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Post

Ein seltsamer Katalog

Ich weiß nicht so recht, das radikale Neudesign des Katalogs von Cyberport, einem großen Computer- und Technik-Versandhändler, der tatsächlich noch gedruckte Kataloge verschickt (und bei dem ich u.a. mein MacBook gekauft hatte), ist irgendwie nicht so recht gelungen. Schon das traurig dreinblickende, mitleiderheischende Robbenbaby auf dem Titel, dazu teilweise dubiose angebliche „Naturmedizin“, im Inneren dann viele weitere Artikel, die nichts mit Computer und Technik zu tun haben, und sogar Fremdwerbung – und dann ellenlange Listen mit seltsamen Angeboten, die man anscheinend nur zu bestimmten Zeiten bestellen kann, bei denen aber die Preisangaben fehlen. Nein, so wird das nichts.

Was kostet denn nun so ein „Supertalent“ oder „Tatort“? Was kostet ein SAT.1 oder ZDF? Ach nein, letzteres wurde ja eben erst von der CDU aufgekauft. Aber ein 3sat muss doch noch zu haben sein?

tv-cyberport

 

Ich frage mich ja wirklich, was da wo konkret schiefgelaufen ist, dass ich eine (nicht abonnierte) TV-Zeitschrift mit diesem Adressaufkleber im Briefkasten finde. Schon in der Vertriebsabteilung der Druckerei? Oder bei der Post, die gerade mit ihrer Wunschwerbung-Werbung von „Kompetenz im Umgang mit Ihrer Adresse“ und „zuverlässigem Versand der für Sie relevanten Informationen“ wirbt? Wollen wir doch nicht hoffen.

So what can we do to clean up this mess
Just feel so helpless

The Cross, "Heaven For Everyone"

Ein Siegel für Wunschwerbung

gewünscht-geliefert Ideen haben die Leute… da kommt heute doch tatsächlich eine Postwurfsendung der Post „An alle, die noch gezielter informiert werden wollen“ – „informieren“ ist ja ein beliebter Euphemismus für Werbung –, die einem anbietet, sich noch mehr Werbung ins Haus (oder ins E-Mail-Postfach oder aufs Handy) zu holen, indem man sich schriftlich oder auf der zugehörigen Webseite gewuenscht-geliefert.de registriert und dabei 15 Themenbereiche ankreuzen kann. Die Briefe enthalten dann ein entsprechendes Siegel „Von Ihnen gewünscht – von uns geliefert“.

Opt-In für noch mehr Werbung also – an sich gar keine so dumme Idee von Seiten der Post bzw. der Werber, denn wer da mitmacht (und sei es auch nur um ein kleines Brief- und Paketmarken-Set für die ersten 500 Einsender abzustauben, das aber heute Mittag schon vergriffen war, wie die Webseite verriet), wird die Werbung wohl auch aufmerksamer lesen als der Durchschnittsbürger. Schön wäre es allerdings auch, wenn die, die nicht antworten, keine Werbung mehr bekämen…

Laut ONEtoONE soll das ein „verhältnismäßig kleiner Test“ an „etwas mehr als eine Million“ Empfänger sein, „um zu prüfen, ob und in welcher Qualität wir erlaubnisbasierte Adressen generieren können“. Weshalb wohl auch ein „persönlicher“ 6-stelliger Code aufgedruckt ist (auch wenn man sich online anscheinend auch ohne registrieren kann), bei dem ich mal annehme, dass darin zumindest auch die Stadt codiert ist, um den Erfolg auch bei den Leuten, die sich nur für E-Mail und/oder Handy anmelden, verfolgen zu können.

Um ehrlich zu sein: das Ergebnis würde mich sogar interessieren. Das Ergebnis, wohlgemerkt, und nicht die Werbung. Jedenfalls glaube ich, dass die Post damit schon allein wegen des geringeren Aufwandes und der größeren Verbreitungsmöglichkeit sogar ein bisschen mehr Erfolg haben dürfte als mit der „Clevercard“, den Webadressenkärtchen samt speziellen USB-Kartenlesern, die sie vor ziemlich genau einem Jahr unter die Leute bringen wollten – die entsprechende Produktseite existiert nicht mehr, nicht mal der Begriff lässt sich noch auf der Post-Website finden; sie wurde offenbar mangels Erfolg im Frühjahr eingestellt.

Ich finde allerdings, die werbungstypisch übertriebenen Formulierungen im Brief – etwa die eingangs genannte Anrede oder „in Zukunft hält Ihr Briefkasten noch mehr für Sie bereit“ und „freuen Sie sich auf Werbesendungen ausgewählter Anbieter, die Ihren individuellen Bedürfnissen entsprechen“ und (auf der Website) „Ab sofort können Sie mitbestimmen, worüber Sie besonders informiert werden wollen“ – sind fast schon unfreiwillig komisch. Und der letztgenannte auch ein bisschen irreführend, wenn man das Wörtchen „besonders“ nicht besonders beachtet, denn da kann das „Siegel“ noch so für vermeintliche „Qualität“ stehen (wofür Siegel ja gerne stehen sollen), die Mitbestimmung beschränkt sich eben auf die neue, zusätzliche Werbung und nicht auf die, die man ohnehin bekommt.

