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Esoterik

„Nein“

Aus dem Bayerischen Taferl, einem der hiesigen wöchentlichen Anzeigenblätter, im Kleinanzeigen-Abschnitt „Verschiedenes“, der ja nicht zum ersten Mal eine Quelle für Merkwürdiges ist:

Meditation im Advent ein Thema für Dich? Tel. ...

Ich hatte mir schon überlegt, ob ich spaßeshalber anrufen, „Nein“ sagen und gleich wieder auflegen sollte – dann sah ich im selben Block mit ca. 40 Anzeigen auch noch diese:

Familienaufstellung etwas anders! tel. ...

Da hieße die Antwort dann „Nein, danke, bleib weg mit dem Schmarrn“.

Es gibt noch mehr verstreute Anzeigen dieser Art mit derselben Telefonnummer in Karlskron (laut privatem (d.h. nicht geschäftlichem) Telefonbuch-Eintrag; eine Website dazu hab ich nicht gefunden):

Engel - ein Thema für Dich? Tel. ...

Da wären wir wieder beim „Nein“. Zumindest in Bezug darauf, wie die Frage wohl gemeint ist, denn dadurch, dass ich hier darüber schreibe, ist das alles ja doch ein Thema für mich.

Beinahe wäre mir diese Anzeige (eigentlich die zweite in der Reihe) entgangen, die die Vielseitigkeit dieser Dame zeigt:

Weihnachtsgeschenke selbstgemacht, z.B. Bären u. Engel stricken. Tel. ...

Praktisch, dann hat man auch gleich was zum Aufbinden – was sie im Hinblick auf die anderen Angebote wohl gleich ausnutzen dürfte…

„Uri Geller live – Ufos & Aliens“ – Bericht, Meinung…

Alien …Kritik, Nörgelei, nennt es, wie ihr wollt. Es geht jedenfalls um die heutige Sendung „Uri Geller live – Ufos & Aliens – Das unglaubliche Live-Experiment“ um 20:15 Uhr auf ProSieben.

Man kann sogar eine eigene Nachricht ins All schicken lassen – nur wer auf eine echte Antwort hofft, wird vergebens hoffen, die Entfernungen sind einfach zu groß, und falls es tatsächlich intelligentes Leben „da draußen“ gibt, müsste es ja erstmal die Nachrichten verstehen können. Da kann der Oberlöffeltrickser noch so großspurig daherreden:

„Alles kann passieren“, sagt Uri Geller. Auch er hat eine persönliche Message für die Aliens: „Wir öffnen unsere Herzen und unsere Gedanken für euch. Wir glauben fest daran, dass ihr irgendwo da draußen seid. Bitte zeigt euch in der Nacht vom 15. November. Die Menschen werden aus den Fenstern sehen und euer Signal erwarten.“

Vorsicht, Uri, wenn die Leute aus den Fenstern sehen, verpassen sie die Werbung, und das wird ProSieben nicht gefallen!

Gäste
  • Die Esoterik-Exzentrikerin Nina Hagen – trotz ihrer Viruserkrankung dabei.
  • Präastronautik-Phantast Erich von Däniken.
  • „The Next Uri Geller“-Gewinner Vincent Raven.
  • Ein „Mann und eine Frau, die sich laut eigener Aussage erstmals in einem Raumschiff begegneten. Heute sind die beiden ein Paar und werden während der Sendung unter Hypnose nach ihren Erfahrungen mit Aliens befragt.“ Oje.
  • Per Telefon aus den USA: Edgar Mitchell – Apollo-14-Astronaut und Ufo-Gläubiger. Wobei ersteres keine Grundlage für eine höhere Glaubwürdigkeit von letzterem darstellt.
  • Moderator ist wie bei „The Next Uri Geller“ Stefan Gödde.
Beginn

Wie schrieb doch ali im Kommentar bei Florians Live-Blogging, der auch gerne mitlesen würde:

Bin aber schon zu einem Fondue verabredet. Auch viel Käse, nur besser.

