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Sprache

Poller bitte umfahren

Je nach Betonung hat „umfahren“ ja zwei ziemlich gegensätzliche Bedeutungen – die destruktivere sollte man eigentlich tunlichst vermeiden, aber das gelingt offenbar nicht immer:

Fragt sich noch, ob das jetzt eher Freibadbesucher, Eishockey-Fans oder -Spieler, Fußballer oder sonstige berufstätige oder einkaufende Gelegenheits- oder Dauerparker waren…

Spenden und Kredite, Gewinne und Belohnungen
(Aber eigentlich nur Spam)

Es kommen ja immer wieder Spam-Mails, bei denen es ums Geld geht – angeblich sehr viel, das man selbst bekommen solle, in Wahrheit werden die Betrüger vermutlich nur „Gebühren“ abkassieren wollen.

Schon vor einiger Zeit kamen etwa welche mit Betreff „GEWINNMELDUNGSBUCHSTABE“ (tja, wenn man „letter“ im falschen Kontext übersetzt) oder ganz einfach „SPENDE“, oft mehrere von derselben Absenderadresse, die mit der Antwortadresse nichts zu tun hat, z.B.

Ich bin Neil Trotter, ein Lottogewinner und Philanthrop. Ich spende Ihnen und Ihrer Familie einen Betrag von 850.000,00 Euro. Kontaktieren Sie mich über meine E-Mail-Adresse für Verzeichnisse.

Joa, Verzeichnisse. Man mag überlegen, über wie viele oder wenige Ecken man das in etwas Sinnvolles übersetzen kann, über „directions“ etwa.

„Sinnvollerweise“ kam vom selben Absender auch ein Kreditangebot, das von der Spende oben dermaßen übertroffen wird, dass es schon lächerlich ist:

Benötigen Sie einen dringenden Kredit?
Wir bieten Kredite für geschäftliche und private Zwecke an. Wir vergeben Kredite innerhalb von mindestens 5.000 Euro und höchstens 80.000 Euro. Bei Interesse senden Sie uns eine E-Mail, um weitere Informationen zum Darlehen zu erhalten.

Absender war in beiden Fällen jemand mit südosteropäischem Namen, ein „dipl. kineziolog“. Klingt so vertrauenswürdig wie realitätsleugnend, dass mich nicht wundern würde, wenn der Absender insofern stimmt, als dass der selber auf Spam-Malware hereingefallen ist…

Die Klammer im Folgenden sagt’s, der Betrag ist lächerlich gering:

Sehr geehrte Damen und Herren,
Im Namen der Entschädigungskommission der Vereinten Nationen (UNCC) im Rahmen der Kampagne der westlichen Union zur Beseitigung der globalen Wirtschaftskrise möchten wir Sie darüber informieren, dass Ihre E-Mail-Adresse (nur fünfzigtausend Euro) 50,000 Euro gewonnen hat

Da ist mir die heute frisch reingeschneite Summe schon lieber:

Glückwunsch,

Aufgrund der Corona-Virus-Pandemie haben die Vereinten Nationen beschlossen, so viele Menschen auf der ganzen Welt mit jeweils 5.000.000 Euro zu belohnen.

Ja wie viele denn? Aber hey, jetzt wird man für das Kontaktereduzieren und Daheimbleiben endlich belohnt!

Ihre E-Mail-Adresse gehörte zu den glücklichen Gewinnern. Um Ihren Gewinnpreis zu erhalten, kontaktieren Sie uns bitte unter unitednation.donation26@gmail.com mit dem vollständigen Namen Land und Telefonnummer, Beruf und monatlichem Einkommen.

Vereinte Nation

Einkommen? Sieh an, der Betrüger will wohl schauen, wie hoch er angebliche Gebühren ansetzen kann, die seine potentiellen Opfer sich locker leisten können.

Wobei ich mich ja frage: Wenn jemand den Anfang der Mail gelesen und geglaubt hat, wird der bei der Frage nach dem Einkommen dann doch misstrauisch, oder ignoriert er diese Alarmglocke genauso wie alle zuvor?

Vielleicht sollte man das den selbsternannten Querdenkern weiterleiten, vielleicht glauben die’s ja eher, und vielleicht hätten sie dann ein paar Minuten weniger Zeit, anderen Leuten zu schaden…

So alt wie gedruckt

Beim Lexikon-Verlag Merriam-Webster gibt’s ein „Zeitreise“-Feature, das einem (englische) Wörter auflistet, die in einem bestimmten Jahr erstmals in gedruckter Form vorkamen.

Auf Twitter haben sie aufgefordert, mal fürs eigene Geburtsjahr nachtzuschauen. Ich weiß jetzt nicht so recht, ob ich mich mit 1972 so wahnsinnig geehrt fühlen sollte: „alternative medicine“, „acupressure“, „Kirlian photography“… passenderweise immerhin auch „cash cow“ und „scammer“. In der seriösen Medizin war anscheinend einiges mit T-Zellen los.

„Garage band“, „glitter rock“ und „playlist“ macht die Sache wenigstens ein bisschen musikalisch, und Merriam-Webster will auch „floppy disk“ erst 1972 gefunden haben – die englische Wikipedia kennt aber eine Quelle von 1970.

Ansonsten kamen offenbar mehrere geschlechtsneutrale Begriffe à la „congressperson“ oder „stuntperson“ (statt -man) auf. Aber bevor ich jetzt noch mit Spaghettiträgern in die rote Zone gerate, verabschiede ich mich schnell mit „rubber-chicken“ – nicht „of, relating to, or being a series of social gatherings (such as fund-raising dinners) at which speeches are given“, sondern wörtlicher

Vom Bügeln und Verwöhnen durch Außerirdische

Also, äh, nicht wirklich. Aber zwei weitere Exemplare der Möchtegern-Erpressbetrüger, die vorgeben, sie hätten einen beim Masturbieren gefilmt. Zwei Exemplare, die das Schlechteste aus mehreren automatischen Übersetzungen kombiniert zu haben scheinen. Einer mit einer deutschen und einer mit einer brasilianischen Mailadresse großer Anbieter, was natürlich nicht viel heißen muss.

Hier also die „besten“ Auszüge. Der erste legte gleich mit dem Betreff „Sehr katastrophal folgen zum u“ richtig los, wo der andere nur „id“ und eine Zahl titelte. Aber dann!

Ich sehe Sie wirklich mögen zu Bügelte das Mitglied so Sie lesen Dies Botschaft!
Schrecklich vid von dir masturbierte wurde genommen mit der Hilfe von Ihre web camera. Ich bin sicher Das Ihre Geliebte wird sein entsetzt durch Dies!

Wo der „Brasilianer“ mit seiner Herkunft einen Volltreffer landet:

Ich können enttäuschen Sie, versuche es nicht wenden Sie sich an Rechtsorgane Sie werde nicht in der Lage sein zu Fang mich, wie ich bin ein Außerirdischer (so meine Deutsche Alphabetisierung ist schlecht).

… punktet der „Deutsche“ mit den kippenden Cops:

Cops kippen dir helfen, aber sie können sie versuchen.
Ich werde nicht prüfen diese Konto damit nicht antworten.
Achten Sie nicht auf meine Deutsche, Ich bin ein Ausländer

Schicksalhaft der „Brasilianer“:

Sie Schicksal 0.121 BTc an die Adresse […] und ich werde löschen alles Ihre schockierend video.

(Das wären übrigens rund 1000 €.) Dafür ist der „Deutsche“ bei der Drohung „besser“:

Wenn ich nicht erhalten das Geld Ich werde verwöhne deine ruf.

Alles in allem diesmal kein klarer 7:1-Sieg des „Deutschen“ über den „Brasilianer“, sondern eher ein gemeinsamer „Erfolg“ gegen die deutsche Sprache…

Ka oder Kwa

Quarantäne. Also nicht ich, nur sprachlich dank Coronavirus, also dem SARS-CoV-2, in aller Munde. Manche sprechen’s Karantäne aus – auch die Mehrzahl der Nachrichtensprecher, die ich in letzter Zeit gehört habe -, manche Kwarantäne. Der Duden ist auch ausschließlich für ersteres. Zur Herkunft – die bekanntermaßen irgendwas mit dem Französischen zu tun haben muss – schreibt er:

französisch quarantaine, eigentlich = Anzahl von 40 (Tagen), zu: quarante < vulgärlateinisch quarranta < lateinisch quadraginta = vierzig; nach der früher üblichen vierzigtägigen Hafensperre für Schiffe mit seuchenverdächtigen Personen

Ich tendiere auch eher zum Ka – auch wenn es etwas … seltsam ist, die erste Silbe französisch auszusprechen und den Rest, der ja sogar deutsch geschrieben ist, deutsch; oder sagt jemand Karotähn im Deutschen? Eben.

Wobei die übliche 14-tägige Corona-Quarantäne ja eigentlich eine quatorzaine ist, zu quatorze=14. Der Eindeutschungslogik zufolge also eine Quatorzäne oder Quatorsäne.

Wobei man sich jetzt noch fragen könnte, warum schon die alten Römer die harte tt-Mitte in quattuor=4, in quattuordecim=14 fortbestehend, für quadraginta=40 aufgeweicht hatten, sodass sie in der Folge im Französischen und fast allen anderen romanischen Sprachen ganz verschwunden ist (quarante), aber lassen wir das…