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Atheismus oder Anti-Wissenschaft

„Außerirdisch galaktisch“ oder unterirdisch gelackmeiert?

I Want To Believe Wer glaubt, ProSieben gibt sich mit „Uri Geller live – Ufos & Aliens: Das unglaubliche TV-Experiment“ (über das ich, wie am Sonntag angekündigt, ja auch berichten werde) zufrieden, irrt, denn Nina Hagen, nur nach eigener Aussage „übrigens halb Mensch, halb Engel“ und bereits Gast in Uris transgalaktischer Telepathie-Täuschungsshow, bekommt einen Sendeplatz für eine „Doku“ im Anschluss:

„Nina Hagens Ufo-Jagd – Auf Alien-Suche in Roswell“, am Samstag, 15. November 2008, ab 22.30 Uhr auf ProSieben (mal angenommen, der Löffelbieger und seine Aliens überziehen nicht).

In ihrem Reisegepäck: Ein Sonnenschirmchen, eine Friedens-Fahne und eine gehörige Portion Neugier.

Und eine noch gehörigere Portion Voreingenommenheit. Wäre sie wirklich neugierig, würde sie sich auch für die Gegenargumente interessieren – aber damit lockte sie ja keinen Zielgruppen-Hund hinter dem ProSieben-Ofen hervor.

Gab es 1947 tatsächlich einen Alien-Crash? Hatte die US-amerikanische Luftwaffe wirklich ein „unbekanntes Flugobjekt“ in ihrem Besitz? Und wurde anschließend alles von der Regierung vertuscht?

Die skeptisch–vernünftige Antwort lautet natürlich 3x nein. Aber wen befragt die schrille Berlinerin?

Antworten auf ihre Fragen geben ihr Atomphysiker, Ufo-Autoren, Besucher des gerade stattfindenden Ufo-Festivals und ein Mann, der von sich behauptet, halb Mensch, halb Alien zu sein.

Was einen Atomphysiker zu einer Alien-Antwort qualifiziert? Ist doch klar: Dass er, Stanton Friedman, ein Buch darüber geschrieben hat und…

… offen zugibt:

„Ich bin neidisch auf Nina, weil ich noch nie einem Ufo begegnet bin. Seit 50 Jahren untersuche ich Beweise für fliegende Untertassen. Es liegen nämlich überwältigende Beweise vor, dass die Erde von außerirdischen Raumschiffen besucht wird.“

Nina Hagen „Beweise“? Das darf bezweifelt werden. „Beweise“ höchstens für diejenigen, die unbedingt glauben wollen und echte Beweise oder kritische, plausiblere Erklärungen schon fast zwanghaft ignorieren. Was sicher auch auf die anderen oben aufgezählten Befragten zutrifft, inklusive der „Dokumentierenden“ selbst, die über ihre eigene „UFO-Begegnung“ berichtet:

„Damals habe ich in Malibu gewohnt, als ich mitten in der Nacht ein Ufo sah. Ich war völlig geflasht.

Vorher oder nachher?

Wunderschöne Lichter strahlten mich an, ich hatte nicht die mindeste Angst, herrliche Energie hat mich überwältigt. Drei Wesen standen in dem Ufo, aber keins davon hat sich bewegt. Es war eine überwältigende Erfahrung.“

Andere Leute nennen sowas entweder (Drogen-)Rausch – ich will Nina hier jetzt nichts Illegales unterstellen, aber objektiv gesehen kann man es ja nicht ausschließen –, Traum oder hypnagoge/hypnopompe Halluzinationen. Zitat GWUP:

Diese Halluzinationen haben mit gewöhnlichen Träumen nichts zu tun, sie scheinen meist völlig realistisch, und die Betroffenen sind von der Wirklichkeit ihrer Erinnerung absolut überzeugt. Auch viele Berichte von Menschen, die sich an eine Entführung durch UFO-Wesen erinnern, haben alle Merkmale, die für solche hypnagoge oder hypnopompen Zustände charakteristisch sind.

