„Das Geheimnis der Zauberhände“

zwei Hände Der zweite Teil der Artikelserie über (das) „Wunder Heilung“ der Fernsehzeitschrift HÖRZU, auch online komplett verfügbar, inklusive Kommentar-Möglichkeit.1 Mein Beitrag zum 1. Teil findet sich » hier.

In diesem Teil darf der ehemals krebskranke Autor, Georg Francken, nun von seinen eigenen Erlebnissen in Brasilien berichten – was natürlich auch bedeutet, dass es noch subjektiver und noch unkritischer wird, und auf die Erwähnung des Placeboeffekts, die schon im ersten Teil gefehlt hat, darf man erst recht nicht hoffen. Ist ja wahnsinnig ausgewogen, diese Serie… und auch wenn man die Hoffnung nicht aufgeben soll, irgendwie glaub ich nicht so recht, dass das in den nächsten Wochen besser wird.

Therapie mit Magie: In Brasilien und anderen südamerikanischen Ländern befragen Heilerinnen gern die Karten, um in die Zukunft zu sehen.
(Bildunterschrift, nur im Heft)

Klar, warum etwas auslassen, lieber gleich mehrere esoterische Angebote vereinen. Wie meinte der Taxifahrer in Franckens Geschichte:

Christopher schüttelte den Kopf: „Ihr seid doch verrückt, ihr Europäer“, sagte er immer wieder. „Kommt von weit her, um ein bisschen Zauberei zu erleben. Und glaubt noch daran!“ Dass auch viele seiner Landsleute auf diesen „Zauber“ vertrauen, verschwieg er. Rituelle Handlungen, Wahrsagen, Geisterbeschwörung und Handauflegen stehen bei den Brasilianern hoch im Kurs.

Beim Satz über die Landsleute kann ich Herrn Francken sogar mal zustimmen… Was geschah also in Brasilien?

Die kleine, unscheinbare Frau hatte nur kurz gefragt, wie es mir ginge. Dann hatte sie ein paar Karten gelegt, sie gedeutet – und war unvermittelt in Trance gefallen. […]
Sie kam auf [m]ich zu, berührte meinen Kopf. Eine Woge von Energie strömte durch mein Gehirn, raste dann die Wirbelsäule hinab. Mir wurde heiß. Du wirst Fieber bekommen, sagte sie noch, dann wachte sie abrupt aus der Trance auf. […]
Am nächsten Tag schüttelte mich übrigens heftiges Fieber. Fast eine Woche lang hielt es an. […] Ich glaube, es war der Moment, in dem ein Körper begann, sich selbst zu heilen.

Schön für ihn. Wirklich. Aber was beweist diese Anekdote, was lernen wir wirklich daraus?

  • Dass die Brasilianerin Heilenergien ausströmen und in die Zukunft sehen kann? Nein.
  • Dass sie eine gute Show2 abziehen kann, die Leute, die sie glauben wollen, beeindruckt? Ja.
  • Ob sie es selber glaubt? Gut möglich.
  • Dass der menschliche Körper sich besser heilen kann, wenn man an eine Heilung glaubt? Sieht so aus.
  • Dass die Hörzu unkritisches Esoterik-Geschwurbel als Versuch, „Antworten zu geben“3 und „Alles über Wunderheilung“4 zu berichten, verkaufen will? Scheint mir so…

Noch zu ein paar Kommentaren:

Anja S.N. (#48) zur Fernheilung per Telefon:

Nun frage ich mich warum per Telefon… Jede Form von Elektrizität oder Elektromagnetischer Strahlung können störend auf das aussenden von Heilenergien wirken

Strommast Wie ich dort auch schon geantwortet habe (#51):

Wenn „Heilenergien“ durch Elektrizität und elektromagnetische Strahlung gestört werden, was ist dann mit den Unmengen an Stromkabeln, Rundfunk-, Handy-, Satelliten- usw. -wellen zwischen Heiler und „Empfänger“? :)

Warum nicht das Telefon verwenden, so kann man dem „Empfänger“ viel leichter einreden, was er glauben soll…

Und Walter E. (#58) verwechselt die Heiler, die mystische Heilung versprechen, mit der Telefonseelsorge:

Wenn ein verzweifelter Mensch die Telefon-Seelsorge in Anspruch nimmt und Hilfe findet ist dass ein toller Erfolg. Und dass wird jeden Tag vielfach erlebt trotz Elektrosmog. So kompliziert wie oft dargestellt ist Heilung nicht.

