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Projekt 52: Kleinigkeiten

Nächstes Januar-Thema im Projekt 52.

Manchmal braucht man keine großen Sets aus Tausenden Steinen, sondern kann sich an den Kleinigkeiten erfreuen – etwa an neuen, auch mal exotischen kleinen Tieren wie den beiden Axolotl Bubbles (rosa) und Opal (blau) hier im neuen, dem Vernehmen nach recht beliebten Set 42681:

Bzw. axolotzintzintli, wenn man die Originalsprache, das klassische Nahuatl, bemühen will – und zwar den Plural der Verkleinerungsform (s. Wiktionary) – da klingt ja schon der Name irgendwie süß. Selbst wenn man das mit der Aussprache des -tl [aːˈʃoːloːtɬ] bzw. -tli nicht so ganz hinbekommt als (nicht-walisischer) Europäer…

Was hat Wales damit zu tun? Nun, für die Aussprache des walisischen Doppel-L wird auch dieses l mit Gürtel verwendet, bekannt etwa von dem Örtchen mit dem eingängigen Namen Llanfairpwll­gwyngyllgogery­chwyrndrobwll­­llantysilio­gogogoch [ˌɬan.ˈvair.puɬ.ˌɡwɪn.ɡɘɬ­.ɡo.ˌɡe.rɪ.ˌχwɪrn.ˌdro.buɬ.­ˌɬan.tɘ.ˈsi.lio.ˌɡo.ɡo.ˈɡoːχ]

Wie besonders darf’s denn sein?

Nur Gast, Special oder Very Special? Unterschiedliche Vorstellungen der örtlichen Veranstalter, die Bands haben weniger zu sagen, oder…?

Aus der Konzertankündigungsmail von Eventim jedenfalls:

Hamburg: Powerwolf + Special Guest: Hammerfall & Support: Windrose
Stuttgart: Powerwolf + Guests: Hammerfall, Wind Rose
Frankfurt: Powerwolf + Hammerfall & Wind Rose
Oberhausen: Powerwolf
Berlin: Powerwolf + Hammerfall & Wind Rose
München: Powerwolf | Very Special Guest Hammerfall / Support: Wind Rose

Die Schreibweise der dritten Band in 1 oder 2 Wörtern kann man immerhin als Mehrheitsentscheidung betrachten…

Nachtrag: Auf dem Plakat zur Tour steht’s übrigens in der Formulierung von München (übereinander ohne | und /).

Διακοπές στην Ελλάδα

Sommerzeit, Reisezeit… Pandemiezeit, also reisen wir nur in der Fantasie…

Stellen wir uns also mal vor, wir machen Urlaub in Griechenland (das ist auch die Übersetzung des Titels oben) in einem Hotel mit lauter deutschen Urlaubern und hören uns um, welche Gesprächsfetzen wir so mitbekommen:

“Sollen wir durchs Tαhren, lieβnte?”
“Sie ist beim Yoγnfred, und raδbends! Mir wär das zu viel Sport.”
“Wasser, Pε Drink?”
“Was für ein Geζ hier… In welche ηge mit der θsse?”
ιch auch.”
“Nimm im Hotel deine κb!”
“Haben wir im Kühlraum noch λ? Und Geμse?” – “Ja, geνgend.”
“Ist das unser Gepäξcher?”
“Weg mit dem Cοald!”
“Ich muss ππ!” – “Aber ρbert, du warst doch schon dreiσl heute!” – “Stimmτf keinen Fall!”
“Gib das υa, φllip!” – “Gleiχch bin fast durch mit dem Heft.”
“Toψbzehn Tage waren das, Ingω schade, dass wir abreisen müssen.”

Wir verziehen uns in einen ruhigeren Bereich, während im alten Nebengebäude noch ein ϝϝ bellt, als sich sein Münchner Herrchen mit “Mia ϻ mia”-T-Shirt den ϙnstößt.


(Ich weiß, der Text ist ein bisschen gemein für diejenigen, denen die griechischen Buchstaben nicht geläufig sind, aber man kann ja die Gelegenheit nutzen, das Wissen etwas aufzufrischen – nicht zuletzt im Hinblick auf die aktuellen und künftigen Coronavirus-Varianten…)

-leinchen

Im Deutschen gibt’s ja die bekannten Endungen -chen und -lein und deren regionale Varianten, um Verkleinerungsformen (Diminutive) zu bilden, z.B. Maßnähmchen, Ruhetäglein, Notbremserl*. Zusätzlich kann man natürlich auch Adjektive und Vorsätze à la Mini- verwenden, etwa Mini-Lockdown – was gerade bei Fremdwörtern sicherlich seriöser und standardsprachlicher daherkommt als Lockdownchen oder das irgendwie besser klingende, aber seltsam zu schreibende Lockdäunchen.

Diminutive können auch zur Verniedlichung verwendet werden oder um Geringschätzung und Verachtung auszudrücken, wie man sieht.

Grundlage für beide Formen bildet übrigens, wie die Wikipedia verrät, das germanische Zugehörigkeitssuffix -īn, das im Fall von -chen mit dem Suffix -k verbunden wurde, wogegen -lein eine Verbindung des althochdeutschen Suffixes -al, -il mit dem althochdeutschen Verkleinerungssuffix -īn ist, das später als neues, eigenständiges Suffix interpretiert und auf Wörter übertragen wurde, die ursprünglich kein l-Suffix besaßen.

Vergrößerungsformen (Augmentative) gibt’s hingegen nicht mit solchen Endungen – nur Vorsätze wie Über-, Mega- u.v.a. und in manchen Kombinationen Un-, bspw. Volltrottel, Superversager, Mega-Inkompetenz etc.

Kurios wird’s natürlich, wenn man beides kombinieren will bzw. müsste, wie bei einem Mega-Lockdöwnchen (siehste, noch ’ne Schreibweise 😉), das, viel zu lange halbherzig dahindilettiert, die einen an oder in den Ruin treibt, während die anderen nahezu ungehindert weiter Viren verbreiten können…

Andere Sprachen bieten da mehr in beide Richtungen – siehe auch Diminutivaffix und Augmentativsuffix –, etwa im Italienischen -ino/-ina, -etto/-etta, -ello/-ella, … und -one/-ona; Portugiesen, Russen, Türken u.a. wenden ihre Endungen gar auf Adjektive an. Im Englischen gibt’s hingegen – mit regionalen und eher umgangssprachlichen Ausnahmen wie auld und -zilla, die die englische Wikipedia nennt – auch nur augmentative Vorsätze ähnlich wie im Deutschen. In den letzten Jahrzehnten haben sie ja auch noch das über-, i.d.R. als uber-, von uns ubernommen.

Ob schon ein Italiener Kombinationen wie Lockdownonino, Lockdownettone o.ä. verwendet hat, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis; Google findet diese beiden zumindest nicht.


* Dieser Artikel kann Spuren von Bezügen zum aktuellen Geschehen enthalten.

Poller bitte umfahren

Je nach Betonung hat “umfahren” ja zwei ziemlich gegensätzliche Bedeutungen – die destruktivere sollte man eigentlich tunlichst vermeiden, aber das gelingt offenbar nicht immer:

Fragt sich noch, ob das jetzt eher Freibadbesucher, Eishockey-Fans oder -Spieler, Fußballer oder sonstige berufstätige oder einkaufende Gelegenheits- oder Dauerparker waren…