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Glaube

Tolle Begründung!

Fisch und Brot Aus der Aschermittwochs-Sonderseite (mit diversen Fisch-Angeboten) des aktuellen Bayrischen Taferls:

Warum der Fisch an Aschermittwoch?

„Karfreitag und Aschermittwoch sind absolut fleischfrei, nur Fisch ist erlaubt, weil der Fisch nicht gekreuzigt wurde“, sagt Becker-Huberti. […]

Nachtrag 18.4.14: Herr Becker-Huberti merkt an, er habe diese „hanebüchene“ Aussage nie gemacht. Na, wer in der Taferl-Redaktion oder sonstwo (ist hier – genau: Ausgabe 6/13, S.11 – ja offenbar nur ein Auszug) hat sich dann den Text zusammengedichtet…? (Nachtrag Ende)

Nun weiß ich nicht, was die Römer damals so alles gekreuzigt haben, aber waren da wirklich Schweine, Kühe, Hühner, Pferde etc. dabei? Und Truthähne, die damals auf dieser Seite des Atlantiks noch gar nicht bekannt waren?

Und benutzen nicht ausgerechnet die Christen das Fisch-Symbol für sich und ihren gekreuzigten Guru?

Also echt, manche Versuche, willkürliche Regeln zu „begründen“, könnte man sich auch schenken. Ganz ungeachtet der absurden Umdefinition, dass Fische kein Fleisch hätten/wären. Vollkommen richtig, dass der Papst deswegen zurücktritt!


Foto: Sven Herzberg, CC-by-nc-sa-Lizenz

Adventsbastelei

Keine Angst, mein Blog wird nicht zu einem Bastelblog. ;) Aber wo ich in der neuen Wohnung ein paar schöne Fenster habe, dachte ich, da könnte ich auch mal etwas hinhängen, wie es viele ja gerade jetzt zur Adventszeit machen. Also hab ich mir ein Fliegendes Spaghettimonster gebastelt – den wahren Gott, der das Universums im betrunkenen Zustand geschaffen hat (samt den göttlichen Piraten (nicht die Partei), den ursprünglichen Pastafarianern; → offizielle Website (engl.)):

Mein FSM

Rückseite:

Mein FSM

Gebastelt aus zwei ca. 6 cm großen Holzkugeln mit Loch mittendurch, durch das ich jeweils fünf Bastel-Pfeifenreiniger à 50 cm – in hellbraun, weil’s kein helleres Beige gab (so ist halt noch Roggen im Spaghettiteig mit drin^^) – gesteckt und mit neun weiteren kreuz und quer verdreht habe, und um die Kugeln dunkelbraunen Stoff gewickelt (und hier und da noch ’nen Tropfen Klebstoff), weil das helle Holz nicht wirklich nach Fleischbällchen aussah. Dazu zwei abgeschnittene Styroporkügelchen mit angeklebten Kulleraugen auf die Augenstiele gesteckt, fertig.

Detailaufnahme eines Auges und am Fenster hängend:

Mein FSM: Augendetail Mein FSM am Fenster

Mögen Seine Nudligen Anhängsel euch berühren!
Ramen

Na, na,…..

Florian von Astrodings Simplex bekommt ja massenweise Mails aller – auch unangenehmer – Art zu 2012-Ängsten und -Phantastereien; da bin ich froh, dass mein Blog um Größenordnungen weniger Leser hat und Reaktionen hervorruft und eine Mail schon eine Ausnahme ist. Eine Mail etwa wie die, die mich heute erreicht hat (deren Betreff ich hier als Titel nutze) und die ich hier mit freundlicher Genehmigung veröffentliche – ich hoffe, es ist genug von der gewünschten Sachlichkeit enthalten…

Sicher haben die negativen Kräfte schon immer an bestimmten Daten ihre Warnungen verbreitet, z.B. die Computerwarnung für das Jahr 2000, um damit Geld zu verdienen. Nur mit dem Jahr 2012 ist das etwas ganz anderes.