Mit dem letzten Satz (Hervorhebung von mir) hat er unbeabsichtigt sogar recht, wie ich finde: Denn jede solche Heilung geht nur durch den Glauben des Patienten daran – ein Heiler sendet genausowenig Energie aus wie ein Telefonseelsorger, er behauptet nur etwas anderes. (Zumindest wenn sich der Telefonseelsorger nicht auf „göttliche Hilfe“ versteift.)

Und die christliche Fraktion kam in Form von Renate P. (#67) auch schon vorbei, die davor warnt, auch der Teufel würde Wunder bewirken, und die Leser in einem Absatz gar anbrüllt5:

JEDER; DER ZU EINEM HEILER GEHT; DER NICHT AUSDRÜCKLICH IM NAMEN JESU CHRISTI DIE KRAFT GOTTES ZUR HEILUNG ANRUFT; BEGIBT SICH AUF “OKKULTE WEGE2 UND ZAPFT DIE KRAFTQUELLE SATANS AN; UND WIRD DIE DARAUS ENTSTEHENDEN NEGATIVEN KONSEQUENZEN (DES GÖTZENDIENSTES) ENTWEDER SELBER ODER IN DER FAMILIE TRAGEN MÜSSEN! DER WIDERSACHER GOTTES VERSUCHT UNS MENSCHEN IN DIE KNECHTSCHAFT; BINDUNGEN UND SÜNDE ZU FÜHREN; DAMIT ER UNS BEHERRSCGHEN KANN!

Und wie wollen diese Heilandsheilergläubigen erkennen, ob sie nicht von einem „teuflischen Heiler“ geschickt getäuscht werden, indem er einfach behauptet, „göttliche Heilkraft“ weiterzugeben?
:shake:

Naja, jeder Wunder- und/oder Gott- und/oder Esoterikgläubige schafft sich so seine eigene Welt, mit Logik kann man da wohl wenig ausrichten…

Genug für heute.6

 


Linktips:


Foto Hände: shlomaster/sxc; Strommast: leefis/sxc

 


  1. Auch wenn kürzlich zwei weitere kritische Kommentare kamen (#74 und #75), wäre etwas Unterstützung dort vielleicht nicht schlecht… []
  2. mehr im Artikel, ich hab nicht alles zitiert []
  3. Editorial Teil 1 []
  4. Hefttitel bei Teil 1 []
  5. die Großschreibung, in Mails und Foren meist mit Schreien gleichgesetzt, kann natürlich auch ein Versehen gewesen sein []
  6. Und auch genug mit den Fußnoten, das waren schon wieder recht viele… ;) []

9 Kommentare
1 Trackback

  1. D

    Oh ja, eine der führenden Fachzeitschriften für Medizin: HÖRZU *fg*

    Eigentlich erstaunlich, wieviel Mühe Du für eine Rezension der Artikelserie aufwendest …

  2. c

    Solchen Eso-Kram unkommentiert und unkritisiert stehen lassen kann ich eben auch nicht…

  3. D

    Kann ich irgendwo verstehen.

    Dummerweise kommt man, wenn man die Placebo-Argumentation konsequent weiterdenkt, darauf, dass auch die meisten schulmedizinischen Studien für’n A**** sind. Denn:

    In den allermeisten Studien über die Wirksamkeit von Medikamenten bzw. Behandlungsmethoden der Schulmedizin wird zwar meistens eine astreine Korrelation zw. Medikament bzw. Methode und einem Heilerfolg nachgewiesen. Zu oft wird aber auch hier der Fehler begangen, von einer Korrelation 1:1 auf einen Kausalzusammenhang zu schließen.

    Denn fest steht: Das wirksamste Medikament der Schulmedizin ist und bleibt Placebo! Und zwar in noch wesentlich höherem Umfang, als es die Schulmedizin zugeben will! Denn wie oft hilft ein Medikament deswegen, weil es einfach sehr teuer ist und deshalb den Glauben des Patienten daran erhöht, und nicht wegen der darin enthaltenen sog. Wirkstoffe!

