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Wahlen

Von Wind, Wasser und Briefen

Hier in Pfaffenhofen gibt’s am 23. Oktober zwei Bürgerentscheide (Infos u.a. mit 2 Videos) – erstmals und als erste Kommune in Bayern mit automatischer Briefwahl, d.h. die knapp 20000 Abstimmungs­berechtigten haben ihre Stimmzettel bereits automatisch erhalten; am Abstimmungstag selbst wird nur ein einziges Wahllokal geöffnet sein, und wer weiß, ob dabei die „Wie viele da wohl kommen?“-Neugierigen nicht gegenüber den tatsächlichen Wählern in der Mehrheit sind.^^ Auf die Wahlbeteiligung bin ich jedenfalls mal gespannt.

Stimmzettel Bürgerentscheid 2016

Das Vorgehen, auch wenn’s etwas komplizierter ist als eine persönliche Abstimmung vor Ort, wird mehrfach in Bild und Text erklärt – wer das nicht kapiert und keine gültige Stimme hinbekommt, sollte eh nicht wählen dürfen. ;)

Die eine Abstimmung betrifft das neue Hallenbad1 – ob eine Minimallösung für Schul- und Vereinssport mit vermutlich ähnlich knappen Öffnungszeiten für die Allgemeinheit wie jetzt im kleinen, baufälligen Realschul-Hallenbad ausreicht (die immer noch 8 Millionen Euro kosten soll) oder lieber eine größere Familien-/Freizeitbad-Lösung mit bis zu 15 Millionen gebaut werden soll.

Die genaue Ausgestaltung von letzterer Variante soll dann Anfang nächsten Jahres ausgearbeitet werden – meine Ideallösung wäre ja eine, die vor allem für Schwimmer geeignet ist, also mehr oder weniger die mittlere der ursprünglich in Aussicht gestellten drei Varianten; da die nicht direkt zur Abstimmung steht, muss das über die genaue Ausgestaltung laufen, worauf auch die Schwimmvereine hinarbeiten wollen. Also hoffe ich hier mal auf ein klares Ja-Ergebnis.

Während ums Hallenbad recht wenig Wellen gemacht werden, geht’s beim Windpark mit drei Windrädern (südlich des einen, das es im Nordosten der Stadt bereits gibt) schon stürmischer zu – zwei Initiativen „Rückenwind“ und „Gegenwind“ sorgen mit Plakaten und Informations­veranstaltungen für viel Wirbel und leidenschaftlich geführte Diskussionen, bei denen beide Seiten schon auch mal übers Vernünftige hinausgehen. Ich will hier nicht alle Argumente wiedergeben, im aktuellen Bürgermagazin (PDF, inkl. Fotomontage), in der ausführlichen Stadtratsvorlage und anderswo findet sich genügend dazu; hier nur soviel:

Befürworter setzen natürlich darauf, dass die hier in Pfaffenhofen benötigte Energie 100% sauber wäre, und generell ist ja wenig gegen die grundsätzlichen Ziele der Energiewende einzuwenden, Kohle- und Atomkraft haben nun mal ihre unbestreitbaren schwerwiegenden Nachteile. Dass eine Jugendparlament-Angehörige von „Lieber drei Windräder als ein Atomkraftwerk vor der Nase“ spricht, ist natürlich eine dieser unnötigen Übertreibungen, denn wir haben hier kein Atomkraftwerk vor der Nase, und gebaut werden soll erst recht keines.

Die Gegner fühlen sich hingegen mitunter „zu Bürgern zweiter Klasse herabgewürdigt“, kommen aber auch nicht immer überzeugend daher: Verallgemeinerung einzelner, individueller Einwände (vgl. o.a. Stadtratsvorlage), der teuflisch an die Wand gemalte Immobilien-Wertverlust „von 30 % bis hin zur Unverkäuflichkeit“ für „auch viele Pfaffenhofener mit Blick auf den Windpark“ darf dann doch bezweifelt werden (siehe auch Stadtratvorlage S.13/14), und mindestens ein Wutbürger aus ihren Reihen neigt anscheinend auch zu Gewalt in Form eines Steins mit Drohbrief ins Fenster eines Stadtratmitglieds.

