian ab, der macht einen umgekehrten Fehler:

hmm… naja, glaub nicht wirklich daran… aber ein Versuch is es ja wert ;-)

Seufz.

Bitte runter skrollen !!! Wohl kein scherz ?!

Ja, klar. Alles, was man aus 40. Hand im Internet erfährt, muss ja wahr sein. Junge, bleib lieber bei deinem „Geschäftsfeld Hinterachse“.

Er war übrigens nicht der einzige, der „skrollen“ mit k geschrieben hat…

Wenns dann wirklich funktioniert und Ihr für die Schecks keine Verwendung habt,

könnt Ihr diese auch an mich weiterleiten ;-)

Wiiirklich witzig. Ich lache dann später, wenn ich Zeit hab. Ich hoffe, im „Pruefwesen Getriebesysteme“ bist du sorgfältiger mit dem Prüfen, ob was funktioniert oder nicht.

Liebe Freunde,

Von meiner Freundin aus München habe ich diese mail erhalten. Ich vertraue ihr, dass Sie mir nur Gutes will. Dieser Serienbrief enthält keine Drohungen oder sonst Übliches sondern ist ein business, wo wir von Bill Gate’s Werbekampagne profitieren können. Falls Ihr also etwas Weihnachtsknete gebrauchen könnt, macht mit. Im schlimmsten Falle springt nichts heraus und war ein Scherz.
Zuvor aber Text ganz unten lesen und dann an Freunde weiterleiten.
Mit lieben Grüßen

Tja, liebe Frau-mit-Doppelnamen, die „Sie“ falsch schreibt und „Gates“ falsch apostrophiert, da ist deine Freundin-mit-Doppelnamen eben genauso gutgläubig reingefallen. (Aber naja, als Esoterik-Fan – was sich manchen der angeschriebenen Adressen entnehmen lässt – war das ja nicht das erste Mal…) Die hat es übrigens mit den Worten „ich bin gespannt, ob es funktioniert. So leite ich es an Dich weiter“ an 15 im Adressfeld eingetragene Leute weitergeleitet – ich würde da nicht so persönlich „Dich“ schreiben.

Generell übrigens mal ein kleiner Tip an alle Rundbrief-Schreiber: Die Adressen gehören ins Bcc:-Feld und nicht in To: oder Cc:, sonst kann jeder Empfänger alle Adressen lesen – und das ist vom Datenschutz her sehr bedenklich und kann gerade im Firmenumfeld zu Problemen führen…

Hier noch der eigentliche Text der Mail:
 

Nehmt das Ernst!!
Normalerweise sende ich keine Nachrichten dieser Art, aber diese Nachricht kommt von einer sehr guten Freundin, meiner Freundin, diese ist Anwältin und es scheint eine interessante Möglichkeit zu sein.
Wenn Sie sagt, dass es funktioniert, dann funktioniert es auch.
Jedenfalls kann man nichts dabei verlieren.

Folgendes hat sie mir erzählt:
Ich bin Anwältin und ich kenne das Gesetz. Das ist eine Tatsache.
Täuscht euch nicht, AOL und Intel halten ihre Versprechen aus Angst, vor Gericht gebracht und mit Forderungen in Millionenhöhe konfrontiert zu werden, so wie es Pepsi Cola mit General Electric vor kurzem gemacht hat.

Liebe Freunde, haltet dies bitte nicht für einen dummen Scherz.

Bill Gates verteilt gerade sein Vermögen. Wenn ihr darauf nicht reagiert, könnte es Euch später leid tun. Windows ist noch immer das am häufigsten genutzte Programm. Microsoft und AOL experimentieren gerade mit diesem per e-Mail versandten Text (e-mail beta test) Wenn ihr diese Mail an Freunde versendet, kann und wird Microsoft zwei Wochen lang euren Spuren folgen.
Für jede Person, die diese Nachricht versendet, zahlt Microsoft 245 Euro.
Für jede Person, der ihr diese Nachricht geschickt habt und die sie weiterleitet, bezahlt Microsoft 243 Euro. Für die dritte Person, die sie erhält, bezahlt Microsoft 241 Euro.

Nach zwei Wochen wird sich Microsoft mit der Bitte um Bestätigung der Postanschrift an Euch wenden und euch einen Scheck schicken.