Round and round and round
You're spinning like a wheel
Crying for redemption you break the seventh seal

Edguy, "Ministry Of Saints"

Wo man einen Barcode-Aufkleber auf einem Brief anbringt

Überall, nur nicht dort:

aufkleber

Return to sender, address unknown
No such number, no such zone

Elvis Presley, "Return To Sender"

Originell – doch wozu?

stoff-brief Ein Brief von meiner Krankenversicherung, der neben der Ankündigung, mit welcher Beitragsrückerstattung ich rechnen könnte, wenn ich auch dieses Jahr keine Leistung in Anspruch nehme, noch ein allgemeiner Werbebrief lag, der sich auf die fünf Sinne bezieht und – natürlich – wie toll die Versicherung doch ist.

Auf der Vorderseite: ein Stück weicher, samtartiger Stoff im Bild eines Sofas (siehe Foto), irgendwie die Perspektive zerstörend – durchaus witzig und originell, etwas zum Fühlen. Nur was soll es im Endeffekt bringen?1 Etwas mehr Beachtung, ja, aber ich denke, es bringt kaum mehr Beachtung für den eigentlichen Inhalt. (Und was sagen die Altpapierverwerter dazu, wenn – wie ich vermute – viele Leute das Stück Stoff nicht separat entsorgen?)

„Sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken“, „mit allen fünf Sinnen erleben“, heißt es im Brief – also gut, überprüfen wir das mal:

Sehen: klappt, ich seh den Brief.
Hören: Naja, man kann damit rascheln.
Fühlen: Ich fühle auch das Papier, nicht nur den Stoff – wobei das Stoffgefühl in einem Brief natürlich ungewöhnlich ist.
Riechen: Das Papier riecht ’n bisschen nach Papier und Druckfarbe.
Schmecken: Mmpf, daf Papier fmeckt nift fo gut.

Wir fehen awfo: man kann feine fünf Finne auf einen Brief anwenden, aber wotfu?

 


  1. Außer dass manche Empfänger vielleicht darüber bloggen. ;) []

With all my senses awake, I follow this call
Refreshed in the air sweet and clear, my senses soar

Engelsstaub, "A Dream Within A Dream"

Ist das clever?

Clevercard-Werbung Genug von Werbe-E-Mails oder Webseiten-Werbung, in denen man mühsam einen Link anklicken muss? Das Abtippen von interessanten Web-Adressen auf gedruckter Werbung ist zu einfach? Hier kommt die (heute mit einer Postwurfsendung beworbene) Lösung der Deutschen Post: die Clevercard, „die Eintrittskarte für meine Onlinewelt“!

Man nehme: Eine scheckkartengroße Papierkarte mit gedruckter Elektronik – was an sich durchaus clever ist –, die ein paar Bytes speichern kann; ein kostenlos bestellbares Lesegerät, das sich anscheinend als USB-Tastatur ausgibt, um per Windows-Ausführen-Dialog1 eine auf den Karten gespeicherte Webadresse aufzurufen; und den Willen, seine Adresse zu Werbezwecken weiterzuverbreiten – und fertig ist eine weitere Art, Werbemüll, pardon, „attraktive und exklusive Angebote“ zu verbreiten, bei der der Kunde sich sogar aktiv beteiligt fühlen darf!

Mag ja anfangs – also so mit dem Starter-Paket mit Lesegerät und ein paar Karten und spätestens der ersten Karten-Nachlieferung – noch einen gewissen Neugier- und Coolness-Faktor haben, zumindest für gelangweilte Omas, die sich auf dem iPod des Enkels nicht zurechtfinden, oder kleine Kids, die noch nicht mit dem iPod der Oma spielen dürfen, weil die Gefahr besteht, dass sie ihn verschlucken. Aber sonst? „Die Nachfrage nach unserem Paket ist groß“, schreibt die Post – tja, wahrscheinlich gibt’s eben doch genug Leute, die das ungeachtet der Adressweitergabe mal ausprobieren wollen, koscht ja nix!

Ich neige eher dazu, neuerdings.com zuzustimmen:

Das sinnloseste Gadget des Monats November scheint gefunden.

 


Siehe auch:

 


  1. Mac- und Linux-Nutzer bleiben mangels Kompatibilität zwangsweise verschont; immerhin kommt das Gerät so ohne Treiber aus. []

I'm one card short of a full deck
I'm not quite the shilling

Queen, "I'm Going Slightly Mad"