Sie gestatten, dass ich laut lache? :lol3: Ein Blick in die nächste Buchhandlung oder auf die ganzen Internetangebote sollte da doch ausreichen, um das Gegenteil zu erkennen. Auch wenn es natürlich auch ein paar 2012-Weiterverbreiter ohne finanzielle Interessen gibt.

(Mal abgesehen davon, dass das Jahr-2000-Problem, wie übertrieben und geldmacherisch das auch genutzt worden sein mag, in Form von zweistelligen Jahreszahlen eine reale Grundlage hatte.)

Kosmisch gesehen gehen wir von einem tönernen Zeitalter in ein goldenes Zeitalter. Das tönerne wird in den östlichen Lehren auch als ein Kali-Yuga bezeichnet – ein Zeitalter der Zerstörung und der Kriege.

Ist ja schon praktisch, wenn man hier östliche Mythen wie das Kali-Zeitalter und Datierungen so hinbiegen kann, dass es zum 2012-Hype – wir erinnern uns: der entstand, als westliche Wohlstands­esoteriker den Maya diverse Prophezeiungen in den Mund gelegt haben – passt; selbst wenn das zu den meisten anderen, früheren Datierungen nicht passen dürfte. Aber das ist für Mystikgläubige erfahrungsgemäß meist kein großes Problem.

Wir werden also keinen Untergang erleben, obwohl wir nun mitten in der Apokalypse stehen. Eine japanische Prinzessin sagt, die 3 Tage Finsternis seien vom 22.-24.12.2012 aufgrund einer erhöhten elektromagnetischen Tätigkeit der Sonne.

Und eine angebliche, wohl illegitime Prinzessin mit TV-Erfahrung muss unbedingt glaubhafte, vernünftige, belastbare, vertrauenswürdige Aussagen machen, ja? Drei Tage und Nächte ohne nutzbare Elektrizität, ohne Sonne und Sterne, während die Erde in die 5. Dimension springen solle – vielleicht sollte sie und alle anderen sich mal informieren, was Dimensionen sind (und was nicht). Und dass es nicht darauf ankommt, wer etwas sagt – sogar Nobelpreisträger verrennen sich ja mitunter in Unsinn –, sondern wie er oder sie es belegt.

Ich selbst bin mir nicht klar, ob die 3 Tage Dunkelheit im Inneren der Menschen oder außerhalb stattfinden.

Die „Prinzessin“ schon. Aber es würde mich schon sehr wundern, wenn es sich dabei um mehr als die „Dunkelheit“ in denen handelte, die merken, dass am 21.12. doch nichts passiert sein wird.

Auf jeden Fall aber ändert sich gravierend etwas.

Ja: das Datum der irrationalen Realitätsflucht. Was kommt als nächstes, 2029? Oder ist das schon zu spät?

Weitere Hinweise finden Sie bei www.diewunderseite.de und bei www.shareinternational-de.org . Schauen Sie sich vor allem die Monatshefte an. In manchen finden Sie die Rubrik Zeichen. Schauen Sie sich diese Zeichen an. Und dann ändern Sie vielleicht etwas auf Ihrer Seite. J

Soweit die Mail. Schauen wir also mal. Fangen wir bei 9/2000 an, den ersten Eintrag zitiere ich ob seiner Kürze mal ganz:

Energieregenbogen in Moskau
Russischen Wissenschaftlern ist es unerklärlich, wie ein junger Mann in einem stark besuchten Moskauer Park vor Dutzenden von Augenzeugen ohne jegliche Tricks oder technische Hilfe eine regenbogenartige Energieaura erzeugen konnte. Die Passanten trauten ihren Augen nicht, als sie sahen, wie sich um den etwa dreißigjährigen Mann, der sich an einem Springbrunnen mit seiner Freundin unterhielt, eine Aura in Form und Farben eines Regenbogens bildete.
(Quelle: Diario de Cádiz, Spanien)

Welche Wissenschaftler? Nicht jeder, der sich so nennt, arbeitet auch wirklich mit wissenschaftlicher Methodik1. Wieso wird die Erscheinung gleich als „Energieaura“ festgelegt? Ein Regenbogen an einem Springbrunnen, ist das so ungewöhnlich? Also bitte! Gleich daneben „weinende“ Statuen in Indien – „Die Augen […] seien feucht geworden“ kurz nach „sintflutartigen Regenfällen“. Ob’s da nicht doch einen eeeeetwas weniger wundersamen, sondern vielmehr physikalischen Zusammenhang geben könnte?