Was wird am Ende in dieser Sendung übrigbleiben? Mit Sicherheit keine objetive Dokumentation. In Anlehnung an Ninas Kommentar zu dem Halb-Mensch-halb-Alien-Mann würde ich sagen: Der Zuschauer wird absolut manipuliert. Ganz böse Geschichte.


Linktips:


Hagen-Foto © Tomasz Sienicki / Wikipedia

Uri Geller live, drei „Aliens“ und keine UFOs

Dies ist nur der Vorbericht zur Sendung.
» Zum Live-Bericht hier klicken!

Das ist es jedenfalls, was ich bei der Sendung „Uri Geller live – Ufos & Aliens: Das unglaubliche TV-Experiment“ am Samstag, 15. November 2008, ab 20.15 Uhr auf ProSieben erwarte. Sind doch die Gäste in gewisser Weise tatsächlich drei „Aliens“:

Nun denn, wie bei den Zaubershows mit Geller-Gequassel namens „The Next Uri Geller“ werde ich mir dieses Machwerk antun (und hoffentlich aushalten) und quasi live darüber berichten (oder zumindest kurz nach der Show meinen irdischen Senf dazugeben, evtl. mit Zwischenberichten). Wobei ich nicht der einzige bin, auch Uwe, der „The Next Uri Geller“ grandios kommentiert hatte, will live darüber nörgeln.

ProSieben schreibt u.a. über diese Sendung:

Uri Geller zweifelt nicht an der Existenz von Außerirdischen:
„Mein Leben lang glaube ich an Ufos und Aliens. Jeder sollte einmal in einer sternenklaren Nacht in den Himmel schauen und sich fragen: Ist es wirklich möglich, dass wir allein sind? Ich denke, das kann niemand sagen.“

Nur vergisst der Oberlöffelbieger, zwischen außerirdischem Leben irgendwo im All und tatsächlichen Besuchen hier auf der Erde zu unterscheiden – er denkt wohl, das ist alles gleich „um die Ecke“ und schnell zu erreichen.

Siehe dazu auch: » Beweis- und Glaubensfragen und die eigenwillige Gedankenwelt eines Uri Geller.

Mit einem einmaligen Experiment will er versuchen, Kontakt aufzunehmen

Nullmalig wäre besser – denn das wird sicher kein Experiment, das diesen Namen verdient, sondern die nächste Geller’sche Volksverdummung. Mit Millionenpublikum. Wo „The Next Uri Geller“ noch die Zaubertricks der Kandidaten leidlich unterhaltsam waren, kann das hier doch nur eine „Freak-Show“ werden…

Gemeinsam mit den Zuschauern wird der weltberühmte Mystifier Nachrichten über ein Radioteleskop ins All schicken. Was wird als Antwort zurückkommen?

Nichts. Auf keinen Fall in den nächsten Jahren. Alles andere kann nur getrickst sein. In der TV DIGITAL steht zu diesem Problemchen (Hervorhebung von mir):

1974 schickte der Astrophysiker Frank Drake in Arecibo eine Botschaft in Richtung des Sternenhaufens M 13. Sie kommt dort allerdings erst in 20000 Lichtjahren[sic!] an. Weil Uri Geller aber nicht so lange warten möchte, wird er in der Show neben Radiowellen auch auf ein anderes Mittel setzen: „Ich brauche die Hilfe der Zuschauer“, sagt der in England lebende Mentalist. „Mit der kollektiven Kraft unserer Gedanken können wir den Kontakt herstellen. Das wurde noch nie versucht.“

Noch nie versucht? Geller hat sich nach so langer Zeit tatsächlich einen neuen Trick einfallen lassen?? Ein Wunder! Aber wahrscheinlich besteht das Neue nur darin, dass diesmal angebliche Außerirdische anstelle von Menschen die angeblichen Telepathie-Empfänger und -Sender sind.

