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Schreibfehler

Erzähl Deine Hauptplatz

Während der Pfaffenhofener Hauptplatzeröffnung hing am Rathauseingang dieses Plakat:

Plakat mit hinzugefügtem handschriftlichem Text: HIER - Erzähl Deine Hauptplatz

Aber ich hatte keine Lust, meine Hauptplatz zu erzählen. Ich wüsste gar nicht, was ich da sagen soll – dürfte man da nur weibliche Wörter nehmen?

Ernsthaft: Ein paar Meter weiter stand dieses Plakat mit der Variante „Erzähl Deine Geschichte“ – dafür hatte der Schreiber des Tür-Plakats wohl keinen Platz mehr und das auch nicht rechtzeitig bemerkt…

Zwei-tau-send…

Das neue Jahr ist nun 50 Tage alt, und so langsam sollte man sich daran gewöhnt haben, die Jahreszahl zu schreiben oder zu tippen – wie jedes Jahr. Doch irgendwie mache ich da noch öfter Fehler als die Jahre zuvor, wenn ich mich nicht täusche…

Ganze zehn Jahre konnte man sich daran gewöhnen, nach der 2 noch (mindestens) zwei Nullen zu schreiben, zumindest neun Jahre konnte man gut mit jeder gedachten Silbe „zwei-tau-send-“ eine Ziffer schreiben: 2-0-0-, gefolgt von der letzten Ziffer zur letzten Silbe (bzw. zwei bei der 7). Und jetzt? Wenn man jetzt bei „zwei-tau-send-zehn“ gewohnheitsmäßig genauso vorgeht, landet man, wie es mir immer wieder passiert, bei 20010. Oder eher bei 200hmpf. Das war im letzten Jahrtausend noch einfacher, denn nach der Neunzehn ging auch die 90 nicht so schwer von der Hand.

Oder geht das nur mir so?

Wenn man statt an „zweitausend(und)zehn“, wie laut einem Duden-Newsletter von Anfang Februar auch die offizielle Sprachregelung lautet, an „zwanzighundert-zehn“ („nicht üblich“) oder einfach nur an „zwanzig-zehn“1 denkt, werden diese 2-0-0-Probleme sicher weniger…

  1. Duden: „Und was heißt das jetzt für die Agenda 2010? Bei solchen Eigennamen darf man aus Gründen der Medienwirksamkeit auch schon mal von den Regeln abweichen und knackig „zwanzig-zehn” sagen.“ []

In Harmonie mt dem Mond

Letztes Jahr war’s der Hexenkalender, heuer ist es „der große Mondkalender“ aus demselben Hause – also keine banalen Haushalts- und Gesundheitstips und nutzlose Astrologie unter dem Hexenbanner mehr, sondern desgleichen mit Bezug auf den Mond, von denen ich euch monatlich das „Beste“ präsentieren will.

Auf dem Titel des Kalenders prangt das folgende Motto – das kleine i im Wörtchen „mit“ war wohl zu disharmonisch, um seinen Platz zu finden:

Leben in Harmonie mt dem Mond Mondkalender-Seite

Jede Seite (siehe kleines Bild) ist dann doch recht voll – wo der Hexenkalender etwas platzverschwenderisch schien, wirkt dieser eher vollgestopft. Unter dem Spruch stehen drei mit Symbolen verzierte Abschnitte: „Natur, Haushalt und Garten“ mit einer breiten Wespen-Zeichnung; „Gesundheit und Schönheit“ mit einem schmalen stilisierten Leonardo-Vitruv, dem die waagerechten geraden und die seitlichen Kreislinien fehlen; und „Beruf und Familie“ mit einem Quasi-Verkehrsschild mit dunklem Hintergrund. Diese Icon-Kombination macht auf mich keinen allzu harmonischen Eindruck…

Dazu ein grau hinterlegter „Tipp des Tages“, die Mond- und Sonnenauf- und -untergangszeiten, Sternzeichen, Mondphase, Tendenzen (mit Pfeilen) für Gesundheit, Liebe und Beruf, Namenstage und ein Monatskalender. Und Freitag, Samstag und Sonntag müssen sich eine Seite teilen.

Nach diesen allgemeinen Worten nun zum Januar:

Details!

Mondkalender Im Gegensatz zur monatlichen Astrologie, wie sie hauptsächlich im Hexenkalender vorkam, bietet der Mond schon dadurch mehr Abwechslung, dass er sich schneller durch die Tierkreiszeichen bewegt. Das führt dann zu Spezialisierungen wie diesen:

Ein Jungfraumondtag bei abnehmendem Mond ist ein idealer Wasch- und Putztag.

Putzen Sie heute die Fenster, der Waagemond hilft beim Saubermachen und vor allem beim Trocknen.

Ihre Zimmer- und Balkonpflanzen können Sie heute düngen, da der abnehmende Mond im Schützen steht.

