Der lange Weg des Mondes im März

Mondkalender Ein neuer Monat, also auch ein neuer Mond – und neue Fantastereien aus dem Mondkalender 2010. Wir wollen uns gar nicht lange damit aufhalten, wieso am einen Tag die Wäsche „besonders sauber“ werden soll, warum man „noch mehrere Tage etwas davon“ haben soll, wenn man an einem anderen Tag gut lüftet, warum Brillen- und Kontaktlinsenträger ausgerechnet an Widdertagen Beschwerden haben sollen oder warum man sich „an Waagetagen nicht zu dünn anziehen“ soll – das kann eh niemand sinnvoll begründen.

„Je öfter du unterwegs fragst, wie weit du noch zu gehen hast, desto länger wird dir der Weg erscheinen.“
(Aus Australien)

Deswegen fragen die Esoterikjünger gar nicht lange nach, sondern glauben einfach die „absoluten Wahrheiten“ ihrer Astrologen und Gurus.

Kann nicht jeder Tag ein Fische-Neumond sein?

Heute ist Fische-Neumond. […] lassen Sie ansonsten die Hausarbeit so weit es geht liegen.

Anscheinend nicht. (Aber ich halte mich eh nicht dran, wie man an meiner Wohnung sieht.^^) Denn den Boden muss man ja durch Umtopfen pflegen können (äh…):

Der Jungfraumond unterstützt pflegende Bodenarbeiten, wie Umtopfen und Düngen, aber auch das Ausmerzen von Schadinsekten.

Nur wo bekommt man so große Töpfe, um einen ganzen Gartenboden umzutopfen?

Ein anderer Wechsel des Mondes zwischen zwei Tierkreiszeichen soll sich „oft stark in der Natur bemerkbar“ machen – und bietet ein Beispiel, wie man als Mondgläubiger die Dinge sehen und sich bei Bedarf täuschen lassen muss:

Viele Pflanzen, die gestern noch kerngesund gewirkt haben, machen einen trockenen und schwachen Eindruck.

Denn vielleicht waren die Pflanzen ja schon gestern trocken und schwach, aber wenn der Mond sagt, sie sollen noch kerngesund wirken, übersieht man schon mal ihren Durst…

Offensichtlich?

Liebe Leser, würdet ihr sagen, dass man es beim Sport nicht übertreiben soll, da sonst eventuell Oberschenkel und Rücken Schmerzen bereiten können? Eventuell, können, nicht müssen, vielleicht auch nicht, vielleicht auch andere Körperpartien. Ja, oder? Aber habt ihr auch eine Erklärung dafür, warum das mondabhängig an einem bestimmten Tag besonders erwähnenswert ist?

Der Kalender schon:

Zur Erinnerung: Nicht der Mond verursacht Krankheiten, sondern er bestrahlt bestimmte Körperregionen. Es liegt in Ihrer Hand, ob Sie das positiv oder negativ nutzen. Schädliches wirkt schädlicher, Günstiges günstiger.

Woher der Mond weiß, welche Körperregionen grad dran sind, bleibt offenbar ein Geheimnis.

Dass das Wort „bestrahlt“ der Klientel da aber keine Angst macht… denn dass es sich sicher nicht um mess- und nachweisbare Strahlung handelt und dass sichtbares Licht schlecht zu den inneren Organen gelangt, dringt ja selten zu denen durch – das wäre schließlich Wissenschaft. Wahrscheinlich lenken sie sich dadurch ab, dass sie sich angestrengt um eine positive Nutzung bemühen, schließlich schiebt ihnen hier mal wieder ein Esoterikguru prophylaktisch die Schuld selbst in die Schuhe.

Und die Einheit Newton ist hier bestimmt genausowenig gefragt wie die Gesetze ihres Namensgebers:

Wenn Sie sich den Mondkräften öffnen, können Sie ein außergewöhnliches Wochenende erleben.

Stimmung auf der Bürotoilette!

Diese beiden Tips gibt’s für denselben Tag:

Der Mond beeinflusst heute Blase und Nieren.

Der Mond fördert heute besonders die Stimmung zwischen den Kollegen.

Also überlegt euch schon mal, wie ihr dort, wo die Blase euch immer wieder hinschickt, mit den Kollegen für Stimmung sorgt… Es könnte aber ratsam sein, die Männer/Frauen-Trennung der Toiletten dennoch zu berücksichtigen, denn nicht jede(r) ist ein Mondfan, und mit sexueller Belästigung ist auch bei der güngstigsten Mondphase nicht zu spaßen.

Ich hatte mich übrigens schon gefragt, wann es verdünnten Hokuspokus zum Schlucken gibt – zum physischen Schlucken, nicht zum geistigen; dort ist ja auch nichts verdünnt –, und es wundert mich, dass es bis Mitte März gedauert hat:

Wenn Sie unter Vollmond-Schlaflosigkeit leiden, hilft Ihnen unter Umständen ein homöopathisches Coffea-Präparat.

Leider lässt es sich der Kalender auch in diesem Monat nicht nehmen, gleich zweimal unverantwortlicherweise zum Vermeiden von Operationen und Zahnarztterminen zu raten. Der Disclaimer „In allen medizinischen Fragen ist der Rat eines Arztes maßgebend“ steht leider nur einmal am Anfang und nicht auf jeder solchen Seite.

Bleibt uns am Schluss noch die Erkenntnis, dass es den Gläubigen mal gut täte, über die bestaunenswerte Realität zu staunen:

„Staunen, das ist der Same des Wissens.“
(Francis Bacon)

 


PS: Für die noch nicht ganz dem Mond-Aberglauben anheim Gefallenen seien noch ein paar kritische Links ergänzt:

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