Aber egal, wie sie das inszenieren, ich hatte ja schon im September die wahren Grüße der Aliens empfangen – Raumzeit-Schleifen sei Dank. ;)

Lassen wir zum Schluss Erich von Däniken zu Wort kommen (aus dem Interview in der TV DIGITAL):

Sie glauben wie Uri Geller an die Existenz Außerirdischer. Wann können wir Aliens treffen?
„Die Maya in Zentralamerika haben für die Wiederkunft ihrer Götter, also der Außerirdischen, ein Datum angegeben. Glaubt man dem Kalender, dann wäre es der 21. Dezember 2012. Aber man muss das Datum umrechnen auf unseren Kalender. Eine sehr unsichere Geschichte.“
Was für ein Glück für Sie, sonst könnte man Sie womöglich festnageln, oder?
„Ja, und dann sagen alle: Ätschbätsch!“

Ätschbätsch! Das können auch die alle sagen, wenn sie wieder Leute gefunden haben, die ihren Stuss glauben…

Dies ist nur der Vorbericht zur Sendung.
» Zum Live-Bericht hier klicken!

Die längste Zeile eines Liedtextes (und ein gutes Lied)

58 Wörter in einer Zeile sind schon ’ne Menge, oder? Das sieht dann (mit der Zeile davor, die nach „single“ endet) so aus:

And if anyone can show me just one example in the history of the world of a single
Spiritual or religious person who has been able to prove either logically or empirically the existence of a higher power that has any consciousness or interest in the human race or ability to punish or reward humans for there moral choices or that there is any reason – other than fear – to believe in any version of an afterlife

Und der Inhalt ist, wie man sieht, auch gut :mrgreen: – es handelt sich um „If You Open Your Mind Too Much Your Brain Will Fall Out (Take My Wife)“ von Tim Minchin, hier das Video:

Auf seiner offiziellen Seite kann man auch die MP3-Datei dazu (und zu ein paar anderen Songs) anhören und runterladen. Der volle Text findet sich im Netz z.B. hier.

(via GWUP-Blog)

Links der Woche (2008/42)

Sooo viel Wohlbefinden…

Gesicht mit Blumen Die hiesigen wöchentlichen Anzeigenblätter übertreiben’s mal wieder: Im Bayrischen Taferl sind gleich vier Seiten „Wohlbefinden für Körper, Geist und Seele“, dabei zum Glück auch vernünftige medizinische Themen, Massage, Selbstverteidigung u.a., eine knappe Seite davon belegt aber das Thema „Warum zum Heilpraktiker?“, das vor unreflektierter Glaubensmedizin nur so strotzt.

IZ Regional alias Pfaffenhofener Anzeiger hat nur eine Seite „Wir sorgen für Ihr Wohlbefinden“, die aber fast ganz dem zweifelhaften Thema Magnetfeldtherapie gewidmet ist. Da muss man die Zeitungen ja schon loben, „Wohlbefinden“ statt „Wellness“ zu schreiben.

Um etwas Abwechslung in meine Anti-Esoterik-Beiträge zu bringen, zitiere ich diesmal den von der „Heilpraktiker-Initiative Landkreis Pfaffenhofen“ stammenden Originaltext von „Warum zum Heilpraktiker?“ (bzw. einen Teil davon), dargestellt in kursiv und orange, und ergänze ihn durch Teile (in schwarz), die meines Erachtens eventuell fehlen könnten oder die man satirischerweise aus Sicht der Eso-Heilpraktiker hinzufügen kann. ;) Ich will dabei natürlich niemandem direkt etwas unterstellen oder alle mit der Berufsbezeichnung Heilpraktiker über einen Kamm scheren, es gibt hier halt wie so oft solche und solche…

Anamnese,

d.h. die Erinnerung (so die griechische Bedeutung) daran, was wir den Patienten am besten erzählen können.

