Monatsarchiv:

Februar 2008

Gretchenfrage, Gotteswahn, Gestirne, Gehirn und Geist

betendes Mädchen In diesem Beitrag geht es zum einem um die Blog-Parade alias Blogkarneval des Misanthropen zur ursprünglichen Gretchenfrage

Gretchen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“
(Faust, Teil I, Vers 3415)

Ist natürlich ein Thema, über das sich trefflich diskutieren und leider auch streiten lässt und das schon zu viel zu vielen Glaubenskriegen geführt hat. Hoffen wir, dass z.B. die Kommentare bei Konnas zufälligerweise passendem Beitrag nicht dahingehend ausarten. ;)

Wie’s hier mitunter schon angeklungen ist, bin ich Atheist. Ich hab natürlich nichts dagegen, wenn andere glauben, solange sie mich und andere nicht aktiv zu missionieren suchen oder ernsthaft schaden oder gar, wie im Falle mancher Fundamentalisten, für den Nicht- oder Andersglauben bestrafen wollen, und die Verbreitung von zuviel antiwissenschaftlichen Unsinn à la Kreationismus gefällt mir auch nicht…

Ich brauche keinen Gott, keinen Himmel (im religiösen Sinne) und schon gar keine Kirche; auch nicht, um einen „Sinn des Lebens“ zu finden… was für mich der Sinn des Lebens ist? Kurzgefasste Antwort: Das Leben! (Und das meine ich nicht nur egoistisch.)

Nun mögen manche – wie z.B. Wu-Lan-Tong – anführen:

„Aber glauben Atheisten nicht auch?
Sie glauben an nichts, sagen sie.
Auch das ist ein Glaube, sage ich.“

Das sehe ich nicht so. Gläubige „müssen“ etwas glauben – an die Existenz einer höheren Macht, an Wunder oder andere Erscheinungen, denn diese Betrachtung lässt sich auch in Richtung des Paranormalen und diverser vermeintlich übernatürlicher Phänomene ausdehnen –, das sich rationalem, wissenschaflichem Zugang verwehrt. Atheisten – und, bei erwähnter thematischer Ausdehnung, Skeptiker – können von der Vernunftseite her, ganz pragmatisch, einfach auf die Annahme von bzw. den Glauben an solche „übernatürliche“ Elemente verzichten, denn es gibt eben einfachere, stimmigere Erklärungen.

Wenn man dieses Vertrauen in die wissenschaftliche Sichtweise als „Glaube“ bezeichnen will, muss man schon eine sehr weitgefasste Definition dieses Wortes nehmen, die von dem Glauben, der die Grundlage von Religion bildet, lichtjahreweit entfernt ist; eine Vermischung dieser Begriffe führt eigentlich zwangsläufig zu Missverständnissen.

Siehe dazu auch Phil Plaits ausführliche Erklärung „Is science faith-based?“ – man braucht lediglich die simple Annahme, dass das Uniwersum einem Satz Regeln gehorcht (und dass man auf diese durch Beobachtung schließen kann) – und die langen Diskussionen dazu…

Über die (Nicht-)Beweisbarkeit von Phänomenen – und die Probleme damit – (und ein paar andere Dinge) hatte ich mich ja auch schon anhand des Uri-Geller-Interviews auf ProSieben.de ausgelassen: „Ich glaube, dass wir von anderen Planeten hierher gebracht wurden“ – Beweis- und Glaubensfragen und die eigenwillige Gedankenwelt eines Uri Geller.

Als letztes (im ersten Teil dieses Beitrags) sei noch die kleine Umfrage, die ich im letzten Herbst hier in der Sidebar hatte, erwähnt, deren 42 Teilnehmer folgendermaßen abgestimmt hatten:

Ergebnis der Umfrage "Glauben Sie an Gott?"


Tierkreis Kommen wir zu den anderen drei G des Titels – dem Thema Astrologie, gewissermaßen auch als Beispiel für einen Aberglauben, wovon ich persönlich „natürlich“ auch nichts halte. Die Zeitschrift Gehirn & Geist hatte eine Umfrage laufen (die ich im Dezember in meinen Links der Woche erwähnt hatte) zum Thema „Was halten Sie von der Macht der Sterne?“464 Teilnehmer fanden sich, und immerhin 35% glauben, Sternzeichen würden zumindest ein wenig über Menschen aussagen. Das ganze Ergebnis kann man hier anschauen bzw. herunterladen.

