Urteile im Global-Scaling-Betrugsprozess – „ein unglaublicher Schwindel“

Wie mich ein Kommentator vorhin informiert und wie auch EsoWatch schon eingetragen hat, wurden im Prozess gegen die Global-Scaling-Vermarkter GDSI Cyprus und Global-Scaling-Erfinder Hartmut Müller – der länger als erwartet gedauert hatte – nun die Urteile gesprochen:

Die Vermarkter und eigentlichen Hauptangeklagten des Anlagebetrugs erhalten zwei bis vier Jahre, Hartmut Müller jedoch, der ursprünglich nur wegen Beihilfe angeklagt war und eine angebotene Bewährungsstrafe abgelehnt hatte, muss für vier Jahre und fünf Monate in Haft – wenn er geschnappt wird, denn anscheinend hat er nach 40 von 50 Verhandlungstagen die Flucht vorgezogen. Aus dem Zeitungsausschnitt der Dresdner Morgenpost bei EsoWatch:

[D]as Gericht erhob penibel Beweis und enttarnte einen unglaublichen Schwindel: Die Forschungsstelle war ein virtuelles Büro, es gab keine Messreihen, sämtliche Experimente waren großer Schmu und auch der Doktor-Titel war nicht echt!

Der Nicht-Doktor-Titel war ja schon bekannt; dass der Rest dieses pseudo­wissen­schaftlichen Konstrukts nichts mit der Realität zu tun hat, eigentlich auch, wenn man mal genauer hingeschaut hat; aber die Umstände und dass es hier schwarz auf weiß gerichtlich beurteilt zu lesen ist, ist durchaus interessant.

Die Sächsische Zeitung berichtet auch in der heutigen Ausgabe, aber nur die Einleitung ist kostenlos zu lesen1 – u.a. mit dem Hinweis:

Noch nie musste Richter Hans Schlüter-Staats zweieinhalb Stunden über Physik und Mathematik reden, um ein Urteil zu begründen.

Und konkret wird von „gewerbs- und bandenmäßigem Betrug“ gesprochen.

Eine Pressemitteilung der Justiz in Sachsen konnte ich auch noch nicht finden. Vielleicht nächste Woche; falls es von dort (oder anderswo) noch etwas Interessantes zu berichten gibt, werd ich das hier natürlich tun.

Jetzt frag ich mich nur noch, was die ganzen Global-Scaling-Fans machen, wenn sich das Urteil rumspricht und sie merken (sollten), dass sie einem Betrug hinterhergelaufen sind – aber irgendwie werden viele es wohl einfach verdrängen; ob auch ein paar zugehörige Webseiten sang- und klanglos verschwinden? Mal sehen…

Nachtrag 21.4.: Ein aktueller Artikel in der FAZ, der u.a. ein paar Details zum Prozess und zu Müllers Betrug nennt.

Nachtrag 25.10.: BBC News meldet, Müller wurde in Brasilien verhaftet.

 


  1. Und leider ist auch ein billiger Einzelabruf nicht möglich; ein Monatsabo für 5 € will ich für diesen einen Artikel jetzt auch nicht abschließen… []

14 Kommentare
1 Trackback

  1. Die Jünger werden schon an einer entsprechenden Dolchstoßlegende arbeiten. Er stand schließlich vor bahnbrechenden Erfindungen, die mindestns die gesamte Menschheit gerettet hätten. USIsrael usw. usf.

    Mein Tip: http://www.freigeistforum.com

    Vermutet echt?

    • c

      Ja, die GS-ler, die sich weiterhin der Realität verweigern wollen, werden sich in dem Forum der Geistfreien sicher gut aufgehoben fühlen… die beste Lösung ist es aber eigentlich nicht…

  2. H

    Es wäre nicht der erste Wissenschaftler der verurteilt wird, nur weil er etwas gefunden hat, was nicht der Schulwissenschaft entspricht. Ein Gericht sollte nicht über wissenschaftliche Forschungen entscheiden. Da muss immer ein falschen Urteil rauskommen. Z.B. Prof. W. Reich wurde auch 1956 in den USA verurteilt und das Gericht entschied Orgonenergie (so nannte er das was er gefunden hatte) existiert nicht. Seine Erfindungen werden bisher auch nicht von der Wissenschaft anerkannt, obwohl in der Praxis bewiesen. Z. B. im Projekt „Wüstenbegrünung“ werden seine Forschungen angewendet. Aber da ist eben kein Geld zu verdienen. Das kann man nicht monopolisieren. Allerdings könnten sich die Länder, wo es in Wüstengebieten angewendet wird, unabhängig von Lebensmittellieferungen aus dem Ausland. Den kann man dann eben nicht mehr den Brotkorb hochhängen wenn sie nicht spuren.

    • c

      Ein Gericht kann – mithilfe entsprechender Experten – sehr wohl herausfinden, ob an Behauptungen etwas dran ist oder dass, wie hier offenbar, keine Messreihen existieren oder Experimente gefälscht waren. Die Experten urteilen hier eben über die wissenschaftliche Seite – und das schon vor diesem Prozess – und das Gericht schließlich über die strafrechtliche, auch (aber nicht nur) unter Bezugnahme auf die wissenschaftliche. Und auf das, was Polizei und Staatsanwaltschaft eben noch alles ermittelt haben mögen.

      Um esoterischen Unsinn wie u.a. Kurpfuscher Reichs Orgon Verschwörungen von „Schulwissenschaft“ & Co. herumzuspinnen, ist einfach; objektive reproduzierbare Versuche durchzuführen, die auch Skeptiker überzeugen würden, schon schwerer – bzw. unmöglich, wenn die Behauptungen nur Wunschdenken (im besten Falle) oder Betrug sind. Was glaubst du, wie froh Wissenschaftler wären, wenn sie so etwas Revolutionäres entdecken und objektiv nachweisen könnten! Ansehen, Nobelpreise, Forschungsgelder! Tja, aber wenn’s am Bezug zur Realität hapert…

      • H

        Klar kann ein Gericht wissenschaftliche Theorien überprüfen. Das macht es auch.
        Aber die Frage lautet ob es im Entscheidungsbereich des Gerichts liegt über Wissenschaft zu urteilen. Viele wissenschaftliche Entdeckungen waren so bahnbrechend, dass sie dem Grossteil der Bevölkerung nicht vorstellbar waren, und weiter den Wissenschaftlern der bisherigen Theorie unliebsam waren. Wer gibt schon gern seinen wissenschaftlichne Rang auf, der einem Ansehen und Macht gibt? Man denke nur an Galieo Galilei, Josef Ressel – oder an eben immernoch verleumdete wie Wilhelm Reich, Viktor Schauberger, Konstantin Meyl, usw.
        Deshalb liegt die Wissenschaft ausserhalb des Rechts (das sollte sie zumindest), um den Fortschritt nicht zu behindern.
        Natürlich, gibt es Experimente können diese überprüft werden. Ich lege die Betonung aber auf ‚können‘, da viele Theorien so abstrus erscheinen (obwohl sie das dürfen), dass von vornerein ihre Ungültigkeit angenommen wird. Man erachtet das Überprüfen von ‚Humbug‘ eh als Schwachsinn.
        Übrigends ist es nur Aufgabe des Rechts Steitigkeiten zu schlichten. Weltanschauungen und Glaubensbekenntnisse hat jeder Mensch eigen und darf diese auch haben. (So wie bei Religionen.) Ist dies nicht gegeben, urteilt das Gericht als nach einer eigenen Weltanschauung, so beweist das, dass unser System von einer Ideologie unterlaufen ist. Offensichtlich ist das der Fall.

        Im Grunde genommen ist obriges leicht zu verstehen. Schade das es den meisten so schwer fällt.
        Ob Hartmut Müller nun recht behält oder nicht ist m.E. irrelevant. Mir ist wichtig das die freie Ausübung seine Forschüngstätigkeit, wie auch die anderer, gewährleistet wird.

