„The Next Uri Geller“ Finale 2009 – Meinung, Kritik, Tricks, Erklärungen

Dies ist ein Bericht zu einer Sendung der zweiten Staffel von 2009. Sie können auch:
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Gabel betet stehenden Löffel an Zeit fürs Finale heute Abend (endlich!) – „die Zuschauer entscheiden, wer den Titel und 100.000 Euro gewinnt“ –, und die drei Finalisten unter den ehemals 10 Kandidaten sind:

Manuel Horeth – will „eine unmögliche Mission“ „abseits der Bühne“ starten –, Jan Becker – will „eine lebenslange Verbindung zwischen zwei Menschen schaffen“ (oje, das wird eine lange Show) – und Ully Loup – der „nur einen wahren Freund“ haben soll, seine Hündin Sina, und bei den Zuschauern „Emotionen wecken“ will, diesmal mit einem Kontakt „mit dem Kronprinzen der Hölle“ (siehe Pro7-Newsflashes).

Außerdem soll der Ungar David Merlini auf Einladung von Uri Geller einen „spektakulären Entfesselungs-Act zeigen – und dabei ein gefährliches Spiel mit dem Feuer spielen“. Oder einen „spekatukulären“, der Pressemeldung nach. ;) Seine bisherigen Extrem-Leistungen sollen sein:

Er hält den Unterwasser-Weltrekord (20 Minuten, 39 Sekunden), verbrachte 33 Stunden gefesselt in einem Eisblock und legte schon 100 Meter in einem brennenden Auto zurück.

Promis heute: Moderatorin Charlotte Engelhardt, Moderator Matthias Opdenhövel und Schauspielerin Julia Stinshoff.

Die Sendung

Die Show beginnt mit einem Blick auf die Trophäe: ein Glasblock mit eingelasertem Löffelbild. Immerhin größer als die, die man auf Trödelmärkten kaufen kann… Die „spektakulären Acts“ sollen auch außerhalb des Studios in Köln und Berlin stattfinden. Also Videoaufzeichnungen wie auch letztes Jahr, mit allen Trick-Möglichkeiten in Aufzeichnung und Schnitt. Nun ja, finde ich keine so gute Idee, hoffentlich sind sie wenigstens tatsächlich spektakulär genug.

Kandidat 1: Ully Loup

Nanu, bisher immer am Ende, jetzt als erster? Also kann er nicht gewinnen. ;) Will sich die Naturgewalten untertan machen. „The screen is yours“ – richtig, die Aufzeichnung aus einer rot beleuchteten Gasse/Hinterhof(?). Julia soll an einen Finger ihrer hochgehaltenen Hand denken, Ully tippt sie nacheinander an und bekommt am angeblich richtigen einen kleinen elektrischen Schlag. Ully redet da von „Geistenergie“, natüüürlich. Hinein in eine leere Fabrikhalle mit überwiegend blauer Beleuchtung, Ullys „Labor“ mit einigen großen elektrischen Installationen.

Zuerst eine Demonstration: Ully hat einen Metallnetzanzug (→ Faraday’scher Käfig) an und (nachdem er Julia auf die Seite geführt hat) klettert auf eine Metallplatte auf großen Isolatoren – 1 Milion Volt fließen durch ihn, sagt der Sprecher, und Blitze züngeln aus Finger und Kopf (mit Haube) zu umgebenden Metallteilen, aus einem Faß schlägt (offenbar präpariertes) Feuer. Julia soll dann in einen festen, grob menschlich geformten Drahtkäfig rein, soll „wenn möglich ihren Intellekt abschalten“ (macht nix, die Physik funktioniert auch so).

„Öffne die Tore der Hölle“ oder so ähnlich ruft er, nachdem er wieder auf die kleine vom Boden isolierte (aber natürlich per Kabel mit Strom versorgte) Platte geklettert ist, der Sprecher dummschwätzt was von Verstärkung seiner mentalen mit den elektrischen Energien, sodass er was über Julias Ängste und so erfährt. Die Blitze fliegen auch fleißig von Ullys Drahtnetz zu Julias Drahtkäfig. Hatte sie gerade eine Empfindung? Keine genaue, aber Ully hat eine, Angst (wenn ich das richtig verstanden habe), irgendwas mit einer nicht stattfindenden Verletzung ihrer Mutter im Traum. Recherche oder Absprache, wie üblich. „Wollen Sie, dass diese Angst aufhört?“ Aus der Seele wegschreien – machen beide auch und umarmen sich.