    Daher bin ich immer skeptisch, wenn alternative Heilmethoden zerpflückt werden. Denn mit dem Placebo-Argument hat man sehr schnell auch die Wirksamkeit der Schulmedizin mit zerpflückt. Q.e.d.

  4. c

    Nix Q.e.d., ganz so einfach ist es nicht – in „schulmedizinischen“ Medikamenten sind normalerweise durchaus Wirkstoffe enthalten (sieht man auch an den Nebenwirkungslisten der Beipackzettel), anders als z.B. in Homöopathika oder beim Handauflegen. Und Blindstudien, bei denen verschiedene Patientengruppen Placebo oder Wirkstoff bekommen (und idealerweise auch Ärzte und Studienauswerter nicht wissen, wer was bekommen hat), sind durchaus ein probates Mittel zur Bewertung von Wirkstoffen vs. Placebo.

  5. D

    Komisch, ausgerechnet Du als Wissenschaftler solltest doch wissen, dass das Ergebnis wissenschaftliche Untersuchungen

    a) ganz stark von der Fragestellung der Untersuchung

    und

    b) von den Zielvorgaben der Geldgeber

    abhängig ist.

    Das ist u. a. einer der Gründe, warum in einer Mehrzahl der Untersuchungen z.B. zur der von Dir genannten Homöopathie keine positiven Ergebnisse vorliegen.

    Umgekehrt gibt es zahlreiche, inzwischen als Fälschung aufgedeckte, Medikamentenstudien, die auch die von Dir genannte Technik der Kontrollgruppe benutzt haben. Und wenn dies kein signifikantes Ergebnis brachte, wurde eben kurzerhand an den Zahlen manipuliert …

    … sonst bekommt man keine weiteren Forschungsgelder – das sollte man auch nicht verschweigen.

    Hersteller von Akupunkturnadeln haben eben nicht das Finanzvolumen der Bayer- oder Hoechst-AG.

  6. c

    Okay, natürlich gibt es diese Probleme, aber du kannst weder deshalb noch sonstwie generell mit einem Handstreich „mit dem Placebo-Argument […] sehr schnell auch die Wirksamkeit der Schulmedizin mit zerpflück[en]“.

    Und wie du sagst „Das ist u. a. einer der Gründe“ – und u.a. andere Gründe sind eben die über Placebos hinausgehende Wirkungslosigkeit der untersuchten „Komplementärmedizin“.

    Um die Homöopathie als Aberglauben aufzudecken, braucht’s nicht mal Studien oder Bücher wie das eines ehemaligen Komplementärmediziners, man muss sich deren „Argumente“ nur mal genauer anschauen. (Beides hatte ich schon mal in Links der Woche erwähnt.)

  7. D

    und u.a. andere Gründe sind eben die über Placebos hinausgehende Wirkungslosigkeit der untersuchten „Komplementärmedizin“.

    Und genau diese Wirkungslosigkeit gibt es zuhauf auch in der Schulmedizin.

    In der Homöopathie kenne ich mich zu wenig aus, um sie verteidigen zu können. Ich war aber letztes Jahr Proband in einer Studie zu Traditioneller Chinesischer Medizin. Und das Ergebnis (die Studie ist noch nicht beendet, daher bisher unveröffentlicht) ist frappierend:

    Obwohl an der Studie aus Schulmedizinischer Sicht nur „austherapierte“ Patienten teilnahmen (Also Patienten, bei denen die Schulmedizin nicht einmal Placebo-Effekt hat), war nach durchschnittlich 4 Wochen bei 75% der Patienten eine deutliche Besserung eingetreten, die bei 80% von ihnen über ein Jahr anhielt.

    Leider gibt es bisher keine Geldgeber für Studien bezüglich Krankheiten, bei denen auch die Schulmedizin Erfolge verbichen kann . Über die Gründe darüber will ich jetzt hier nicht spekulieren, dazu ist es mir zu heiß …

    Im übrigen freue ich mich auf das Musik-Quiz … :-)

  8. c

    Nur beweist diese Studie auch nicht mehr als dass die TCM für diese 75% das wirkungsvollere Placebo war…

    Ich hoffe nur, dass du das Musik-Quiz nicht binnen weniger Sekunden löst, jetzt, wo du dich im Kommentieren „aufgewärmt“ hast. :)

  9. P

    wenn das helfen würde, das handauflegen, dann wären ärzte arbeitslos. 8)

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