Ein ausführliches Erstgespräch über die aktuelle gesundheitliche Situation, sowie über vergangene und durchgemachte Krankheiten geht jeder Therapie voraus. Es käme ja auch blöd, dem Patienten ohne jede Begründung irgendwas Beliebiges zu geben. Und vielleicht finden wir so ja etwas, das wir als Grund fürs aktuelle Leiden hernehmen können. Von großer Bedeutung sind die persönlichen Lebensumstände und die Konstitution des einzelnen Patienten. (Oder sollte das statt Konstitution nicht besser Kontosituation heißen?) Mit einbezogen werden sämtliche Befunde und Laborwerte, letztere einbezogen in den Shredder, denn was kümmern uns schulmedizinische Labore?

Im Anschluss daran folgt die naturheilkundliche Diagnose-er-findung, z.B. durch die Augen- und Antlitzdiagnose, die Ohrenschmalz- und Popel-Probe und die Pickel-Prüfung, bei attraktiven Patientinnen gern auch eine Kuss-Kontrolle, Elektroakupunktur, weil manchen Patienten Apparate lieber sind als ein Homöopathiekatalog, auch wenn dabei nichts anderes geschieht, bzw. in der klassisch homöopathischen Therapie die Arzneimittelfindung nach dem Ähnlichkeitsprinzip. Also dünne gelbe Pillen für schlanke Blondinen, glatte Kügelchen für dicke Glatzköpfe etc. Basierend hierauf folgt ein individuell auf den Patienten zugeschnittenes Behandlungskonzept, oder er denkt das nach den langen Vorgesprächen zumindest – ich meine, wenn sogar Zeitungshoroskope es schaffen, die Leute zu überzeugen, muss das hier ja erst recht funktionieren.

Therapieformen

Blutegel-Zeichnung Je nach Schwerpunkt des Therapeuten hat der Patient die Wahl der Behandlungs– und Back-form, beginnend bei den klassischen – man könnte auch sagen: veralteten – Naturheilverfahren wie Blutegel-Therapie, wenn wir keine Lust haben, selber zu Skalpell oder Nadel zu greifen, Schröpfen (ein Schelm, wer dabei ans finanzielle Schröpfen denkt) und Aderlass, denn die Ärzte im Mittelalter wussten natürlich mehr über Medizin als alle heutigen Schulmediziner, über Reflexzonen- und Anwohnerparkzonen- und Ernährungstherapie (auch Fressorgie genannt) bis hin zur Homöopathie (oft erwähnen, sie ist beliebt!) und der Pflanzenheilkunde, denn wenn es den Zimmerpflanzen des Patienten gut geht, hilft ihm das selbst am besten. Selbstverständlich ist auch die Gesundheitsvorsorge in der Naturheilpraxis ein fester Bestandteil. Und sorgt dafür, dass die lieben zahlungskräftigen Kunden wiederkommen.

Ganzheitlicher Ansatz

Ganzheitlich ist wichtig! Mindestens in jedem dritten Satz verwenden!

Der Heilpraktiker leistet einen sehr hohen Beitrag zur Therapievielfalt, indem er die Behandlungsmöglichkeiten durch das große Spektrum naturheilkundlicher Methoden bereichert. Jeder neue Eso-Heilpraktiker sollte mindestens zwei neue Therapieformen erfinden, je ausgefallener und mystischer desto besser. Es wäre doch langweilig, immer nur dasselbe zu hören, und wenn ein Patient merkt, dass eine Methode doch nicht wirkt, gibt es eben genügend andere. Durch diese werden die Abwehrkräfte genutzt und das immense Selbstheilungspotential im Zusammenspiel mit Körper, Geist und Seele aktiviert. Dadurch ist es dann egal, ob eure Apparätchen, Zuckerkügelchen oder Berührungchen überhaupt eine echte Wirkung haben. Schlau eingefädelt, oder?

;)


Linktips:


Foto: Sergii Shalimov – Fotolia.com; Zeichnung: Meyers Konversationslexikon von 1888 / Wikipedia