Na dann guten Appetit – das wünsche ich meinen Lesern auch bei dieser schönen Bescherung, bei der sich wohl keine Löffel biegen dürften, höchstens Balken. Nach Werbespots mit Aliens in talk talk talk zur Einstimmung geht’s denn auch überpünktlich los mit Göddes und Gellers aufgezeichnete Einleitung und dem ukrainischen Radioteleskop, Geller verspricht, dass einige von uns eine Antwort bekommen sollen, und das Rabenväterchen kümmert sich um den Seelenkontakt – irgendwie vermisse ich aber die Warntafel „Versuchen Sie das auf keinen Fall zu Hause!“ von der Zauberershow…

Ein kahler Kopf mit Alien-Gesicht-Tattoo auf der Rückseite war kurz zu sehen, und dann fängt Gödde schon mit einer Lüge an, indem er sagt, zum ersten Mal würden Botschaften ins All geschickt – das haben sowohl seriöse Leute per Funk und auf Raumsonden als auch mehr oder weniger unabsichtlich alle Radio- und Fernsehsender seit langem getan.

Aber zunächst ein Filmchen zur Einleitung, wo ein paar „Promis“ und Geller selbst ein paar Sätze von sich geben dürfen. Geller meint, wir verdienten eine ehrliche Antwort. Von ihm? Unmöglich. Unmöglich in anderer Bedeutung auch, was für Applaus er bekommt, als er auf die Bühne kommt und von seiner großen Lichtkugel als Kind berichtet. Das größte Experiment seines Lebens soll das heute Abend werden – ich denke, das war eher der Versuch, ob er damals mit seinen billigen Löffeltricks erfolgreich wird – und wir Zuschauer sollen was zum Schreiben bereithalten.

Schaltung ins Deep Space Center in Evpatoria/Ukraine, das Radioteleskop wird kurz vorgestellt – für 16:9 hat’s in der Aufzeichnung offenbar nicht gereicht, der Moderatorenkollege Daniel Aminati wurde ganz schön dick. Angepeilt wird der Stern Hip 4872, 310 Billionen Kilometer (32,8 Lichtjahre, im Gebiet des Sternbilds Cassiopeia) von uns entfernt. Und die Lichtgeschwindigkeit ist für ihn der „absolute Wahnsinn“.

Ufo-Filmchen

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Achtung, Drachen!

Oder auch: Video der Woche (oder des Monats), das nicht bis Sonntag warten kann:

“Here Be Dragons – An Introduction to Critical Thinking”
(Achtung, Drachen – eine Einführung in kritisches Denken)

Ein 40-minütiges Gratis-Video von Brian Dunning – anschauen!

Die meisten Leute akzeptieren ohne jede Kritik paranormale und pseudowissenschaftliche Behauptungen, wie sie von den Massenmedien verbreitet werden. Here Be Dragons bietet Werkzeuge, die Gefahren von Pseudowissenschaft zu erkennen und zu verstehen, und zeigt die Wertschätzung des wirklichkeitsbasierten Nutzens echter Wissenschaft.

(meine Übersetzung der Filmbeschreibung)

Video mit deutschen Untertiteln:

Ruckelt bei Schwenks leider etwas – wer auf die Untertitel verzichten kann, findet eine flüssigere Version bei Youtube oder direkt auf der Homepage – auch in höherer Qualität oder gar als DVD-Image.

(via GWUP-Blog)

Links der Woche (2008/45)

Im Keller des Löwen

Löwenbräukeller Ich wollte mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mal eine Esoterikmesse zu besuchen, wie sie derzeit (noch bis Sonntag) im Löwenbräukeller in München stattfindet, und so hab ich mich heute Nachmittag auf den Weg gemacht – und bestätigt gefunden, dass die Fantasie quasi grenzenlos ist…

Unzählige Aussteller mit Ständen von einem bis einigen wenigen Quadratmetern, gepaart mit über 100 Vorträgen/Workshops (wenn auch manche verschiedenen Tagen wiederholt werden) – viele der Vortragenden sind natürlich auch Aussteller – dürften wirklich für jeden etwas bieten, Hirnzellen und Geld loszuwerden. Einen Vortrag hab ich mir aber nicht angetan, denn zum einen befürchtete ich, mich nicht beherrschen zu können, und zum anderen sind sie überwiegend auf 40 Minuten angesetzt, und das wäre mir dann doch zu lang gewesen, zumal ich auch noch ins Rotlichtviertel musste.1

So hab ich mich darauf beschränkt, nur hier und da an den Ständen etwas mitzuhören und auch das eine oder andere „erklärt“ zu bekommen oder mich einfach nur umzusehen, von Aurafotografie über Duftöle, Edelsteine, Energiepyramiden®, Engelbilder, Handlesen (stilecht im Zigeunerzeltchen), Hexenzubehör, Räucherstäbchen, Kartenlegen, Klangschalen, Kosmetik mit lebendem Wasser (inklusive Gratisproben), Nullpunktenergie-Produkten aus Geschäftsauflösung, meterweise Prophezeiungen bzw. die „Neuoffenbarung“ einer gewissen Bertha Dudde (dank Spenden kostenlos), Regenbogenengel, schamanische Diagnose und Seelenbestseller bis hin zur Geistigen Aufrichtung – alles gut geeignet zur geistigen Abrichtung, gewissermaßen.

Löwenbräukeller: Esoterik-Tage

Ach ja, die Energiepyramiden® (jedesmal mit ® auf dem Info-Zettel) – ein Gestell aus vergoldeten(?) Messing(?)-Stäbchen mit einer kleinen kopfstehenden Pyramide in einer großen, jeweils mit Glasboden. „Der Schlüssel zum 3. Jahrtausend“ – ja hallo, danke für’s Aufsperren, das hätte in der Silvesternacht 2000 ja was gegeben, wenn die Tore verschlossen geblieben wären! Zur Förderung der spirituellen Energien, deren Wirkung mit drei „Aurafotos“ nach verschieden langer Anwendung „belegt“ wurde. Erhältlich in drei verschiedenen Modellvarianten/Größen (ab 18cm) für unterschiedliche Ziele zu Schnäppchenpreisen von 400€ bis 2300€. Na wer da nicht die Geldbörse zückt!

Und am besten gleich dazubestellen: Ein vergoldetes schalenähnliches Gestell namens „Horus®-Brunnen“, das ergänze die Pyramide optimal: 1800€, „zuzügl. Kristallkugel (ab 300€)“. Super-Schnäppchen, aber echt! Da kann der Medien-Markt einpacken! ;)

Beinahe wäre ich dann beim Rundgang gegen eine Frau gestoßen, die halb auf dem Gang hinter einer sitzenden Kundin stand, die Arme halb ausgestreckt und auf Schulterhöhe die Handflächen nach oben gerichtet – minutenlang ohne ein Wort oder eine nennenswerte Bewegung. Nicht auszudenken, wenn ich die energetische Ausrichtung durch einen Rempler gestört hätte! Die freiwerdende Energie hätte das ganze Gebäude vernichten können!

Ein großer Gong stand auch an einem Stand – ich war schon kurz davor, „Anyway the wind blows“ zu singen und kräftig draufzuschlagen2, aber die geistig konzentrierten Kräfte der Klangmystiker haben mich gerade noch davon abhalten können. :P

Und es gab selbstverständlich große Tische mit Werbung zum Mitnehmen, wo ich mich eingedeckt und damit bestimmt für die nächsten Monate genug Material habe… Das Programm von K-TV, dem katholischen Sender aus Österreich, war auch dabei – o Schreck, haben Esoterik und Religion etwa etwas gemein??3

So bleibt mir nur noch, den heutigen Beitrag mit dieser hervorragend passenden Zeichnung von Plognark (via Bad Astronomy) zu schließen:
The stupid, it burns

 


  1. Südlich des Münchener Hauptbahnhofs gibt’s eine interessante Mischung aus Sex-Shops/Strip-Bars, Glücksspielbetrieben – und Computerläden, die denn auch mein eigentliches Ziel waren. []
  2. so endet „Bohemian Rhapsody“ von Queen []
  3. Ja. Sehr viel sogar. []