Von Angesicht zu Angesicht

Beichtstuhl Eine Frage an diejenigen, die schon mal einen Beichtstuhl von innen gesehen haben – und sei es nur in Film oder Foto:

Wenn ihr die dunklen Kabinen betrachtet mit dem engmaschigen, gerne kunstvoll gestalteten Gitter zwischen „Beichtvater“ und Beichtendem, dazu meistens(?) eine Sitzanordnung, wo zumindest ersterer nach vorne anstatt in Richtung des Beichtenden schaut, mitunter letzterer auch in Richtung Rückwand kniet oder, falls möglich (wo er schon meint, büßen zu müssen, soll er halt besser knien), auch nach vorne schauend sitzt und nicht in Richtung Gitter – käme euch da der Ausdruck „von Angesicht zu Angesicht“ in den Sinn?

Mir jedenfalls nicht. Wobei es aber auch klar sein dürfte, dass Kardinal Meisner, als er sich einer möglichen Online-Beichte gegenüber ablehnend geäußert hat mit den Worten „Das kann man nicht. Das muss von Angesicht zu Angesicht sein“ (siehe z.B. SZ), damit eher das Persönliche am Beichtvorgang gemeint haben dürfte als das Ins-Gesicht-Schauen… kurios genug fand ich diese Wortwahl dennoch, um es hier kurz zu erwähnen.^^


Foto: wenzday01/Flickr, CC-by-nc-nd-Lizenz

6 Kommentare

  1. jL

    Beichtstühle kommen eigentlich nur in Film und Fernsehen vor. Ich kenne nur das „von Angesicht zu Angesicht“ in der Beichte. Insofern hat der Kardinal da Recht.

    • c

      In meiner Jugenderinnerung, als ich mal gezwungenerweise zu einer Beichte musste und nicht recht wusste, was ich sagen sollte – das ganze katholische Konzept hat mir schon damals nicht viel gesagt – war der Priester in dieser Kabine weder gut zu sehen noch zu hören, und es war eben alles andere als direkt von Angesicht zu Angesicht. Mag anderswo natürlich anders sein.

  2. r

    Ist halt der Kompromiss zwischen persönlichem Gespräch und Anonymität. Wobei bei der Beichte natürlich beide Aspekte auf extrem wackligen Fundamenten stehen. Und ‚beide sitzen nach vorne‘ durchaus auch historisch-architektonische Gründe haben kann: So können die Beichtstühle (die ja auch mit einem Stuhl nicht direkt etwas zu tun haben) deutlich schmaler gebaut werden.

    Das mit dem ‚Angesicht‘ sollte man nicht auf die Goldwaage legen – immerhin heißt es ja auch ‚im Angesicht Gottes‘, was wohl ebenfalls nicht allzu wörtlich gemeint ist.

    • c

      Nun, zumindest in den großen Kirchen wäre auch Platz für Mehrzimmer-Beichtstühle.^^

      Aber wir wissen ja eh, dass das Angesicht Gottes nicht online beichtend erreicht werden kann, weil die bösen Mobilfunkstrahlen das verhindern…

      • r

        ooops, diese Blockade hatte ich ja ganz vergessen…

        Doch das ist alles Schnee von gestern (bzw vor nem halben Jahr) – immerhin gibt es diese segensreichen Präventions-Papperl mit den erstaunlichsten Wirkungen:

        Die Elektronen werden dem Stromkreis zugeführt. Dies bewirkt einen Wechsel der Drehrichtung des Spins vom Uhrzeigersinn zum Gegenuhrzeigersinn. Durch die gleichzeitige Energiezufuhr wird die Spin-Geschwindigkeit massiv erhöht.

        Ja da schau^^

        Aber so ein Mehrzimmer/platz-Beichtstuhl hätte was, Katholiken zu Gruppentherapisten? Wettbeichten?

        • c

          Spin? Ich glaube, da fehlt ein „n“ am Ende…

          Und statt (A)nonyme (A)lkoholiker also (B)ekannte (B)eichter? Hätte was, ja. :) Wobei die Alkoholiker vielleicht auch reinpassen, denn durch Alkohol lässt sich die Dreh- (und Schwank-)Geschwindigkeit sicher auch erhöhen…

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