Mit freundlichen Grüßen
Charles S. Bailey General Manager Field Operations
[...]

Ich habe dies für Betrug gehalten, aber zwei Wochen, nachdem ich diese Mail erhalten und sie weitergeleitet hatte, bat mich Microsoft um meine Postanschrift und ich habe einen Scheck über 24800 Euro erhalten.
Ihr müsst antworten, bevor dieser Test beendet wird. Wenn jemand von euch diese Möglichkeit hat, sollte er sie nutzen. Für Bill Gates sind dies Ausgaben für eine Werbekampagne. Bitte sendet diese Nachricht so Vielen Leuten wie möglich. Ihr solltet mindestens 10000 Euro erhalten.

Wir wären ja bei der Weiterleitung dieser Mail nicht behilflich, wenn nicht auch für uns etwas dabei herausspränge.
Eine Bekannte meines Vaters hat sich vor einigen Monaten hier eingeklinkt.
Als ich sie zuletzt besucht habe, hat sie mir ihren Scheck gezeigt.
Die Summe betrug 4324,44 Euro als Gesamtleistung.

Die Tante von guten Freunden, Tante Patricia, die für Intel arbeitet, hat gerade einen Scheck über 4543,23 Euro für die Weiterleitung dieser Mail erhalten.
Wie gesagt, ich kenne das Gesetz und es stimmt, dass Intel und AOL gerade über eine Fusion verhandeln, die sie zum weltgrößten Anbieter machen würde und um sicherzustellen, dass sie das meistgenutzte Programm bleiben, führen sie diesen Test durch.

Ist ja auch völlig logisch, was da beschrieben wird. Nicht.

Auch wenn der direkte Schaden hier nicht so groß ist – ein paar Minuten Zeit und ein bisschen Mail-Traffic – sollten sich die Leute schon mal Gedanken machen, ob sie in anderen, teureren Fällen nicht auch Gefahr laufen, zu leichtgläubig zu sein, und nicht besser etwas mehr nachforschen und kritischer denken, bevor sie dann richtigen Abzockern in die Falle laufen. Und ob die indirekte Offenlegung von persönlichen und Kundenbeziehungen sein muss…

:arrow: Also, kurzgefasst: Nicht weiterleiten, einfach löschen!

Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist eben oft auch nicht wahr…


Foto: mikecco/sxc

 


  1. wenigstens hat sich das zwischendurch aufgelaufene Ungetüm „WG: Fwd: Weiterl.: WG: WG: Unbedingt weiterleiten / Kein Scherz“ auch wieder reduziert… []
  2. natürlich hinreichend anonymisiert, also kein Grund, sich über die Veröffentlichung zu beschweren, liebe Weiterleiter! []

Ermittlungen gegen zyprische Global-Scaling-Vermarkter

Meine Stammleser erinnern sich vielleicht noch an die angeblichen Lottovorhersage einer Pseudowissenschaft namens Global Scaling, die mit fundamentalen Fraktalen und Protonen­resonanzen quasi die ganze Welt erklären will – was ihr bei Prozessoren (und anderen Dingen) nicht mal mit radosophischer Rosinenpickerei so recht gelingt, wie ich letztes Jahr dargelegt habe – und zu der es eine in Nordzypern ansässige Firma gibt, die Anleger für eine Verschlüsselungs­technologie gesucht hatte.

Wie mir nun zugetragen wurde (danke!), wird nun gegen diese Firma, die GSDI Cyprus Ltd., ermittelt – wie auf der Seite der Kanzlei Lippke gemeldet wird:

Jetzt bangen die Anleger um ihr Geld. Laut Auskunft der Staatsanwaltschaft Dresden wird im Zusammenhang mit der GSDI Cyprus Ltd. ein umfangreiches Ermittlungsverfahren geführt. Nach vorliegenden Informationen hat die Staatsanwaltschaft Dresden dabei Konten der ebenfalls in Nord-Zypern ansässigen Yesilada-Bank gepfändet.

