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Esoterik

Achtung, Drachen!

Oder auch: Video der Woche (oder des Monats), das nicht bis Sonntag warten kann:

“Here Be Dragons – An Introduction to Critical Thinking”
(Achtung, Drachen – eine Einführung in kritisches Denken)

Ein 40-minütiges Gratis-Video von Brian Dunning – anschauen!

Die meisten Leute akzeptieren ohne jede Kritik paranormale und pseudowissenschaftliche Behauptungen, wie sie von den Massenmedien verbreitet werden. Here Be Dragons bietet Werkzeuge, die Gefahren von Pseudowissenschaft zu erkennen und zu verstehen, und zeigt die Wertschätzung des wirklichkeitsbasierten Nutzens echter Wissenschaft.

(meine Übersetzung der Filmbeschreibung)

Video mit deutschen Untertiteln:

Ruckelt bei Schwenks leider etwas – wer auf die Untertitel verzichten kann, findet eine flüssigere Version bei Youtube oder direkt auf der Homepage – auch in höherer Qualität oder gar als DVD-Image.

(via GWUP-Blog)

Links der Woche (2008/45)

Im Keller des Löwen

Löwenbräukeller Ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mal eine Esoterikmesse zu besuchen, wie sie derzeit (noch bis Sonntag) im Löwenbräukeller in München stattfindet, und so hab ich mich heute Nachmittag auf den Weg gemacht – und bestätigt gefunden, dass die Fantasie quasi grenzenlos ist…

Unzählige Aussteller mit Ständen von einem bis einigen wenigen Quadratmetern, gepaart mit über 100 Vorträgen/Workshops (wenn auch manche verschiedenen Tagen wiederholt werden) – viele der Vortragenden sind natürlich auch Aussteller – dürften wirklich für jeden etwas bieten, Hirnzellen und Geld loszuwerden. Einen Vortrag hab ich mir aber nicht angetan, denn zum einen befürchtete ich, mich nicht beherrschen zu können, und zum anderen sind sie überwiegend auf 40 Minuten angesetzt, und das wäre mir dann doch zu lang gewesen, zumal ich auch noch ins Rotlichtviertel musste.1

So hab ich mich darauf beschränkt, nur hier und da an den Ständen etwas mitzuhören und auch das eine oder andere „erklärt“ zu bekommen oder mich einfach nur umzusehen, von Aurafotografie über Duftöle, Edelsteine, Energiepyramiden®, Engelbilder, Handlesen (stilecht im Zigeunerzeltchen), Hexenzubehör, Räucherstäbchen, Kartenlegen, Klangschalen, Kosmetik mit lebendem Wasser (inklusive Gratisproben), Nullpunktenergie-Produkten aus Geschäftsauflösung, meterweise Prophezeiungen bzw. die „Neuoffenbarung“ einer gewissen Bertha Dudde (dank Spenden kostenlos), Regenbogenengel, schamanische Diagnose und Seelenbestseller bis hin zur Geistigen Aufrichtung – alles gut geeignet zur geistigen Abrichtung, gewissermaßen.

Löwenbräukeller: Esoterik-Tage

Ach ja, die Energiepyramiden® (jedesmal mit ® auf dem Info-Zettel) – ein Gestell aus vergoldeten(?) Messing(?)-Stäbchen mit einer kleinen kopfstehenden Pyramide in einer großen, jeweils mit Glasboden. „Der Schlüssel zum 3. Jahrtausend“ – ja hallo, danke für’s Aufsperren, das hätte in der Silvesternacht 2000 ja was gegeben, wenn die Tore verschlossen geblieben wären! Zur Förderung der spirituellen Energien, deren Wirkung mit drei „Aurafotos“ nach verschieden langer Anwendung „belegt“ wurde. Erhältlich in drei verschiedenen Modellvarianten/Größen (ab 18cm) für unterschiedliche Ziele zu Schnäppchenpreisen von 400€ bis 2300€. Na wer da nicht die Geldbörse zückt!

