Fragen an das Orakel (1)

agyon-ecke Auf meiner Esoterikshop-Satire-Seite agyon.de gibt’s auch ein Orakel, das auf alle Ja/Nein-Fragen mit unumstößlicher Gewissheit eine Antwort weiß. Gut, diese Antwort ist mit unumstößlicher Gewissheit sehr unentschlossen – „vielleicht“, „ich weiß nicht“, „kann sein, muss aber nicht“ etc. in 17 Varianten –, aber das wissen die Fragenden ja nicht sofort. Und wer weiß, vielleicht gibt es tatsächlich den einen oder anderen, der in diesem Fall die Schuld bei sich selbst sucht dank des Hinweises:

Wenn die Antwort nicht deutlich genug ist, konzentrieren Sie sich stärker und versuchen Sie es erneut, oder verwenden Sie eine einfachere Frage.

Allzu viele Besucher hat die Site leider noch nicht, aber gut zwei Dutzend Leute haben schon Fragen eingegeben, und manche könnten durchaus eine echte, hilfreiche Antwort erwartet haben – andere werden natürlich Stammgäste gewesen sein, die nur schauen wollten, was ich mir so ausgedacht hatte.

Wie dem auch sei, hier ist eine erste Auswahl der besten Fragen:

Der erste Fragende wollte 38x wissen: „wird es morgen regnen?“ – nun ja, höchstwahrscheinlich war das einer meiner Stammleser. Der nächste fragte zunächst einmal „bin ich schwul?“ und dann 41x „heiße ich d[…]♂?“.

Auch andere interessierten sich für Liebe und Sex, so fragte jemand – falls männlich, wäre es ja für den letztgenannten Frager interessant gewesen – zuerst 5x „liebt er mich“, dann 7x „werden wir uns verloben?“. Oder auch nur 1x „wird er mich lieben?“ Tja, manche geben schneller auf als andere… tut mir fast schon leid, wenn ich sie enttäuschen muss trotz so direkter Fragen wie diesen1:

Wird es noch intimen Kontakt geben zwischen S[…]♀ H[…] und A[…]♂ R[…]? [2x]
Wird mich S[…]♀ begehren?
Ist die Affäre zwischen S[…]♀ H[…] und A[…]♂ R[…] FÜR IMMER ZU ENDE?

Und manche stellen jede Frage auch nur einmal, so etwa diese/r Besucher/in, der/die dafür gleich fünf in petto hatte:

Werde ich nächstes Jahr heiraten
Werde ich viel Geld gewinnen
Liebt D[…]♂ die C[…]♀
Bin ich glücklich
Werde ich gesund

Ob ich ein abschließendes Fragezeichen obligatorisch machen sollte?

Eine Frage wie letztere ist übrigens der Grund, warum mein Orakel generell nur „vielleicht“-Antworten gibt, schließlich will ich den Leuten da nix einreden. Anders übrigens als eine „Lebensberaterin“, „Hellseherin“ u.a. – die sich trotz ihres Angebots nicht esoterisch nennen will –, deren im Kleingedruckten explizit als nicht allzu ernstzunehmend gekennzeichnetes Online-Orakel neben ausweichenden, halbwegs lustigen Antworten auch „ja“, „nein“ o.ä. sagt.

Diese beiden hier haben das Orakel sowohl schneller durchschaut als auch die Lust an unklaren Antworten verloren:

Kann ich meinen Drachen streicheln?
Kann ich?

Gewinnen wir das Rennen?
Ist heute Donnerstag

Wobei Wolfram Alpha durchaus Wochentagsfragen beantworten kann. Aber diese programmierte maschinelle Intelligenz ist nicht das Betätigungsfeld meines Agyon-Orakels…

Wenig Erleuchtung dürfte auch diese Person gefunden haben, aber agyon.de könnte dennoch als Vorlage dienen:

[keine Eingabe]
Wie werde ich erleuchtet?
Wie werde ich Esoteriker?
[keine Eingabe]

Nur das mit der Beschränkung auf Ja/Nein-Fragen, das hat dieser Frager wie auch ein anderer mit „Wieviel Uhr ist es?“ noch nicht so gut drauf. Vielleicht muss ich da noch etwas Intelligenz ins Script reinstecken… Und auch die Antwort auf die Frage „Ist dieser Shop seriös?“ (8x wiederholt) sollte ich vielleicht noch anpassen. Eventuell auch auf diese:

Ist dies Humbug? [4x]
Gibt es eine Antwort?
Hast Du immer recht?

So, das war’s fürs erste – fragen wir uns zum Abschluss noch schnell „esse ich heute pizza?“ und „geh ich jetzt heim?“, und dann guten Appetit und tschüss!

