Froh’n Leichnam!

fronleichnam1 Und wer an diesem „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ alias Fronleichnam1, der höchsten Ausprägung dieses quasi vampirisch-kannibalischen Eucharistie-Rituals (ein Fest, bei dem auch unzählige Birken dran glauben müssen, um die Straßen für den Karnevalsumzug die Prozession zu schmücken) nicht teilnimmt, darf sich entweder über den arbeitsfreien Tag freuen oder darüber ärgern, dass er im falschen Bundesland wohnt…

Gemäß alter (und selbstverständlich weiterhin gültiger und bestätigter) römisch-katholischer Kirchenlehre verwandeln sich die dünne Gebäckscheibe und der Wein ja tatsächlich in Leib und Blut ihres menschlichen Gottesdrittels („Transsubstantiation“ nennen sie das dann) und stehen nicht nur symbolisch dafür. Genauer gesagt wandelt sich deren „Substanz“ – alles Sicht-, Mess-, Fühl- und Schmeckbare bleibt natürlich gleich; um Ausflüchte waren die Apologeten ja noch nie verlegen.

Jesu Aufruf zu diesem seltsamen Ritual liest sich etwa so (Joh 6):

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt. […] 55 Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. 56 Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm. 57 Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

Wobei die Frage ist, wie wörtlich er das verstanden haben wollte, wie korrekt die Überlieferung ist, wie viel nachfolgende Jahrhunderte hineininterpretiert haben – denn auch darin waren Kirchen­fürsten schon immer fantasiereich – und warum diese offensichtliche Absurdität der Trans­substantiation überhaupt eingeführt wurde.

Und ich frage mich, wer das wirklich glaubt – bzw. ich frage hiermit die (katholischen) Christen unter meinen Lesern: glaubt ihr an diese tatsächliche substanzielle Verwandlung?

  1. wörtlich: „Leib des Herrn“ – „Fron“ ist das sprachgeschichtliche Gegenstück zu „Frau“ []

7 Kommentare

  1. M

    Ich lebe einfach im falschen Bundesland, aber ich schwöre hoch und heilig, wenn in Niedersachsen ein Feiertag eingeführt werden sollte, könnte ich mir vorstellen – zumindestens wenn ich direkt danach gefragt werde – dass ich dieses Ding mit der subversiven Wandlung absolut bejahheite.

    Also liebe Kirche – Feiertag gegen Glauben. Ein fairer Tausch

  2. Z

    Nein! mehr kann ich dazu eigentlich nicht sagen.

  3. J

    Kurz und bündig: Nein.
    Manche Dinge werden einfach weder wahrer noch glaubhafter, wenn man sie zwei Jahrzehnte lang eingehämmert bekommt; ich muss mich nur einfach hüten, an solchen Feiertagen meiner Fundi-Oma in die Quere zu kommen.

  4. c

    Danke für eure Antworten.

    Ich kann meine Oma nun leider nicht mehr fragen – sie war an sich ziemlich gläubig, doch ob sie alles akzeptiert hat…? Wahrscheinlich hätte es für sie ohne großes Nachdenken „einfach dazugehört“.

  5. R

    Ich bin evangelisch und somit hier im katholischen Süden schon Exot bzw. Ketzer bzw. sowas wie aussätzig. Ich finde am schlimmsten, dass die gleichen Oblaten in der kath. Kirche „tatsächlich“ der Leib Christi sind und in der evang. nicht. Sagt die kath. Kirche.

    Ich glaube, dass Jesus gemeint hat, dass wir ihm sozusagen „mit Haut und Haaren“ nachfolgen sollen. Und das wäre ja nicht verkehrt, oder? Ich finde Jesus „cool“.

    Das war das Wort zum Feiertag.

    • c

      Solang man sich bei der Jesus-Nachfolge die richtigen Aspekte raussucht und die, in denen Jesus auch nicht so perfekt war, weglässt, bitteschön. :)

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