(Kurze Hinweise für Anleger, die ihr Geld zurück wollen, gibt’s dort auch.) Die Hauptwebsite, die für die Anlegerwerbung benutzt wurde, www.morint.com, ist seit kurzem anscheinend nicht mehr erreichbar. Zudem ist die Website www.protosafe-security.com der Verschlüsselungsprodukte namens ProtoSafe derzeit „under construction“ – muss natürlich nicht viel bedeuten…

Das deutsche Global-Scaling-Institut wiederum, das sich mit den Schwerpunkten Ausbildung, Forschung, Projekten, Dienstleistungen und Programmen präsentiert – die „Lottoprognose“ wird nicht mehr so auffällig präsentiert wie noch vor ein paar Jahren, ist aber noch da und aktiv –, gibt in einem aktuellen „Rundbrief an betroffene Anleger“1 an, sie hätten nur „die Entwickung der Technologie bis 2007 konsultativ begleitet“ und nicht gewusst, wie viel Geld GSDI seitdem bekommen hätte. Weiter schreiben sie:

Seit mehr als einem Jahr wurde uns jegliche Möglichkeit und jegliche Versuche, mehr über die technischen Details von ProtoSafe oder Secureball zu erfahren, seitens der GSDI unterbunden. Hätten wir gewusst, dass schon seitens der Gläubiger enorm viel Geld investiert wurde, hätten wir uns auf jeden Fall in die Sache eingemischt um die Menschen zu warnen.
[...]
Wir haben vor, gegen die Firma, die Investoren gelockt hat, wegen Missbrauchs des Global Scaling Namens rechtlich vorzugehen. Gleichzeitig wäre es geschickt, wenn alle Anleger und Investoren per Gericht die Rückzahlung der Gelder einfordern.

Man gibt sich nun also ganz unwissend und nobel. Ob das mit dem Namensmissbrauch klappen kann, obwohl das GS-Institut ja früher begleitend dabei war? Keine Ahnung. Den folgenden Vorschlag finde ich dann schon sehr dreist:

Wir unsererseits greifen den Anlegern unter die Arme mit folgendem Vorschlag: Gelder, die für die Entwicklung der Global Scaling Technologien investiert worden sind, nach Rückholung in die gemeinnützige Global Scaling Stiftung einzuzahlen, die bei einer deutschen Bank angelegt und unter Aufsicht der oberbayerischen Stiftungsbehörde verwaltet werden.

Die GS Stiftung unterstützt zentral zahlreiche Projekte, die Global Scaling als Idee in sich tragen. Dabei sind die Themenbereiche so optimal gewählt, dass sie durch die Streuung ein riesiges Markt-Potential haben. Durch die Art der Innovationen, Umweltfreundlichkeit, Gesundheitsförderung etc. sind nach unseren Einschätzungen und nach Einschätzungen führender Branchen-Spezialisten hohe Erträge bei diesen Projekten zu erwarten.

Die von GSDI Cyprus geprellten Anleger sollen also nun weiter in GS investieren?? ’tschuldigung, aber auch wenn eine deutsche Stiftung ein Fortschritt gegenüber obskuren ausländischen Firmen ist, hoffe ich doch, die Anleger werden klüger und werden GS ganz den Rücken kehren – die, vorsichtig ausgedrückt, wissenschaftlich obskuren, unsinnigen Grundlagen bleiben schließlich dieselben, und das mit angeblich hohen Ertragsmöglichkeiten sollte auch irgendwie vertraut vorkommen…

Wie ehrlich ist das GS-Institut hier überhaupt hinsichtlich ihrer GSDI-Cyprus-Nichtbeteiligung? Nun, ich maße mir da kein Urteil an, das wird im Zweifelsfall die Staatsanwaltschaft zu klären haben; aber es gibt da ein Youtube-Video (das ich vorerst nicht verlinke), in dem auch ein „Prof. Müller“ als Fragenbeantworter einer ProtoSafe-Pressekonferenz angekündigt wird – im Juni 2009. Und wenn es sich dabei um den Instituts­geschäftsführer Hartmut Müller handeln sollte…

 

Update 19.2.: Das GS-Institut schrieb vor einigen Tagen (in m.E. ziemlich eingebildeter und fast schon unfreiwillig komischer Weise) über Ergebnisse der Anleger-Versammlung und „Warnung vor falschen Investitionen“2, was Florian Freistetter heute trefflich kommentiert hat.