Hm, das waren nette elektrische Effekte, aber nichts, was irgendwie magisch nennenswert wäre, und zu Ullys Psycho-Image passt’s auch nur begrenzt. Vergleichsweise enttäuschend, verglichen mit seinen früheren Auftritten, finde ich.

Geller meint: „Great act.“

Kandidat 2: Manuel Horeth

Will „einen spurlosen Einbruch begehen“. Auch eine Videoaufzeichnung aus Köln – mit Matthias. Irgendwas kurzes mit Konzentrieren und „Fußball“ auf einem Kärtchen zur Einstimmung. Die Boxhandschuhe von Mohammed Ali will er klauen, sie kaufen Karten an der Museumskasse, überflüssiges Hypnose-Spielchen zum Geldsparen.

Aber erst etwas Fußball mit einer Torwand, auf die Matthias so schießen werden soll, wie Manuel es ihm „einhypnotisiert“ (mit einem dämlichen eingespielten Geräusch); den Plan dazu hängt er verschlossen neben die Torwand. Matthias schießt 4x, Manuel zeichnet auf einer Tafel die Positionen mit. Und sie passen natürlich zum „alten“ Plan, den, wie es schien, zwischendurch hinter einer Stuhllehne versteckt hat. Typischer „Vorhersage“-Trick eben.

Jetzt zum Boxring mit den Handschuhen in einer Vitrine. Wieder das dämliche Hypnosekonzentrationsgeräusch. Eine Zeitungsseite wird gegen die Glasscheibe gehalten, erst draufgeklopft und dann durchstoßen – und Matthias kann die Handschuhe berühren. Die Kameraeinstellung zeigt dabei die angeblich durchstoßene Scheibe immer nur genau von der Kante (Perspektive ist ja oft entscheidend…). Wahrscheinlich verschiebt sich die Scheibe zwischen den Schnitten entsprechend. Wie ich eben sehe, hat Gellerentlarvt ein Video von Criss Angel verlinkt, wo das erklärt wird…

Das einzig Positive meiner Meinung nach: Es waren mehrere kurze Tricks statt ein unnötig in die Länge gezogener.

Geller: Unglaublich. Personen beeinflussen und so. „Du bist wirklich einer der größten Mentalisten.“

Kandidat 3: Jan Becker

verbogen Will beweisen, dass eine Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich wirklich lieben, stärker ist als jede Distanz. Mit Charlotte und ihrer Schwester Henriette in Berlin. Henriette soll sich irgendwo in Berlin (wo sie sich nicht wirklich auskenen soll) verstecken (zwei Stunden Zeit), Charlotte sie finden – Schnitzeljagd, Engelsflügel mit Kreide markieren. Um sie zu finden: „Kontakt zum Unterbewusstsein“, Konzentration, blabla. Skizzen – naja, Kritzeleien – von Gebäuden oder sowas, „intuitiv gemalt“, denen sie nacheinander folgen. Würden sie dem wirklich folgen können, wäre es ein Wunder. Hand auf eines der Symbole, Namen/Orte erfühlen, so’n Kram. :yawn:

Okay, man sieht ’n bisschen was von Berlin, während Henriette sie auf einem Kontrollmonitor beobachtet – dessen Bild nicht so aussieht, als würde er wirklich die Szenen zeigen, sondern als wären die nachträglich eingefügt. U.a. ein Hotel „Art|e Luise“ soll zum Namen „Elouise“ der Oma passen – was besseres haben sie nicht gefunden?

Wenn ein Kamerateam bei Henriette dabei ist, gibt’s jedenfalls immer eine Möglichkeit, ihm etwas zuzuflüstern.

Geller: „Sehr eindrucksvoll.“
Ich: Eine wenig eindrucksvolle Zeitverschwendung.

Der Gast: David Merlini

Aber erst: Die Telefonnummern für die Vorentscheidung – einer der drei wird ausscheiden, die anderen beiden nachher nochmal auftreten.