  1. auch hier gilt: Namen gekürzt. Und auch offenbar keine Promis. ↺

Wikiopole: Die Vernetzung der Blogs

In den Labs des „Informations- und Nachrichtenportals“ Wikio gibt’s eine nette Darstellung der deutschen Blogs und ihrer Vernetzung namens „Wikiopole“ – eine Darstellung, die anderswo mit der Konzentration auf die Politik vor den Wahlen zu sehen war/ist (hab den Link dazu aber verlegt).

Jeder Punkt ist ein Blog, und wenn man einen anklickt (eine Suchfunktion gibt’s zum Glück), kann man die Verlinkungen darstellen. Hier erst in der Totalen – mein Blog ausgewählt, versteht sich –, gelbe Linien sind ausgehende, rote eingehende und grüne gegenseitige Links; wobei die Informationen von Wikio hier vielleicht nicht komplett sind, ich sehe jedenfalls ein paar gelbe, bei denen ich weiß, dass sie auch auf mich verlinken.

Wikiopole_Sep09

Und hier reingezoomt und noch mal die Totale in der Fischaugen-Ansicht, in der man sich gleich wichtiger vorkommt ;) – nur zoomen kann man da nicht mehr:

Wikiopole_Sep09b Wikiopole_Sep09_Fisch

Dann viel Spaß beim Erkunden und Spielen…

(via @Blogwiese)

Ein CD-Cover für ui.

Neu ist die Idee nicht, ein fiktives Album-Cover mit zufälligen Namen und Bild zu erstellen – ui. hatte eine Blogparade daraus gemacht, bei der man dazu sogar selbst einen Song erstellen sollte, was prompt zur „erfolglosesten Blogparade aller Zeiten“ wurde, weil niemand selbst komponieren wollte oder konnte; seit er diese Voraussetzung gestrichen und noch das Schmankerl hinzugefügt hat, dass er selbst ca. 10 Ergebnisse auswählen und diese imaginären Songs komponieren und aufnehmen will, scheint es nur so Teilnehmer zu hageln. Ich find’s auch eine tolle Idee, also mach ich auch mit – hier ist mein Ergebnis, „The Infinite In Words“ von History of Portugal (711-1112):

cdcover_history
Foto von ell brown (CC-by)

Wie kommt man zu den zufälligen Ergebnissen?

1. Auf diesen Link klicken, dann wird man zu einem Zufallsartikel auf Wikipedia geleitet. Der Titel des Eintrages ist der Name Deiner Band.

2. Auf diesen Link klicken, dann kommst Du zu den neuesten flickr-Bildern mit Creative Commons-Lizenz. Wähle eins aus für Dein Albumcover (siehe meine Anmerkungen weiter unten wegen “creative commons” etc.)

3. Klicke auf diesen Link, um zu einer Zufalls-Seite mit Zitaten zu kommen. Vom letzten Zitat auf der Seite nimmst Du die letzten 4 oder 5 Worte und das ist Dein Album-Titel und auch der Titel der Single-Auskopplung.

Mehr bei ui.. Teilnehmen kann man noch bis 1. Oktober.

Apropos teilnehmen: Ich hab bis 27.9. auch noch eine Blogparade „Jubiläum des Jahres“, die bisher erst einen Teilnehmer gefunden hat – und man kann auch eine echte Münze gewinnen. Wer also darauf Lust hat, hier entlang!

Die Geschichte vom Sonnensystem und dem Synchronisationsstrahl

Sonnensystem Es war einmal ein Sonnensystem, das fühlte sich ganz wohl an seinem Platz zwischen zwei Hauptarmen seiner Galaxie. Hier war es nicht so voll, dass ständig andere Sterne im Weg herumliefen, aber auch nicht so leer, dass gar nichts zu sehen wäre. Hier konnte es gemütlich seine Bahnen ziehen, Bahnen um das Zentrum der Galaxie, in dem dieses große unsicht­bare Ding das Maß aller Dinge war. Ein großes unsicht­bares Ding, das wahnsinnig schwer war, millionenmal schwerer als das Sonnen­system selbst, und das sich für diese Masse unglaublich schnell drehte.

Das Sonnensystem bewunderte dieses Ding. Es schleuderte nicht ständig riesige Mengen Materie von sich, um auf sich aufmerksam zu machen, denn das hatte es gar nicht nötig; nein, es zog sogar noch alle Materie in seiner Nähe an, die freudig strahlend in das Ding hineinstürzte. Den Rand, an dem dies geschah, nannte man Ereignishorizont. Dieser Gedanke gefiel dem Sonnensystem – es stellte sich diesen Horizont als von großartigen Events erfüllt vor, sodass es niemals langweilig werden würde.

Aber andererseits war das Sonnensystem auch froh über sein Dasein, denn es war eher das galaktische Äquivalent eines Stubenhockers: Es blieb lieber gemütlich zu Hause zwischen den beiden Hauptarmen und zog gemächlich seine Bahnen. Außerdem hatte es auch eine gewisse Verantwortung, denn sein dritter Planet befand sich in einem Abstand von der Sonne, in dem er Leben hervorbringen konnte und auch hervorgebracht hat. Und dessen Fortbestehen lag dem Sonnensystem sehr am Herzen.