Update 15.3.: Eine Meldung über den Anlagebetrugsvorwurf beim Finanznachrichtendienst GoMoPa vom 9.3.2010 mit ein paar Details (leider nicht in voller Länge frei verfügbar).
Update 4.5.: Den kompletten Text (4 weitere Absätze) gibt’s jetzt bei bei konsumer.info.

Update 11.2.12: Urteile im Betrugsprozess

 


  1. www.global-scaling-institute.de/74-0-Aktuelle-Investitionen.html archiviert bei WebCite® am 3.2.2010 []
  2. www.global-scaling-institute.de/75-0-GSDI-Affaere-aktuell.html archiviert bei WebCite® am 19.2.2010 []

„Diese Entdeckung hat den Nobelpreis verdient!“

Alfred Nobel

Diese Entdeckung hat den Nobelpreis verdient!
Ab heute werden Fachbücher neu geschrieben…
Die erste Erlebensversicherung der Welt!

Was würdet ihr von einer ganzseitigen Werbeanzeige – gefunden in der Bäckerblume1 46/2009, beworben wird „NattoCalcin“ von Dr. Hittich® Gesundheits-Produkte aus den Niederlanden (mit zusätzlicher deutscher Postfachadresse) – halten, die mit den ersten beiden Sprüchen über der eigentlichen Überschrift „Ein Mittel aus der Apotheke der Natur bringt die Sensation für gesunde Arterien und Knochen!“ und mit dem dritten als hervorgehobene Zwischenüberschrift im Text wirbt? Wo würdet ihr sie auf einer Seriositätsskala von 0 bis 10 einordnen?

Wahrscheinlich – hoffentlich!, angesichts solcher absurd vollmundiger Versprechen – ungefähr da, wo die Verbraucherzentrale Hessen die Werbung derselben Firma für ein anderes Produkt („Dr. Hittich Blasen-Kraft“) angesiedelt und erfolgreich als irreführend abgemahnt hatte – in der Pressemeldung (PDF) vom 9.11.2009 heißt es u.a.:

„Wir haben den Firmeninhaber Dr. Hittich schon seit langem wegen irreführender Werbung für Nahrungsergänzungsmittel im Visier“, so Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale Hessen. „Auch die Internetwerbung für viele seiner selbsternannten Wundermittel ist offenkundig unlauter.“ Da der Vertreiber nicht in Deutschland sitzt, ist er rechtlich nur schwer zu belangen, umso erfreulicher ist daher die erfolgreiche Abmahnung.

Da wird’s wohl nichts mit dem Nobelpreis – auch ohne dass Alfred Nobel (Bild oben) lange nachdenkt. Und auch für den Ignobelpreis ist dieser saubere Herr Dr. wohl zu banal und gewöhnlich… da können die noch so viel für ihre angeblichen Wundermittel (bei denen es mich sehr wundern würde, wenn außer dem Hersteller irgendjemand wirklich davon profitiert) werben und die Kunden mit Werbepost überschwemmen, wovor zumindest bei wer-weiss-was jemand vor 3 1/2 Jahren gewarnt hat.

 

(Nachtrag:) EsoWatch über Dr. Hittich Gesundheitsmittel

 

Und bitte auch die Kommentare unten beachten.

 


  1. eine kostenlose bei einigen Bäckereien ausliegende Kundenzeitschrift – die Anzeige war leider auf der Rückseite, auf der sonst Rätsel und Witze sind, die eigentlich den Hauptgrund dafür darstellen, dass ich dieses Heftchen überhaupt mitnehme… []

„Seir-Ennoc“ – Maria Esmeralda macht Mist

Daumen runter Es gibt wieder etwas Neues zu dieser angeblichen Wahrsagerin mit Postfach-Adresse in Buchs (Schweiz), die den Leuten Quasi-Versprechungen von Gewinnen macht, um ihnen das Geld für die richtigen „Hilfsmittel“ oder „Rituale“ aus der Tasche zu ziehen. „bist57″ meinte gestern in einem Kommentar u.a.:

heute der 4.brief. [...] „der schlüssel zum lottogewinn“… eine ausführliche – unvollständige -fragwürdige einführung in das geheimnis des „SEIR – ENNOC“ vorgangs ( kannt das jemand, dieses neuerlich geheimnis ?) , mittels dessen man eine 97,5 %ige chance hat, den betrag von € 450.000,- zu gewinnen..

