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Möchtegern-Latein

GENIBUS NITITO CANUS Schnappschuss vom WWE SummerSlam auf PremiereIn der „Biggest Party of the Summer“, wie die WWE (World Wrestling Entertainment) ihre PPV-Großveranstaltung SummerSlam vom letzten Sonntag beworben hat – die m.E. allerdings eher mittelmäßig war –, durfte der lang erwartete Rückkehrer Triple H, „The Game“, „King Of Kings“, mit lateinischem Spruch auf der Videowand einmarschieren:

„GENIBUS NITITO CANUS“

was (auch laut offizieller Ergebnisseite) „On your knees, dog!“ („Auf die Knie, Hund!“) heißen soll. Nun behaupte ich nicht, ein Latein-Experte zu sein – mein Großes Latinum ist nach 16 Jahren schon reichlich eingerostet – aber dass da was nicht stimmt, hab ich schon noch erkannt – und dann etwas nachgeforscht. Schauen wir’s und mal einzeln an (Quelle: ein Langenscheidt-Wörterbuch):

genibus: Dativ od. Ablativ plural von genu:

Knie n genu n; die ~ beugen genua flectere (od. submittere); (vor dem Könige) genua ponere regi; auf die ~ fallen in genus procumbere; (vor dem Könige) procumbere ad genua regis, accidere genibus regis; auf den ~n liegen ad genua [regis] iacēre, supplicem esse [regi]

nitito: wohl von nītor, nīxus u. nīsus sum, was in Zshg. m. genu so verwendet wird:

knien genibus nixum esse, in genua procumbere (procubuisse)

(Der Imperativ sollte dann aber doch von esse gebildet werden… nitito ist mit Sicherheit falsch.) Albertos Kommentar erklärt das wohl besser.

canus: richtig wäre canis m f Hund, canus gibt’s nicht (als Fall von canis zumindest; cānus hieße grau, betagt, ehrwürdig; graues Haar).

Ergo: Wenn die WWE da schon unbedingt den Spruch auf lateinisch bringen muss, dann doch bitte richtig…

(Sollte ich mich wo geirrt haben, traut euch ruhig, mich zu korrigieren. :mrgreen: )


Update: Um die bisherigen Ergebnisse der Experten in den Kommentaren (vielen Dank e mille grazie!) zusammenzufassen (nicht jeder Besucher wird alles durchlesen wollen…):

Richtig wäre offenbar GENIBUS NITERE, CANIS (wobei das Komma nicht zwingend ist).

Update 2: Mittlerweile hat die WWE immerhin den eindeutigen Fehler „Canus“ korrigiert, auch im WWE-Shop sind T-Shirts mit „Canis“ zu sehen.

Was verbindet Sandra Maischberger mit Panama?

Das Zwiebelfischchen-Quiz bei Spiegel Online zu Bastian Sicks neuem Büchlein „Happy Aua – Ein Bilderbuch aus dem Irrgarten der deutschen Sprache.Einfach mal durchspielen! :aufgehts:

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nicht alle Antworten richtig hatte: :mrgreen:

Sie haben 14 von 15 Punkten.

Prima, nur knapp an einer 1 mit Sternchen vorbeigeschlittert. Da haben Sie sich eine Happy Aua verdient. Also schmökern Sie ein bisschen in den „Zwiebelfischchen“ – oder machen Sie sonst etwas, wozu Sie gerade Lust haben.