liegendes Windkraft.Plakat

Zudem frage ich mich, ob dieses im Boden verankert gewesene und andere Befürworter-Plakate tatsächlich dem Wind zum Opfer gefallen sind oder nicht doch mutwillig flachgelegt wurden, wohingegen mir kein liegendes Gegner-Plakat aufgefallen ist (auch wenn sich keines direkt in der Nähe der liegenden Plakate befand, sodass lokale Wind-Unterschiede nicht auszuschließen sind)…

Bei einer Nicht-wirklich-„Bürger informieren Bürger“-Veranstaltung gestern2 waren dann v.a. zwei überregional tätige Anti-Windkraft-Referenten aktiv, ein Energieingenieur, der sich zwar laut Kurier „auf plausibel vorgetragene Eigenrecherchen stützt“, trotzdem über die durchaus ja auch vorhandenen Kritikpunkte hinaus polemisch zugespitzt von „sinnlosen Monstermaschinen“ spricht, und ein „Allgemeinarzt und Osteopath“, der „unter Windkraft­befürworten als Demagoge verrufen“ sein soll (ebenfalls laut Kurier). Zudem ist die Osteopathie ein pseudo­medizinisches Konzept ohne glaubwürdigen Wirksamkeits­nachweis, der gute Herr Doktor hat also offenbar gewisse Defizite in Sachen Wissen­schaftlichkeit und Evidenz – das lässt mich zweifeln, ob man auf seine medizinischen Ausführungen gegen Windräder vernünftigerweise allzu großes Gewicht legen sollte.

Man darf gespannt sein, wie die Sache weiter- und ausgeht…

  1. ob die gelbe Farbe eine Anspielung auf Beckenpinkler sein soll? ;)  ↺
  2. Artikel des Pfaffenhofener Kuriers mit Bezahlschranke nach einigen wenigen Aufrufen ↺

Parteien-Neuordnung

Nur so ’n Gedanke, der mir angesichts diverser parteiinternen Hickhacks so gekommen ist – schon vor einiger Zeit, jetzt aber aktueller denn je: Wieso ordnen sich die Parteien nicht neu an, bildet der eine Flügel der einen Partei mit einem Flügel einer anderen eine neue?

Also hab ich ein paar Möglichkeiten mal visualisiert (aber Achtung auf schmalen Mobilgeräte­bildschirmen, da kann die zwischen „jetzt“ und „neu“ überlappende Anordnung evtl. schwer erkennbar werden!):

jetzt Grüne Linke SPD CDU/CSU NPD AfD
neu LGF Links-Grüne Fundis SED Sozialismus ist Echt Denkbar SLP Soziale Linke Partei SDU(M) Sozial-Demokratische Union (die mit der Merkel) CRU Christliche Rechte Union NSU Nationale Superrechte* Union
                                
jetzt Grüne CDU FDP Piraten** PARTEI andere
neu RG Real-Grüne CKG Christliche Konservative Grüne FWL Freunde der Wirtschafts-Lobby FBP Freiheitliche Bürgerrechts-Partei SDP Selbst-Darsteller-Partei PARTEI (muss sich nicht ändern) VKSG Vereinigung der eh von Keiner Sau Gewählten

* die CSU wollte hier unbedingt ein S haben – damit zwei Buchstaben mit „CSU“ übereinstimmen und weil Seehofer mit S beginnt ;)
** die Piraten sind eigentlich nur noch aus historischen Gründen separat dabei…

Nur… Auch wenn die Breiten der einzelnen Abschnitte so gewählt sind, dass in der Darstellung immer gleich breite Abschnitte kombiniert werden, steht zu befürchten, dass der braune Sumpf auch in der Realität viel zu breit wird. Vielleicht doch nicht ganz ausgegoren, diese Idee…

Deutsche Europa-Torte

…also natürlich wie gewohnt nach einer Wahl, in diesem Fall zum Europäischen Parlament – hier die deutschen Ergebnisse:

ep2014 D

Abgebildet sind alle Parteien, die auch mindestens einen Sitz ergattert haben. Tabelle mit Absolutwerten sowie Prozenten inkl. Nichtwählern:

CDU/CSU SPD Grüne Linke AfD FDP FW Piraten Tierschutz NPD Familie ödp PARTEI sonstige ungültige Nichtwähler Wähler Berechtigte
Deutschland 10374758 7999955 3138201 2167641 2065162 986253 428524 424510 366303 300815 202871 185119 184525 516063 496216 32167176 29836916 62004092
Bayern 1567258 779222 467067 113914 310966 118425 166542 46021 40656 22783 11771 104002 17695 104721 15993 5647230 3887036 9534266
Kreis PAF 18471 6820 3544 884 3200 956 1903 400 414 273 160 1186 205 1297 256 50930 39969 90899
Stadt PAF 3397 1786 1063 254 703 217 310 93 75 44 37 333 58 222 78 9786 8670 18456
Bezirk 11 182 99 69 12 38 10 12 1 4 1 1 16 4 7 0 1062 456 1518
CDU/CSU SPD Grüne Linke AfD FDP FW Piraten Tierschutz NPD Familie ödp PARTEI sonstige ungültige Nichtwähler Wähler
Deutschland 16,73% 12,90% 5,06% 3,50% 3,33% 1,59% 0,69% 0,68% 0,59% 0,49% 0,33% 0,30% 0,30% 0,83% 0,80% 51,88% 48,12%
Bayern 16,44% 8,17% 4,90% 1,19% 3,26% 1,24% 1,75% 0,48% 0,43% 0,24% 0,12% 1,09% 0,19% 1,10% 0,17% 59,23% 40,77%
Kreis PAF 20,32% 7,50% 3,90% 0,97% 3,52% 1,05% 2,09% 0,44% 0,46% 0,30% 0,18% 1,30% 0,23% 1,43% 0,28% 56,03% 43,97%
Stadt PAF 18,41% 9,68% 5,76% 1,38% 3,81% 1,18% 1,68% 0,50% 0,41% 0,24% 0,20% 1,80% 0,31% 1,20% 0,42% 53,02% 46,98%
Bezirk 11 11,99% 6,52% 4,55% 0,79% 2,50% 0,66% 0,79% 0,07% 0,26% 0,07% 0,07% 1,05% 0,26% 0,46% 0,00% 69,96% 30,04%*

* Stimmbezirk ohne Briefwähler

Wär ja eigentlich ganz witzig, wenn man entsprechend des Nichtwähleranteils mehr als das halbe Parlament leer lassen würde – also generell und nicht mangels Anwesenheit der Gewählten. :)

Quellen: DeutschlandBayern und LandkreisStadt Pfaffenhofen

Wahlleute

People are people… People ist auch Pabuca-Wochenthema – und angesichts der Kommunalwahlen vorgestern steht mein Beitrag ganz im Zeichen der zu wählenden People. Ein Teil der Wahlwerbung ist hier auf meinem Fußboden versammelt:

Wahlwerbung 2014 IMG_4401

Ein Kandidat hatte eine „bewegende“ Wahlwerbungsidee – leider hab ich ihn nicht in Aktion gesehen:

SPD-Fahrradrikscha IMG_4394

Und das hier ist eigentlich eher eine Werbung für Geländer, die den Kandidaten hier Halt und Stütze geben: ;)

Wahlplakate IMG_4397

Kommunale Briefe und Torten

Kommunalwahlen in Bayern gestern – das heißt, euch erwarten hier ein paar Tortendiagramme, die wie üblich auch die Nichtwähler enthalten, und mehr oder weniger sinnvolle zusätzliche Statistiken.

Vor den eigentlichen Ergebnissen aber zunächst dieses hier:

Kommunalwahlen 2014 Wähler Pfaffenhofen/Ilm

Mehr Briefwähler als „Normalwähler“ im Wahllokal – ohne Nichtwähler sind’s 53,6% zu 46,4%. Kein Wunder bei den umfangreichen Stimmzetteln für Stadtrat und Kreistag1 mit 30 bzw. 60 zu vergebenden Stimmen mit der Möglichkeit zu kumulieren und panaschieren. Ich selbst hatte deswegen auch briefgewählt.

Bei der Bürgermeisterwahl war’s aber noch einfach – ein blassgelber Zettel mit vier Kandidaten2 und einer Stimme. Und wenn der Amtsinhaber der SPD (als gemeinsamer Kandidat von SPD und Grünen) 63% der abgegebenen Stimmen erhält – „Einen derart deutlichen Sieg in einem ersten Wahlgang hat es in der Kreisstadt seit über 40 Jahren nicht mehr gegeben“, schreibt der Donaukurier –, kann er nicht so viel falsch gemacht haben:

Kommunalwahlen 2014 Bürgermeister Pfaffenhofen/Ilm (vorl.)