Nach der Werbung kündigt Verena David (nach einem kurzen Film) an, und er betritt die Bühne. Er will aus einer „echten Zwangsjacke“ entkommen, eine Konstruktion mit 3 Seilen und einem Haken darunter wird herabgelassen – die Seile sollen nachher brennen und er kopfüber hängen. Und Charlotte und Matthias sollen ihm helfen, die Zwangsjacke anzuziehen. Den Gurt zwischen den Beinen soll Charlotte schließen.

Und endlich wird er mit den Füßen an den Haken gehängt – von seinem eigenen Assistenten, wie es scheint – und die Scheibe zwischen Seilen und Haken angezündet. Er wackelt und stöhnt rum, wie sich’s für einen ordentlichen Entfesselungskünstler gehört, und entledigt sich natürlich der (im Endeffekt doch recht lockeren) Zwangsjacke und lässt sich fallen; in der Zwischenzeit waren auch zwei der drei Seile… anscheinend ferngesteuert getrennt worden, denn die dicken Taue waren offensichtlich nur leicht angekokelt und wären nie so schnell von alleine durchgebrannt.

Immerhin, besser als alle drei „Experimente“ zuvor zusammen war’s. (Was nicht viel heißt.)

Die Zwischenentscheidung

Erst noch ein Film mit Szenen der früheren Sendungen. Und Werbung für den Takeshi’s-Castle-Verschnitt, den, oh Wunder, Charlotte und Matthias ab nächster Woche präsentieren werden. Als Drittplazierter ausscheiden muss Ully Loup. An sich hätten alle drei ausscheiden können…

Finalduell: Manuel Horeth

Gabel betet Löffel an Will „eine lange Reise zu Ende bringen“ – und es heißt wieder „the stage is yours“, denn jetzt ist’s live auf der Bühne. Das Publikum soll nachschauen, ob sie einen 5€-Schein haben, ihm in die Augen schauen und die Scheine dann hochhalten. Die beiden Damen sollen sie einsammeln – gegen Visitenkaten austauschen, damit die Leute das Geld später wiederbekommen. Ihn interessiere übrigens nur ein bestimter Schein. Matthias auf die Bühne, Hypno-Zeugs mit „allem Geld der Welt“ und „absolutem Wunschtraum“ vorstellen: würde den brasilianischen Fußballer Kaká für Gladbach kaufen… und Manuel dreht ein Bild um, auf dem eine Kinderzeichnung eines Fußballers ist. :yawn:

Die Damen kippen das Geld in eine große Glasschüssel, Charlotte darf sich setzen. Manuel will dafür gesorgt haben, einen Geldschein, den er am 13.1. (Start der Staffel) in München an einer Tankstelle ausgegeben haben will, jetzt wiederzubekommen. Zwecks Intuition und Zufall und so: Eine „Zufallsmaschine“: Glaszylinder mit Ventilator, in den er über eine Öfnnung unten die Scheine reinstopft. Fingerbewegung vor Julia, die dann mit geschlossenen Augen einen Schein aus den herumwirbelnden rauszieht; legt ihn auf einen Tisch und soll die Seriennummer langsam vorlesen, die er an eine Tafel schreibt: M15211875577.

In der heutigen „Tageszeitung“ (eine Bild), die auch die Zuschauer haben, ist eine entsprechende Kleinanzeige, natürlich passend. Vorbereitete Scheine, die ans Publikum verteilt wurden? Schein ausgetauscht? (Aber wann?) Stand die Nummer auf dem Tisch? (Man sah den Schein erst spät.) Nun ja, es gab heute schon Schlimmeres.

Geller: „lot of creativity“ – der Simultandolmetscher ist anscheinend schon eingeschlafen – „I would be proud if you become my successor“.

