Kummer?

Bischof Walter Mixa 2008 In einer Meldung von gestern nennt das Bistum Augsburg1 im Ergebnis der Gespräche „in offener und vertrauensvoller Atmosphäre“ des Priesterrates mit Noch(?)-Bischof Mixa ebendessen knappe Erklärung:

Es tut mir im Herzen weh und leid, dass ich vielen Menschen Kummer bereitet habe. Ich bitte um Verzeihung.

Kummer. Ein Sorgegefühl bzw. Niedergeschlagenheit, synonym zu Angst, Gram, Harm, Hoffnungslosigkeit, Melancholie, Niedergeschlagenheit, Schwermut, Sorge, Trauer. (Wiktionary)

Kummer. Ja, den hat er sicher etlichen Kollegen und Schäfchen bereitet. Die fragwürdige Verwendung einiger Gelder (inwieweit auch immer sich dies schließlich konkret bestätigt) verblasst ein bisschen im Vergleich zu den Aussagen an Ostern, „zu keiner Zeit körperliche Gewalt“ angewendet zu haben – denn m.E. waren das dann offenbar dreiste Lügen angesichts der vor ein paar Tagen zugegebenen Ohrfeigen und/oder Zeugnis eines abartigen Verständnisses von Erziehung und mitmenschlichen Umgangs, das Ohrfeigen als keinerlei Form von Gewalt ansieht.

Kummer? Tut ihm nur der verursachte Kummer leid oder auch die Taten selbst?

Kummer?? Kaum die angemessene Bezeichnung für die Auswirkungen der Watschn selbst, oder? Geschweige denn – sofern die entsprechenden Anschuldigungen in immerhin eidesstattlichen Versicherungen stimmen – für noch heftigere Schläge.

Wäre ich einer der Betroffenen – als direktes früheres Opfer oder auch nur als Elternteil, das Bedenken hat, sein Kind im Beisein Mixas einen dieser mehr ammen- als märchenhaften Initiationsriten durchführen zu lassen –, ich könnte dieses Nicht-Bedauern der Schläge nicht einmal ansatzweise als Entschuldigung anerkennen.

Wie eines der damaligen Heimkinder sagt: „Er will sich retten und im Amt bleiben.“ Scheint mir auch so. Und gleichzeitig scheint mir das Unrechtsbewusstsein bei dieser angeblichen moralischen Instanz hie und da zu schwach ausgeprägt zu sein.


Foto: Dr. Christoph Goldt / Bischöfliche Pressestelle Bistum Augsburg (IBA), aus Wikipedia, CC-by-sa-Lizenz

 


  1. das übrigens mal seinem Webmaster Bescheid sagen sollte, dass eine Nachrichten-Einzelansicht nicht unbedingt den Seitentitel „Startseite“ haben sollte []

11 Kommentare
1 Trackback

  1. jL

    Ach, darüber sollte man sich nicht grämen (haha), der wird nicht abtreten, komme was wolle. Er hat ja auch nur zögerlich zugegeben, was nicht mehr zu leugnen war (das hattest du glaub ich auch schon geschrieben) und dieser Kummer-Satz ist auch nur halbherzig gemeint, wie du das im 3. Kummer-Absatz geschrieben hast.
    Da bleibt wirklich nur die Hoffnung, dass solche schlechten Beispiele diejenigen aufrütteln, bei denen noch Hoffnung besteht, d.h. dass sie aus der Kirche austreten und/oder ihre Kinder erst gar nicht eintreten lassen.

    • c

      Und wenn einer der Priester in seiner Predigt ihn vor dem „Aussitzen“ der Krise warnt und meint, „notfalls müsse man auf ein Einschreiten Roms hoffen“ (siehe obigen „Kollegen“-Link), ist das irgendwie auch für einen Lacher gut…

  2. S

    Das ist doch das schöne am katholisch sein ; Man macht Fehler, gesteht sie sich ein, bittet um Verzeihung und damit alles wieder gut ist beichtet man ein wenig und alles ist wieder wie vorher.

  3. c

    Er tritt anscheinend tatsächlich schon zurück – bzw. hat sein Rücktrittsgesuch eingereicht, das ist ja offiziell die Entscheidung des Papstes.

    Wie viele der anderen Bischöfe hoffen nun, dass damit auch all das andere Übel, die anderen und sexuellen Missbrauchsfälle, aus dem Licht der Öffentlichkeit rücken…?

  4. S

    Als ob damit alle Fälle aus dem Licht der öffentlichkeit verschwinden würden.

    Mal sehen wie der oberste Hirte entscheidet und gesundheitliche Gründe dann der Auslöser waren, wie so oft bei Rücktritten

  5. S

    Wurde aber auch Zeit, dass Mixa ein Rücktrittsgesuch eingereicht hat, und dem Papst wird wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als diesem stattzugeben. Das mit dem Kummer ist in der Tat eine dürftige Aussage und nicht einmal annähernd so etwas wie eine Entschuldigung – bei Mixa überrascht mich das aber auch so gar nicht, gehört er doch sowohl zu den konservativsten als auch zu den polemischten und von sich überzeugtesten Bischöfen.
    Zur Beichte: Nein, auch ein Bischof kann sie sich nicht selbst abnehmen, nicht einmal der Papst kann das, auch der muss bei einem anderen Priester beichten.

    • c

      Wobei der Papst sich sicher „etwas“ Zeit lassen wird – bevor der etwas offiziell verlautbaren lässt, braucht er doch immer mehrere Tage pro Wort, um die „beste“ Formulierung zu finden…

      (Und willkommen. :) )

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