 

Der Stadtrat mit seinen 30 Sitzen erforderte dann schon ein A2 großes „Poster“ (in blassgrün) mit 171 Kandidaten aus 7 Listen, also 5,7 pro Sitz3:

Kommunalwahlen 2014 Stadtrat Pfaffenhofen/Ilm (vorl.)

Da nicht jeder Wähler auch alle 30 Stimmen vergeben hat, wurden einige verschenkt. Im Schnitt waren es 26,3 Stimmen pro Wähler. Folgende Sitzverteilung ergibt sich daraus:

Liste Stimmen Sitze 2008 Stimmen/Sitz Sitze/10000 Stimmen
CSU 102285 10 11 10228,5 0,978
SPD 94080 9 6 10453,3 0,957
Grüne 23315 2 3 11657,5 0,858
FW 48364 5 5 9672,8 1,034
FDP 10648 1 2 10648,0 0,939
ÖDP 15450 2 2 7725,0 1,294
GfG 5880 1 5880,0 1,701
FUW 1

Deutliche Gewinne für die SPD, was wohl auch dem Bürgermeister zu verdanken ist. Könnte gut sein, dass die „bunte Koalition“ aus SPD, Grünen, FW und ÖDP komplett weitermacht. Vielleicht schließt sich „Mensch“ Mayer (GfG) auch noch an, wer weiß.

Der junge Bürgermeisterkandidat der FDP, Jurastudent, der noch knapp unter 1% der gültigen Bürgermeister-Stimmen geblieben ist, hat hier sogar mit Listenplatz Nr. 1 gegen Nr. 2 verloren und muss draußen bleiben. Tja, wohl ein Fall von jung vs. erfahren bei einer uninteressant gewordenen Partei…

Und derjenige, der 2008 für die FUW in den Stadtrat gewählt wurde, hat es diesmal für die CSU gerade noch geschafft.

 

Und für den Kreistag gab’s dann ein A1 großes Plakat4 – anderswo soll’s größer gewesen sein. (Vorläufiges) Ergebnis:

Kommunalwahlen 2014 Kreistag Pfaffenhofen/Ilm (vorl.)

Hier waren’s 49,2 von 60 Stimmen pro Wähler. Sitze:

Liste Stimmen Sitze 2008 Stimmen/Sitz Sitze/100000 Stimmen
CSU 1116416 24 25 46517,3 2,150
SPD 529057 11 9 48096,1 2,079
Grüne 189583 4 4 47395,8 2,110
FW 488340 10 13 48834,0 2,048
AUL 256069 5 4 51213,8 1,953
FDP 123057 3 3 41019,0 2,438
ÖDP 115748 3 2 38582,7 2,592

Die Gewinne der SPD in der Kreisstadt konnten sich verständlicherweise nicht so sehr auf die Wählerentscheidungen im ganzen Landkreis auswirken.

Übrigens waren, wenn ich mich nicht verzählt habe, so viele Kreistagskandidaten aus der Stadt Pfaffenhofen selbst (und ihren Ortsteilen):

CSU 10/60
SPD 12/60
Grüne 21/41
FW 11/60
AUL 1/60
FDP 27/60
ÖDP 12/20

 

Bei allen drei Wahlen zusammen waren’s 8114,04 cm² Papier für 536 Kandidaten, also im Schnitt 15,1 cm²/Kandidat, die für 91 Sitze/Ämter kandidiert haben, also je 5,89 Kandidaten.

Die Wahlbeteiligung in der Stadt Pfaffenhofen war mit 58,8% etwas niedriger als 2008 (61,0%).

 


Quellen: Stadt Pfaffenhofen, Bayr. Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung

  1. das sind schon „gemeine“ Bezeichnungen: hier ein Rat, da ein Tag, dafür ist es der Landrat, der dem Kreistag im Landkreis vorsitzt, weil der Landtag ja wieder was anderes ist… ↺
  2. das sind immerhin 155,9 cm²/Kandidat, bezogen auf die Gesamtfläche (A4); 80,1 cm² war das Feld pro Kandidat ↺
  3. 14,6 cm²/Kandidat (Gesamtfläche), 7,3-21,8 cm² real (bei Listen, die weniger als 30 Kandidaten hatten, standen einige mehrfach untereinander; sie bekamen bei einem Listenkreuz entsprechend mehr Stimmen)  ↺
  4. 13,8 cm²/Kandidat (Gesamtfläche), 7,1-21,4 cm² real ↺