Und was für ein Leben das war! Es war sogar intelligentes Leben; Leben, das sich seiner selbst bewusst war! Soweit das Sonnensystem von seinen Nachbarn erfahren hatte, war dies ein sehr seltener Fall in der Galaxie. Ein Grund für das Sonnensystem, sich für etwas Besonderes zu halten – und das mit Recht.

Wie das Sonnensystem mitbekam, machten sich einige der intelligenten Lebensformen – sie nannten sich übrigens Menschen – auch Gedanken über ihre Position in der Galaxie, ja im gesamten All. Es bekam allerdings nicht alles mit, woran die Menschen so dachten, es waren ja auch ziemlich viele: mehrere Milliarden! Zwar nicht ganz so viele wie Sterne in der Galaxie, aber doch fast.

Das Sonnensystem war stolz.

Doch dann schnappte es einen Gedanken auf, der ihn noch beunruhigen sollte: Manche Menschen – dem ersten Vernehmen nach Wissenschaftler, renommierte Forscher – sprachen von einem „Synchronisations-Strahl.“ Ein Synchronisations­strahl? wunderte sich das Sonnensystem. Was soll denn womit synchronisiert werden? Es bekam nun nicht alle Details mit, aber ein Gedanke war dann doch klar: Der Synchronisations­strahl sollte aus dem Zentrum der Galaxie kommen. Dem Zentrum, in dem das große unsichtbare Ding sitzt!

Sgr A* (u.a.) Zwar freute sich das Sonnensystem zunächst über diese Verbindung. Doch was genau sollte da synchronisiert werden? Das Sonnensystem konnte sich nur eine Eigenschaft vorstellen, bei der dieser Begriff Sinn ergeben würde: Sein Umlauf um das große unsichtbare Ding würde mit dessen Rotation verbunden werden, praktisch wie wenn man sie mit einer starren Achse verbände. Aber… aber das würde ja bedeuten, sorgte sich das Sonnensystem, dass es vorbei ist mit meinem gemütlichen Weg zwischen den beiden Hauptarmen!

Das Sonnensystem war traurig. Es würde enorm beschleunigt werden, und das in weniger als 50 Umdrehungen seiner Sonne – ein Klacks im Vergleich zu seinem bisherigen Leben. Und es war nicht nur traurig, weil sein gemütliches Dasein ein jähes Ende fände, sondern auch, weil diese riesige Geschwindigkeit für „sein“ menschliches Leben, auf das es so stolz war, nichts Gutes verheißen konnte. Eine Bewegung mit milliardenfacher Lichtgeschwindigkeit würde auch die relative Leere des Weltraums zu einem heftigen, orkanartigen Gegenwind werden lassen – selbst die Sonne würde dadurch wohl sehr schnell aufgelöst werden.

Das Sonnensystem war am Verzweifeln.

Was sollte es tun? Es wollte das alles nicht! Und warum gerade jetzt? Warum in diesem Jahr, das die Menschen 2012 nennen? Warum nicht wenigstens eine langsame Beschleunigung in Lauf von ein paar Milliarden Jahren, so zum daran Gewöhnen?

Das Sonnensystem musste mehr erfahren. Es konzentrierte sich ganz stark auf den Ursprung der Informationen über diesen Synchronisations­strahl, auf den Wissenschaftler, der ihn entdeckt hatte. Doch was war das? Der Wissenschaftler sprach gar nicht von der Umlaufgeschwindigkeit, sondern von… Bewusstsein und Multi­dimensionalität… Paradigmen­wechsel… Bio­metrisierung von Struk­turen… verschiedenen anderen Dingen jedenfalls, die nicht so genau zu verstehen waren, denn das Ganze war doch sehr verworren.

Und selbst mit seinem begrenzten Wissen erkannte das Sonnensystem: Das war ja alles Unsinn! Der Wissenschaftler hatte keine Ahnung, wovon er da sprach! Noch nicht mal die Lage des Sonnen­systems in der Galaxie und die grund­legendsten Vorgänge in ihr hat er richtig erkannt! Aber wieso dann das ganze Gerede vom Synchronisations­strahl? Panik­mache, Aufmerksam­keits­heischerei, Geld­macherei, oder was sonst?

Aber das Sonnensystem interessierte das gar nicht mehr. Und es fand auch andere Wissen­schaftler, echte Wissen­schaftler, die die Unsinnigkeit des Synchronisations­strahls und der anderen Hirn­gespinste des anderen auch erkannt hatten.

Das Sonnensystem war wieder beruhigt.

Doch es wunderte sich, warum sich die Menschen solche Dinge ausdenken und daran glauben, und fragte sich, ob es die Intelligenz „seines“ Lebens richtig eingeschätzt hatte.

 


Bilder: NASA (Wikimedia, Chandra X-Ray Observatory)