Und Benjamin Creme, der Begründer dieser Magazine und der Prophezeiungen der Wiederkehr seines religions­übergreifenden Zukunftsbuddha-Christus-Avatars „Maitreya“ – welcher sich irgendwie nie so richtig zeigen oder nachweisen lassen wollte wie prophezeit2 – schmarotzt3 an diesen und fast allen anderen Meldungen und Bildern, indem Anmerkungen à la

Benjamin Cremes Meister bestätigt, daß die Aura – der Regenbogen – von Maitreya manifestiert wurde.

Benjamin Cremes Meister bestätigt, daß das Phänomen der weinenden Statuen ein authentisches Wunder ist, das von Maitreya manifestiert wird.

druntergepappt werden. Sein „Meister“ ist, wenn ich das richtig verstanden habe, ein angeblicher telepathischer Kontakt. Er könnte sich ja mal bei James Randi um dessen Million bemühen, wenn er da etwas Glaubwürdigkeit ergänzen will…

Ansonsten gibt’s in anderen Monatsheften z.B. noch formschöne Lichtreflexionen von Fenstern und Fassaden an gegenüberliegenden Häusern; die typischen verwackelten und unscharfen Ufo-Sichtungen; ein Bericht, der Verwunderung darüber ausdrückt, dass es an Neujahr(!) mehr Ufo- bzw. Leuchterscheinungs-Meldungen gab als an anderen Tagen; ein Foto, in dem drei lange Haare, die vermutlich von der Fotografin nahe und somit unscharf vor die Linse geweht wurden, als „Segen von Meister Jesus“ umgedeutet werden; ebenso als bei einem offenbar lange belichteten Foto eines frisch getauften Babys in einer dunklen Umgebung ein unscharfes Etwas zu sehen ist, das wie eine typische Bewegung bei Langzeitbelichtungen außerhalb der Schärfentiefe aussieht (die letzten alle in Heft 1/2012, Abschnitt „Zeichen der Zeit“). Was sollen daran denn „Zeichen“ und „Wunder“ sein?

Das ist alles so lächerlich.

Jesus-Facepalm

Und es ist Futter für all diejenigen, die unbedingt an solche wundersamen Dinge glauben wollen und schon weit über den Punkt hinaus sind, wo sie noch bereit oder überhaupt in der Lage sind, ihren Verstand einzuschalten, wenn man ihnen solche Dinge vorlegt – selbst wenn wie in den genannten Beispielen eine rationale Erklärung so banal und naheliegend wäre (und selbst wenn sie in anderen Themen durchaus rational vorgehen mögen). Alles wird in den Glauben, in die eigene Wunsch-Welt reingezwängt.

Schade eigentlich, böten die wissenschaftlichen Erklärungen und die echten, realen Phänomene der Natur doch so viel Faszination, ohne sich mystische Pseudoerklärungen herbeizuphantasieren. Aber manche wollen es halt anscheinend anders.

  1. z.B. Dieter Broers; s.a. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Pseudowissenschaft []
  2. aber fehlgeschlagene oder allgemein-vage Prophezeiungen sind ja ach so typisch bei so ziemlich allen Möchtegern-Wahrsagern – schon seltsam, dass so viele Leute trotzdem darauf hereinfallen []
  3. außer bei dem, was ihm gezielt zugesandt wurden, natürlich []

Links und Videos der Woche (2012/25+26)