Der dazugehörige Artikel „Die Kunst der Sterndeuter“ ist (komplett) als kostenlose Leseprobe verfügbar. Zwei Zitate daraus möchte ich hier anführen:

„Der Australier Geoffrey Dean, der auf Grund ernüchternder Befunde seine astrologische Tätigkeit aufgab, analysierte bis heute mehr als 50 […] Zuordnungsstudien. Sein Fazit: Seine Exkollegen können ein Horoskop, das anhand exakter Geburtsdaten erstellt wurde, einem Persönlichkeitsprofil oder einer Fallgeschichte nicht besser zuordnen als ein Zufallsgenerator.“

(Hervorhebug von mir.) Dass sich außerdem so viele Leute von Zeitungshoroskopen – die nicht mal auf exakten Geburtsdaten basieren (können) – angesprochen fühlen, liegt natürlich daran, wie diese formuliert sind:

Die Tricks der Profis
Wie gelingt es Zeitungsastrologen, dass sich so viele Leser in ihren Kurztexten wiederfinden? Die Germanistin Katja Furthmann identifizierte 2006 in ihrer Doktorarbeit sieben sprachliche Kunstgriffe:

  1. erschöpfende Themenpräsentation, zum Beispiel indem Gegensätze verbunden werden
  2. Gebrauch abstrakter Begriffe wie Chance, Problem …
  3. relative und mehrdeutige Formulierungen
  4. Integration zeitloser Wahrheiten
  5. Anschaulichkeit durch bildhafte Formulierungen
  6. astrologisches Fachvokabular
  7. Inszenierung von Nähe und emotionaler Beteiligung.

Furthmann, K.: Die Sterne lügen nicht. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2006

Ebenso lesenswert ist natürlich auch die Themenseite der GWUP. Und ein kurzer Link zu meinem Beitrag über einen Zeitschriftenartikel über Wahrsagen im TV sei auch noch angeführt.

Bruno der Starke und die magische Treppe

Urban 1
Urban 2

Es war einmal, im Jahre Zweitausendundsieben nach der Zeitenwende inmitten der Kreisstadt die da genannt wurde Pfaffenhofen an der Ilm, ein urbaner Kaufhausbesitzer, der hatte einen Plan ersonnen, sein Kaufhaus ein wenig auszubauen und zugleich für mehr Bequemlichkeit für seine geschätzten Kunden zu sorgen, alldieweil diese nur vom Erdgeschoß in die Etage darüber auf einer magischen, sich selbst bewegenden Treppe, landläufig genannt „Rolltreppe“, gebracht werden konnten, sich hingegen in das zweite Obergeschoß aus eigener Kraft begeben mußten.

Kran Darob begab es sich also an einem lauen Spätwinter- oder Vorfrühlingstage (die Chronisten sind sich hierbei uneins) des Folgejahres, daß dieser Kaufhausbesitzer vorübergehend gar auf seine herzinnig geliebte Fläche verzichtete, die da gedacht war zum Abstellen der Kutschen seiner Kunden während deren hoffentlich einträglichen Aufenthaltes in nämlichem Kaufhaus (und ausschließlich während dieses Aufenthaltes, andere Nutzung des Platzes erweckte keinerlei Wohlgefallen). Denn ebendiese Fläche wurde benötigt als Platz für Bruno den Starken aus der Familie derer von Liebherr, ohne den dies Unterfangen aussichtslos erschien, und seine Equipage.

Rolltreppe Denn wisset, solche magischen, sich selbst bewegenden Treppen wachsen nicht von alleine an Ort und Stelle, sondern werden weitab entfernt herangezüchtet und in ausgewachsener Form auf speziellen langen und flachen Kutschen herbeitransportiert, die da genannt werden Tieflader.

Kran lang Alsdann kam frühmorgens besagter Bruno der Starke herangerollt und verschaffte sich mit seinen kräftigen Tatzen zuvörderst einen festen Halt auf dem Boden.