Und am besten gleich dazubestellen: Ein vergoldetes schalenähnliches Gestell namens „Horus®-Brunnen“, das ergänze die Pyramide optimal: 1800€, „zuzügl. Kristallkugel (ab 300€)“. Super-Schnäppchen, aber echt! Da kann der Medien-Markt einpacken! ;)

Beinahe wäre ich dann beim Rundgang gegen eine Frau gestoßen, die halb auf dem Gang hinter einer sitzenden Kundin stand, die Arme halb ausgestreckt und auf Schulterhöhe die Handflächen nach oben gerichtet – minutenlang ohne ein Wort oder eine nennenswerte Bewegung. Nicht auszudenken, wenn ich die energetische Ausrichtung durch einen Rempler gestört hätte! Die freiwerdende Energie hätte das ganze Gebäude vernichten können!

Ein großer Gong stand auch an einem Stand – ich war schon kurz davor, „Anyway the wind blows“ zu singen und kräftig draufzuschlagen2, aber die geistig konzentrierten Kräfte der Klangmystiker haben mich gerade noch davon abhalten können. :P

Und es gab selbstverständlich große Tische mit Werbung zum Mitnehmen, wo ich mich eingedeckt und damit bestimmt für die nächsten Monate genug Material habe… Das Programm von K-TV, dem katholischen Sender aus Österreich, war auch dabei – o Schreck, haben Esoterik und Religion etwa etwas gemein??3

So bleibt mir nur noch, den heutigen Beitrag mit dieser hervorragend passenden Zeichnung von Plognark (via Bad Astronomy) zu schließen:
The stupid, it burns

 


  1. Südlich des Münchener Hauptbahnhofs gibt’s eine interessante Mischung aus Sex-Shops/Strip-Bars, Glücksspielbetrieben – und Computerläden, die denn auch mein eigentliches Ziel waren. []
  2. so endet „Bohemian Rhapsody“ von Queen []
  3. Ja. Sehr viel sogar. []

Die CimdComp-Therapie – besser als Bachblüten!

Ich hatte ja neulich schon die „Bach-Blütentherapie“ erwähnt, bei der willkürlich 38 „Seelenzustände“ mit 38 willkürlichen Pflanzen-Wasser-Alkohol-Mischungen geheilt werden sollen. Ist natürlich esoterischer Glaubensmedizin-Quark mit reiner Placebo-Wirkung.

asiatischer Speicher Aber es geht besser! Da ich ohnehin beruflich mit Computern zu tun habe, ist es mir gelungen, eine absolut wirksame neue Therapieform zu entwickeln, die zudem viel besser zu den Seelenzuständen passt, die sie heilt, als der Kram von Edward Bach. Ich nenne sie die CimdComp-Therapie:

die Cimddologische Computer-Komponenten-Therapie.

Das ist richtig, Sie verwenden nicht irgendwelche Pflanzen, sondern essentielle Bestandteile des modernen Lebens – die beste Lösung in dieser modernen Zeit!

Achtung: Anwendung auf eigenes Risiko!
Das Lesen dieses Beitrags kann nicht den Arzt ersetzen!
Suchen Sie bei heftigen Beschwerden unbedingt einen Arzt auf!
(↑ Bla bla aus rechtlichen Gründen, das keiner, der es verwendet, wirklich glaubt.)

Die Komponenten

Wählen Sie die Komponente, die am besten zu Ihrem aktuellen Seelenzustand passt, um dessen Disharmonien zu beseitigen:

Komponente: Hilft bei Seelenzustand:
Prozessor (modern) Ihre Gedanken fühlen sich langsam an.
Pentium-Prozessor mit Rechenfehler Sie stellen fest: „Ich bin ja sooo berechenbar.“
Motherboard Sie leiden an einem Ödipus-Komplex.
Spannungswandler Sie fühlen sich ständig angespannt.
Gehäuseschraube (normal) Man sagt Ihnen öfter: „Bei dir ist doch ’ne Schraube locker!“
Daumenschraube Sie haben sadistische Neigungen.
Fenster aus der Gehäuse-Seitenwand Ihre exhibitionistischen Tendenzen werden zu stark.
Festplatte (mind. 500 GB) Sie neigen zur Magersucht.
Festplatte (bis 10 GB) Sie neigen zur Fresssucht.
Speichermodul Sie haben Gedächtnisprobleme.
DDR-Speicher Sie sind ein hoffnungsloser Ostalgiker, der der DDR hinterhertrauert.
DDR2-Speicher Sie sind ein hoffnungsloser Ostalgiker, der die DDR wieder aufbauen will.
SPD-EEPROM-Chip Sie sind ein unverbesserlicher Fan von Müntefering & Co.
Vibrationsdämpfer Sie zittern am ganzen Körper.
Tintenstrahldrucker Sie ärgern sich ständig über die Graffiti an Ihrer Hauswand.
Maus (mit Kabel) Sie fühlen sich ständig angebunden und in Ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
Maus (ohne Kabel) Sie sind besorgt über zu viel Freiheit.
Leertaste Sie fühlen sich so leer.
Tasten L und O Sie müssen ständig laut lachen (*LOL*).