Die GEZ sorgt sich um ihr Image…

…und verschlechtert es eher noch:

akademie.de wurde abgemahnt, dass sie in ihren Texten und Musterbriefen über zwanzig geläufige Begriffe wie z.B. „GEZ-Gebühren“, „PC-Gebühr“ oder „GEZ-Anmeldung“ anstelle von „gesetzliche Rundfunkgebühren“, „gesetzliche Rundfunkgebühren für neuartige Rundfunkempfangsgeräte“ bzw. „gesetzlich vorgesehene Anmeldung von zum Empfang bereit gehaltener Rundfunkgeräte“ verwendet, weil diese nur dazu dienen sollen, „ein negatives Image der GEZ hervorzurufen.“

:thumbsdown:

Ein positiveres Image erhält man also mit dieser aufgeblähten Juristen- und Bürokratensprache anstelle von geläufigen umgangssprachlichen, kurzen Begriffen – und mit einer Abmahnung mit strafbewehrter Unterlassungserklärung, mit der die GEZ das durchsetzen will? Meine Meinung sieht da anders aus…

Update: Spiegel-Online-Artikel mit einer Tabelle, wie oft Google die „falschen“ Begriffe findet.

Update 2: Heise-Artikel „GEZ rudert bei Abmahnung wegen missliebiger Begriffe vorsichtig zurück.“

Denglisch

Nichts dagegen, wenn in der Modewelt der eine oder andere Artikel englisch bezeichnet wird – Hot Pants und T-Shirt z.B. sind längst gang und gäbe, auch Gym Shorts und Long Sleeve Shirt (regular fit) kann ich noch akzeptieren.

Man kann’s aber auch übertreiben, selbst wenn es sich um die englisch klingende Designer-Marke eines deutschen Designers handelt:

2 TOWELS - 100% Baumwolle 2 PAIRS OF SNEAKER SOCKS - 2 Farben im Set

So gesehen in der Vorschau für nächste Woche bei Tchibo: „Spa and Sportswear 2007“ mit ausschließlich englischen Produktnamen (mittlerweile nicht mehr erhältlich).

Wir danken für Ihr Verständnis! [Update]

Wieso gehen so viele Firmen so oft davon aus – oder hoffen –, dass die Leute Verständnis für etwas haben, das ihnen oft Unannehmlichkeiten bereitet, aber selten auch nur annähernd hinreichend erklärt wird, um es tatsächlich zu verstehen? Sei es bei der Bahn bei Verspätungen oder Ausfällen, oder auch ganz banal bei Tchibos Schreibtisch-Ventilator (der mit elektronischen Tasten bedient wird, mithin also auch „ausgeschaltet“ etwas Saft brauchen muss):

„Bedauerlicherweise wurde uns die von Ihnen gewünschte Information zum Standby-Verbrauch des Stromes von Seiten des Lieferanten nicht mitgeteilt. Aus diesem Grund können wir Ihnen Ihre Frage nicht beantworten.

Es tut uns Leid, dass wir Ihnen keine positivere Antwort mitteilen können und danken für Ihr Verständnis.“

Nur wie soll man – selbst wenn es ihnen Leid tut – verstehen, dass sie solch eine Information nicht mal von ihrer exklusiven Hausmarke TCM bekommen?

Wer hat schon so viel Verständnis-Verständnis? „Wir bitten dies zu entschuldigen“, das wäre (hier und anderswo) eine passende Formulierung.


Update 13.8.: Sie antworten zwar nicht schnell (am 11.8. auf meine Mail vom 3.8. mit ungefähr o.a. Inhalt), aber immerhin antworteten sie – mit schönen Standardtexten: :)

„Ihr Schreiben ist ein sehr wertvoller Hinweis zur Service-Optimierung für Tchibo. Uns ist sehr daran gelegen, dass unsere Kunden gerne bei Tchibo einkaufen und sich wohl fühlen. Seien Sie versichert, dass unsere Qualitätsanforderungen ständig weiterentwickelt werden, um allen Kunden gleich bleibend hochwertige Qualität und Service bieten zu können.

Tchibo nimmt Kundenorientierung sehr ernst und ist grundsätzlich an der Meinung seiner Kunden interessiert. Durch Ihre Mithilfe werden wir auf unsere Stärken und Schwächen aufmerksam gemacht und können Sorge dafür tragen, dass Sie sich auch künftig willkommen fühlen. Selbstverständlich geben wir Ihre Kritik gerne an die zuständige Abteilung weiter.“