Wohlan, sprach Bruno, ich bin bereit, lasset die Treppe kommen! Und alsbald kam sie. Und Bruno griff sie mit seinen langen Fingern, streckte sich gar weit und hob sie auf das Zwischendach, von woselbst sie, nachdem die Menschen ihr Staunen ob seiner Kraft und Geschicklichkeit überwunden hatten, in das Gebäude hinein befördert und befestigt wurde, auf daß sie fürderhin viele Kunden bequemlich nach oben bringen möge.

Kran fährt weg Nach getaner Arbeit schritt Bruno der Starke fürbaß von dannen, auf zu seiner nächsten Aufgabe, wo ihm gewiß erneut große Aufmerksamkeit zuteil sein würde.

 


Alle Originalfotos (und ein paar mehr) finden sich in meiner Pfaffenhofen-Galerie.

Bilderräddsel 9

Ich hoffe doch, dieses Mal ist es nicht so schwer wie letzte Woche – wenn doch, werd ich natürlich nach und nach helfen (aber erwartet bitte keine Antworten in Minutenschnelle) und ggf. einen größeren Ausschnitt zeigen. Also:

Wovon ist dieser Ausschnitt?

Bilderrätsel 9

Nach einem größeren Ausschnitt (siehe Kommentare) gelöst von Dee: :clap:

Ein Autokran (bzw. dessen nicht ausgefahrener Teleskop-Ausleger):

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Umfrage „Spiele“ beendet

Meine kleine Umfrage zum Thema „Spielst du Computer-/Konsolenspiele – und womit?“ hier rechts in der Sidebar habe ich kürzlich für beendet erklärt – es hatten 47 Leute teilgenommen, davon drei mit Mehrfachauswahl, sodass es am Ende 51 Stimmen waren. Hier das Ergebnis:

Umfrage-Ergebnis Spiele

Eine neue Umfrage gibt’s vorerst nicht, mir wollte nix gscheits einfallen, und so ist die Sidebar auch etwas aufgeräumter…

Anghelas Freundin Galina

Meine Stammleser werden sich vielleicht noch an die mit lustigem Ergebnis maschinell übersetzte Scam-Mail-Serie mit „Anghela“ erinnern – aber Anghela ist natürlich nicht allein. Und auch diese lange Mail, die genauso versucht, von Leichtgläubigen vermeintliche Reisekosten zu ergaunern oder sie zur Geldwäsche zu benutzen, ging mit leichten Abweichungen und mehreren Mail-Adressen massenweise heraus – hier der passende Thread im Antispam-Forum, und exemplarisch hier auch lustig kommentiert.


Hallo!!!!!!!!

Wie schrieb Terry Pratchett so schön? Mehrfache Ausrufezeichen sind ein sicheres Zeichen für einen kranken Geist. Hier eher krankhaft kriminell. „uber meinen Brief verwundere sich bitte nicht! Ich sah deinen account auf der Web-Seite der Bekanntschaften. Diese Web-Seite heisst „FreundScout24“ oder „Meetic“.“ Wo jetzt? Kannst du dir das nicht merken? Kranker Geist, hm?

„Du hast dort die Registrierung?“ Ich dachte, du hast mich dort gesehen – wieso dann die Frage?

Moglich konnen wir die praechtigen Beziehungen schaffen. Eine prächtige Beziehung zu Umlauten hast du schon mal nicht. „Ich will dass du mich verstehst. Ich werde mich bemuhen, richtig auf deutsch zu schreiben.“ Wieso hast du dann nicht vor dieser Mail bemuuuuh–, äh, bemüht? Der erste Eindruck ist oft entscheidend! Ich denke dass du Mann mit dem ich bist ich kann glucklich sein. Ich denke dass du lassen solltest du dir geben dein zurück Schulgeld: „Du verstehst meinen deutsch? Ich studierte deutsch in der Schule und das College.“
:klugscheisser:

„Ich rege auf mich wenn ich diesen Brief fur dich schreibe.“ Und ich rege mich auf, wenn ich Spam erhalte. Naja, über solchen wie deinen kann man sich wenigstens noch lustig machen… Ich werde sehr sehr deine Antwort warten. Ach, du auch? Anghela hat sich ja auch schon um Mail-Wartung bemüht.

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