psst! Sie sehen, manche Komponenten wirken nach dem homöopathischen Prinzip, „Gleiches mit Gleichem“ zu behandeln, andere enthalten die Lösung direkt. Wie diese Auswahl zustandegekommen ist, ist natürlich Betriebsgeheimnis.

 

Herstellung der Essenzen

Stellen Sie zunächst sicher, dass die Geräte nicht mehr ans Stromnetz angeschlossen sind.

  • Wählen Sie die für Sie geeignete Komponente aus der obigen Tabelle und bauen Sie sie vorsichtig aus.
  • Legen Sie die Komponente in einen mit Staub gefüllten Behälter ausreichender Größe, so dass sie komplett vom Staub bedeckt ist.
    Der Staub ist wichtig, denn die der Materie innewohnenden Schwingungen übertragen sich im weiteren Verlauf auf ihn, und dabei ist er viel wirkungsvoller als Wasser (das zudem den Komponenten mehr schaden würde).
  • Lassen Sie die Komponente genau 42 Minuten im Staub liegen, und achten Sie darauf, dass keine Sonnenstrahlen darauf fallen; entfernen Sie die Komponente dann.
  • Greifen Sie mit einer Pinzette aus Kunststoff (wichtig! Metall würde die Wirkung zunichte machen!) eine Staubfluse heraus und potenzieren1 Sie diese in 23 Hektolitern destilliertem Wasser. Mit einem Kunststofflöffel 16 Minuten lang gut umrühren!
  • Entnehmen Sie mit einer Pipette 15 Tropfen daraus und geben Sie diese in eine Literflasche Wodka. Drehen Sie die Flasche 8x vertikal im Kreis.
  • Trinken Sie 4 Milliliter daraus.
  • Ihr Leiden ist geheilt!

War das nicht einfach? Ist das nicht genial? Wozu brauchen Sie jetzt noch Bachblüten, Homöopathiekügelchen oder Handauflegen?

:loll:


Fotos: Lev Olkha/Fotolia.com, scol22/sxc

 


  1. =verdünnen []

Geistheilung und die Telefonnummer im Impressum

Geistheilung und Telefon Telefonnummer im Impressum eines privaten Blogs wie meinem – ist das jetzt gut oder schlecht? Mal abgesehen davon, dass der EuGH entschieden hat, dass es auch für (bestimmte?) Firmen nicht zwingend ist (via Nicht spurlos), würden mir ohne Telefonnummer Anrufe wie der heute Nachmittag entgehen – auf die ich andererseits auch irgendwie verzichten könnte.

So hat mich eine Dame, die vermutlich über die Suchanfrage „muß man beim geistigen heilen etwas bestimmtes sagen ?“ auf meine Meinung zum „Geistigen Heilen auf höchster Ebene“ gestoßen ist, angerufen, weil sie als Anfängerin sich für eine Einführung in die Geistheilung interessiere (wofür sie auch bezahlt hätte…) und sich eben nicht sicher wäre, wie das funktioniert und ob überhaupt was dran wäre. Denn sie hat, offenbar in der Annahme, ich würde Entsprechendes anbieten, gleich zum Impressum weitergeklickt, ohne meinen Beitrag zu lesen! 8O

Nun ja, so konnte ich sie wenigstens darauf aufmerksam machen, wozu dieser Beitrag da ist – nämlich um gelesen zu werden –, und dem Linktip zur GWUP-Seite über Paramedizin zu folgen. Vielleicht nimmt sie ja gleich wieder Abstand von ihrem geistheilenden Vorhaben…


Wo wir schon bei blogbezogenen Telefonaten sind: Ein lobender Anruf aus Österreich – vielen Dank nochmal – zu (wenn ich mich recht erinnere) „Heilen mit Strichcodes“ wäre mir da auch entgangen. :mrgreen:


Foto (ohne Telefon): Stas Perov – Fotolia.com