Nun hab ich den Brief nicht selber vorliegen (wenn „bist57″ oder sonstwer ihn einscannen und mir mailen kann, wäre das nett1), aber es gab schon ein paar Leute, die nach „Seir-Ennoc“, „Seir-Ennoc-Verfahren“ etc. suchten (und zunächst nur auf anderen Beiträgen landeten, die gestern Abend oder heute zufälligerweise von Google aktualisiert wurden und diesen Begriff nur rechts unter „Neueste Kommentare“ enthielten; mittlerweile liefert Google aber auch den Beitrag mit bist57s Kommentar).

Was bedeutet dieser Begriff nun? Er scheint neu zu sein, denn andere brauchbare Erklärungen findet man im Netz nicht – abgesehen davon, dass Seir (getrennt gesprochen: „se-ir“) auch ein Name aus der Bibel, ein Gebirge und ein Dämon ist und Ennoc dem biblischen Namen Enoch/Henoch ähnelt2, was auch eine gute Gelegenheit bietet, um einen mystisch klingenden Namen zu erfinden. Er sah mir aber gleich rückwärts geschrieben aus – manche Namen von Fantasy-Figuren entstehen ja auch so –, und da es kaum um Sean Connery und Familie gehen dürfte, offenbarte ein kurzer Blick ins Leo-Wörterbuch Französisch3 folgendes:

conneries f. pl. [fam.] der Schrott
dire des conneries [pop.] Stuss reden [fam.]
faire des conneries [pop.] Mist (machen|bauen) [fam.]
faire des conneries [pop.] Scheiße bauen [vulg.] [pop.]
Tu dis des conneries. Du quatschst Unsinn.
Ne dis pas de conneries! Erzähl keinen Quatsch!
Ne fais pas de conneries! Mach keinen Mist!
außerdem:
Google-Übersetzer: Bullshit
Babelfish: Dummheiten

Wie passend! :lol3:

Meine Spekulation: Maria Esmeralda (oder wer auch immer hinter dieser Dame steckt) wollte/musste sich einen neuen, mystischen Namen für ein nicht existierendes Ritual ausdenken und hat sich ein Späßchen gemacht – und gehofft, niemand würde diesen Namen und seine Bedeutung hinterfragen…

Überhaupt: Wie kommt diese Dame darauf, ausgerechnet von einer „97,5%-igen Chance“ zu reden und wieso gerade „450.000 €“? (Ob sie jedem dieselben Zahlen nennt?) Eine angebliche hohe Wahrscheinlichkeit, die nur völlig beliebig gewählt worden sein kann – denn wer wird ernsthaft glauben, sie hätte da etwas genau berechnet, wo sie doch schon am Kalender scheitert und nach Geburtsdatum und Sternzeichen fragt? – und das so, dass sie gleichzeitig Exaktheit vortäuscht und ein Schlupfloch bietet, wenn’s halt doch nicht klappt mit dem Gewinn.

Und auch die Summe von 450.000€ (ca. 680.000 CHF) soll wohl suggerieren, dass irgendwas dahinter sein soll, dass die Summe irgendwo in den Sternen, im Kaffeesatz, in den Ritualen oder meinetwegen in der Form der Ausscheidungen der Bodensee-Möwen auf ihrer Yacht steht, weil sie nicht pauschal etwa von einer halben Million spricht.

Conneries par excellence.

 

:arrow: Fazit: Finger weg! Vergesst den teuren Kram von dieser Möchtegern-„Wahrsagerin“ – da kommt nichts Vernünftiges dabei raus, das ist nur Geldverschwendung! Und sie lacht sich ins Fäustchen, wie viele ihr doch Geld schicken – jetzt umso mehr…
Kein Wahrsager kann Lotterie- oder sonstige Gewinne vorhersagen oder gar beeinflussen, und einer mit solchen Methoden der „Kundenbindung“ verdient nicht mal ein kleines bisschen Vertrauen.

Siehe auch:

 


  1. einen früheren hab ich schon, über den ich noch nicht geschrieben habe – naja, kommt auch irgendwann… []
  2. und eben hab ich noch einen simplen Beispiel-Cartoon auf einer Cartoon-Erstellungs-Community gefunden []
  3. wir erinnern uns: in dem Video auf ihrer Homepage spricht die Dame ebenfalls französisch []