Finalduell: Jan Becker

Will uns allen unsere Fragen beantworten. Gut, ich hätte eine: Wann wird die Sendung wirklich unterhaltsam? Sollen wir daheim auch aufschreiben, das Publikum hat entspr. Umschläge (mit ihren Initialen drauf) vorbereitet, an die sie und wir denken und ihm „zusenden“ sollen. Einer, der aufstehen darf, will Koch werden, eine Frau fragt sich, wann sie heiraten wird, und 2 weitere – und er erkennt wieder alles entweder im Gesprächsverlauf (Cold Reading) oder abgesprochen. Und redet ihnen gut zu etc., wie üblich. Ebenso bei den Promis, wo noch Recherche dazukommen kann: Charlottes Umzug; Matthias verspricht er ein 2:0 für Mönchengladbach und den Klassenerhalt; Julia darf auf die Bühne, und weil sie fragt, ob sie gesund bleibt, darf er ihr gleich ein Kraft-„Ritual“ „schenken“ – samt Hand auf dem Kopf, die niemand anheben können soll.

Also wenn er damit gewinnen sollte… :shake:

Und alle Antworten daheim sollen auch noch beantwortet werden: Augen zu, in Gedanken aufsagen, und wir sollen eine Stimme im Kopf hören und die Antwort geben, wenn er „jetzt“ sagt. „Es geht nicht darum, die Magie hier fortzuführen“ – wir seien das Leben, das Wunder, etc., und aufmunternde Worte für die Leute wie von einem klischeehaften Selbstbewusstseinstrainer. Er übertreibt’s jetzt aber gewaltig.

Geller (ah, wieder mit Übersetzer): Könnte er siegen? „Absolutely yes“, „ein klares Ja“.

Die Entscheidung

Erstmal die Promi-Meinung: Julia hat Jans positive Energiespende gefallen, Matthias tendiert auch eher zu Jan, Charlotte ganz klar. Dann greift Uri zur anscheinend schweren Trophäe, fand alles super, wer hier gewinnt, verdiene es auch. Und wer sich wundert, wie man eine Entscheidungsverkündung mit nur zwei Kandidaten noch in die Länge ziehen kann, soll einfach hier zuschauen…

Der Sieger, „The Next Uri Geller 2009“ ist: Jan Becker.

Na dann kann er wenigstens das strichförmige Zeug auf seinem Kopf mit dem gebogenen Löffel wegmachen. Ach nein, das ist ja seine „Frisur“… 22:17 Uhr, exakt die EPG-Zeit – endlich vorbei.

Danke an alle Leser und Kommentatoren, die meine Berichte mitverfolgt haben!

Einschaltquoten

Nicht mal zum Finale hat’s für ’ne Steigerung gereicht – im Gegenteil, es waren (knapp) die schlechtesten Zuschauerzahlen insgesamt, wobei der Marktanteil auf ähnlichem Niveau wie früher war, und die zweitschlechtesten in der Zielgruppe: 1,62 Mio. insg. (5,2% Marktanteil) bzw. 1,10 Mio. im Alter von 14-49 (8,6%).

» Zur Nachlese und Statistik

Farids Street-Magic-Show ist regelrecht abgesackt: 1,15 Mio. (4,8%) bzw. 0,86 Mio. (8,1%).


Wiederholung am Samstag früh gegen 9:40 Uhr, auch hier mit Farids Sendung im Anschluss, und auf ProSieben.de.


Siehe auch:

» Hier geht’s zu allen meinen Beiträgen über Uri Geller. «


Fotos: shadowvincent/Fotolia, wilhei66/sxc, shadowvincent/Fotolia

5 Kommentare

  1. PM

    Man könnte fast meinen Ully Loup hat mit Absicht eine miese Performance geliefert.

  2. M

    auch wenn ich es nicht gesehen sondern hier nur gelesen hab, aber selbst „kritiker“ wie hier haben sonst ully loup nie so niedergemacht und auch wenn ich die ganze „serie“ ziemlich …naja…finde war trotzdem die show von diesem herren mit abstand die besten. schade nur, dass anscheind im tv noch gefaket und manipuliert wird als ich es generell schon dachte

  3. M

    Also ich war gestern live in der show und ich muss sagen das es vor der sendung schon fest stand wer gewinnt ohne die zuschauer anrufe… was ein betrug

    • c

      Kannst du das etwas näher erläutern? Wurde es (mehr oder weniger deutlich) angedeutet, oder wieso sonst bist du dir so sicher?

      Jans Lächeln kurz bevor der Moderator am Ende seinen Namen ausgesprochen hat fand ich allerdings etwas, nun ja, möglicherweise verräterisch…

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