Der Fischetag ist ein guter Putz- und Waschtag, obwohl zunehmender Mond herrscht.

Wer sich das nur immer ausgedacht hat? Ob da mal einer auf die Idee kommt und die anderen abschreiben? Oder bringt jeder Mondkalenderautor seine eigenen Ideen ein? Tendenziell wohl eher letzteres, wenn man meinen früheren Beitrag zur „Vollmondin“ betrachtet. Aber mehrmals im Monat putzen und waschen? Geht’s noch??

Haare reagieren offenbar anders als Nägel, wenn der Mond seine Finger (oder Zehen) im Spiel hat – obwohl beide doch aus verhorntem Keratin bestehen:

Schneiden Sie sich nie an einem Fischetag die Haare, sie werden schlaff und glanzlos

Insbesondere brüchige Nägel sollten heute geschnitten und gepflegt werden, da heute zunehmender Fischemond herrscht.

Da muss man wirklich Mondsüchtigkeitsspezialist sein, um da noch durchzublicken! Oder man schneidet sich Haare und Nägel einfach dann, wenn man merkt, dass sie zu lang werden. Aber das wäre für die Astrologieabhängigen wohl eine zu schwere, da nicht von anderen vorgegebene Entscheidung.

Die fruchtbare Stierenergie eignet sich zum Düngen.

Nun ja, Stier-Mist ist immer gut. Außer vielleicht in der Wohnung, geruchshalber… Aber ob es dem Leser gefällt, wenn er selbst gedüngt werden soll? Und das soll dem Gummibaum helfen?

Großblättrige Topfpflanzen wie der Gummibaum profitieren sehr davon, wenn Sie gedüngt oder neu gesetzt werden.

(Tip für die, die jetzt „hä?“ sagen: Da steht „Sie“, nicht „sie“.)

Gesundheit!

Die meisten Gesundheitstips sind ziemlich allgemein und eher langweilig oder ohnehin offensichtlich. Leider gibt es auch einen im Januar, der etwas kritischer zu betrachten ist:

Sie sollten heute Ihr Augenmerk auf Ihre Füße richten. Operative Eingriffe an den Füßen, wie eine Warzen- oder Hühneraugen-Entfernung, sollten an Fischetagen jedoch vermieden werden!

Auch wenn die genannten operativen Eingriffe eher unkritisch sind: Von Operationen abzuraten, ist einfach eine Verantwortungslosigkeit jedes „Ratgebers“, die spätestens bei lebenswichtigen Operationen kritisch werden kann! Da hilft auch ein Alibi-Disclaimer auf der ersten Rückseite, dass „in allen medizinischen Fragen […] der Rat eines Arztes maßgebend“ ist, den Betroffenen nicht viel, zumal die Gläubigen tendenziell wohl den „Mond“ bevorzugen dürften. Wollen wir hoffen, dass in den restlichen Monaten nicht noch ähnliche Ratschläge zu kritischeren Situationen kommen.

Feiertage

Bei der Warnung – ach was, Warnung; bei dem fakultativen Allgemeinplatz zum Thema Beruf, in dem es heißt: „Im Beruf kann es am Freitag passieren, dass es zu Konfrontationen und Meinungsverschiedenheiten kommt“, ist es wirklich beruhigend, dass an Neujahr, an dem dies gelten soll, nicht allzu viele Menschen arbeiten müssen. Da ist es schon schade, dass der 6. Januar nur in ein paar Bundesländern ein Feiertag ist, denn für diesen heißt es:

Es fällt Ihnen heute schwerer als sonst, klare Entscheidungen zu fällen […] Machen Sie heute mehr Pausen als sonst.

Ich mache dann auch eine Pause und verabschiede mich mit einem der Sprüche, den auch so mancher Esoterik-Anbieter verinnerlicht haben dürfte:

„Als ich klein war, glaubte ich, Geld sei das Wichtigste im Leben. Heute, da ich alt bin, weiß ich: Es stimmt.“
(Oscar Wilde)


PS: Für die noch nicht ganz dem Mond-Aberglauben anheim Gefallenen seien noch ein paar kritische Links ergänzt:

Und dann geht sie kaputt?

Man stelle sich das vor: Da baut man eine moderne Sesselbahn – samt beheizbaren Sesseln und Kindersicherung – für 8 Millionen Euro, und dann ist die nur auf maximal 2000 Passagiere ausgelegt, also 4000 € pro Passagier – und danach außer Betrieb??

So müsste man jedenfalls die Meldung aus dem Teletext des Bayerischen Fernsehens verstehen:

...Mit dem 'Kandahar-Express' können bis zu 2.000 Passagiere einen Höhenunterschied von 537 Metern überwinden...

Andere Nachrichtenquellen (die auch nicht mit ganz so beengten Platzverhältnissen kämpfen müssen) nennen da auch das entscheidende Wort: bis zu 2.000 Passagiere stündlich

:bigsmile: