Gerne

Wurst Ein Phänomen breitet sich seit ein paar Jahren immer weiter unter dem Metzgerei-, Bäckerei- und sonstigen Fach­verkäufe­rinnen­nach­wuchs aus, ein Phänomen, das im Grunde genommen zwar von erhöhter Freundlichkeit wie auch von Freude am Beruf zeugen kann (oder eher soll), das aber auch irgendwie… seltsam anmutet, zumal dann, wenn es sich oft in kurzen Abständen wiederholt: Nach jeder einzelnen Bestellung

„gerne“

zu sagen. Irgendjemand muss mal damit angefangen haben und dieses Wort seitdem gerne den Nachwuchs-Verkäuferinnen beibringen, um nicht zu sagen eintrichtern. Gerne auch in der Variation

„M-hm, gerne“ oder
„100 Gramm Fleischwurst – gerne.“

Fragt sich, ob der durchaus variierende Zeitabstand zwischen Erkennen und Bestätigen des Kundenwunsches und dem „gerne“ nun eher Rückschlüsse darauf zulässt, wie gerne die Bestellung tatsächlich durchgeführt wird oder doch nur, wie sehr dieses Wörtchen schon verinnerlicht wurde.

Der Zwiebelfisch meinte einmal vor zweieinhalb Jahren gerne dazu:

Heute ist der Kunde nicht mehr König, sondern zahlender Gast im Ferienclub, und der Verkäufer ist der Animateur, der so tun muss, als sei ihm jede Dienstleistung, jede noch so alltägliche Routine ein persönliches Vergnügen. Denn die Parole lautet: Service ist Spaß!

Wenn nun z.B. bei der vierten von sechs Einzelbestellungen das „gerne“ weggelassen wird, bedeutet das nun, dass die Verkäuferin(nen) den Leberkäs gerne lieber selbst gegessen hätte(n)? Ich hoffe doch, sie hatten noch genug übrig, sodass es für alle gerne gereicht hat, denn man will sich ja nicht schlecht fühlen, als hätte man etwa Mund- oder noch schlimmeren Raub gerne (oder ungerne) begangen…


Foto: adauzie/sxc

6 Kommentare

  1. FvK

    Dieses Problem betrifft doch das gesamte Dienstleistungsgewerbe.

    Nehmen wir dieses Wort mal auseinander, so stellen wir schnell fest, dass der Kunde eine Dienstleistung erhält, die er im Übrigen ja auch in Form von Beratung, Abwiegen, Buchung, Kassiertätigkeit, u.s.w.u.s.f. erhält. Will sagen, der Dienstleister lebt davon. Warum also soll ich dem Kunden nicht mit einem freundlich „gerne!“ vermitteln das ich mich über seinen Auftrag freue?

    Kleine Nettigkeiten wie „Bitte“ und „Danke“ sind aus unserem Wortschatz im täglichen Miteinander eh schon fast verschwunden…

    Ich selber habe jahrelang in diesem Metier gearbeitet und konnte als positiven Nebeneffekt feststellen, das die Kunden auch freundlicher sind, denen man ihnen freundlich entgegenkommt. Das kommt dem Dienstleister auch wieder zugute, denn seine Arbeit wird stressfreier und somit wirklich entspannter. Außerdem kostets nix, nichtmal das kleine Lächeln das ich dabei verschenke.

    Als Dienstleister sollte man die Kunden so behandeln wie man als Kunde selbst behandelt werden möchte.

    Dienstleister, die ihre Kunden nach dem Motto „Höflichkeit ist eine Zier- doch weiter kommste ohne ihr!“ behandeln werden auf Dauer den schwierigeren Stand haben und vielleicht sogar im harten Konkurrenzkampf auf Dauer unterliegen…

    • c

      Klar, eine gewisse Höflichkeit muss (bzw. sollte selbstverständlich) sein. Nur finde ich eben ein solches „gerne“ nach jeder einzelnen Bestellung übertrieben und eher aufgesetzt – ein „bitteschön“ am Ende beim Überreichen des gesamten Einkaufs (und Begrüßung/Verabschiedung) würde mir jedenfalls völlig reichen.

  2. B

    Nee, habe im Xykauf, da wo die Kassierinnen immer fragen: „War alles in Ordnung?“ gesagt:
    „Ja, bis auf das Gedudel (Einkaufsradiohorrorshow) hier“. Sagt sie: „SIE können ja jetzt wieder raus…“
    Gefällt mir eher als Robotersprech.

    • c

      Ja, dass das Personal von Gedudel oder Schlimmeren – dieselben Werbe-Jingles im Minutentakt, oder ein Spielzeugaffe, der ständig vor sich hin kreischt, etc. – genervt ist, kann ich mir gut vorstellen, schließlich reichen mir da schon einige wenige Minuten…

  3. R

    Hallo Andreas,
    also ich sehe es genauso wie Du: Es klingt nicht echt, und es nervt. Ich kaufe manchmal an einer Wursttheke, da sagen sie nach jeder Bestellung „danke, und sonst nochwas?“ :roll:

    Und das Gedudel nervt mich auch oft, vor allem, wenn es zu laut ist. (Oder die Videos, die den ganzen Tag irgendwas verkaufen wollen…)

    Ich habe aber einen Baumarkt meines Vertrauens, da ist schöne, außergewöhnliche Musik. Die Lady an der Kasse (war gleichzeitig die Info-Frau) wusste immerhin, dass es da einen speziellen Sender dafür gibt. Aber wie der heißt, wusste sie nicht auswendig.

    • c

      Ich glaub, da gibt’s bestimmt mehrere Sender – im Internet bestimmt, aber evtl. auch über Satellit. Namen weiß ich jetzt aber auch keine.

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