        • c

          Müllers Forschungstätigkeit? Welche denn? Er hat doch höchstens geforscht, wie er am besten schwindeln und betrügen kann. Und wollte das ja auch noch während der Tests mit den Sachverständigen machen (siehe FAZ-Artikel).

          Und zum Galileo-Gambit: Echt jetzt? Schau mal, nicht jeder, der nicht anerkannt oder, wie du sagst, „verleumdet“ wird, ist tatsächlich ein verkanntes Genie – oder gar ein Genie, WEIL er nicht akzeptiert wird. Bei den meisten, die sich dafür halten, ist einfach nichts dahinter. Um aus obigem Link zu zitieren:

          Tatsächlich ist es wahrscheinlicher, dass eine Tatsachenbehauptung, die weitgehend Widerspruch aus der Fachwelt erntet, letztlich falsch ist. Unabhängig von solchen Wahrscheinlichkeitsüberlegungen muss aber das Argument auf seinen eigenen Beinen stehen können. Ein Nachweis von Richtigkeit muss über interne Konsistenz und Belege erfolgen, nicht über Rezeption.

  3. f

    Um das Ganze zu validieren, wäre das Js-Aktenzeichen des Verfahrens wichtig sowie der Tag der Rechtskraft des Urteils.

    Schließlich: Ist Hartmut Müller noch auf der Flucht (Rußland …) und gibt es möglicherweise einen Europäischen Haftbefehl gegen ihn oder ist er inzwischen in Strafhaft?

  4. B

    Hab nicht viel von den Kommentaren gelesen hier, aber ach diese ganzen armen Forscher.
    Ein solches Gerichtsurteil ist da schon hart(das global Scaling betreffend). Und da heißt auch was von „Finanzscaling“ und so. Kenn die Sache nicht näher.
    Grundsätzlich gilt Urteile diesbezüglich sollte man sich so lange wie möglich sparen.
    Die Wissenschaft weiß auch heute nachweißlich nicht warum der Mond 10m falsch fliegt;
    berechnet mit Gravitationsgesetzt liegt da wirklich was daneben, muß mit obigem natürlich nichts zu tun haben. Als Laie seh ich es so, große Forscher können auch schnell arm werden.

    • c

      warum der Mond 10m falsch fliegt

      Davon hab ich noch nie was gehört. Was genau meinst du damit?

      Mal abgesehen davon: nur weil die Wissenschaft – wie sie auch selber weiß – nicht alles weiß, heißt das weder, dass sie nichts sicher weiß, noch dass alles Mögliche, was sich Leute so ausdenken (und ggf. wie hier als Wissenschaft ausgeben; nicht alle, die so tun, sind „große Forscher“), genauso sehr plausibel und möglich sein muss. Und gerade bei Global Scaling stecken zu viel Unstimmigkeiten und Unsinn drin, als dass man ihm irgendeinen Vertrauensvorschuss hätte geben sollen, auch vor der Verurteilung.

  5. B

    Daß der Mond im Vergleich zum Newtongesetz 10 m falsch fliegt nach gerundet 40 bis 50 Jahren, wurde mit dem Reflektorexperiment der 1. Mondlandung bewiesen. Das Thema wird in diesem BBC-Dokumentarfilm von Minute 7:30 bis 13:50 behandelt. http://topdocumentaryfilms.com/what-on-earth-is-wrong-with-gravity/ :oops: :idea: :idea: :idea:

    • c

      Ach so. Ja, klar, im Vergleich zu Newton. In der Doku sind Newton und der Mond halt ein Aufhänger dafür, wie sich unser Wissen so erweitert hat – denn Newtons Gravitationsgesetze wurden ja von Einstein verfeinert. Und zwar so gut, dass damit der Mondorbit innerhalb der Laser-Messgenauigkeit berechnet werden kann (siehe vorletzter Punkt hier).

  6. M

    Ist diese Seite noch aktiv und wenn ja, weiß jemand, wo Hartmut Müller derzeit ist / einsitzt? Man sollte sich um ihn hilfreich kümmern, damit er wieder auf die Beine kommt.

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