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Musik

Projekt Hörsturz 16 – Soundtracks

Projekt Hörsturz Eine neue Sonderrunde im „Projekt Hörsturz“, bei dem die Teilnehmer alle zwei Wochen mindestens fünf Songs anhören und bewerten – diesmal geht’s um Soundtrack-Songs aus Filmen oder Computerspielen.

Stellt sich die Frage, wie sehr man die Videos beachten soll, die ja Filmszenen enthalten dürften. Ich denke, bei den „richtigen“ Liedern werde ich sie am besten wie bisher für die Bewertung auf jeden Fall ignorieren. Und ich frag mich schon, wie ich die „Nicht-Lieder“, also Score- oder vergleichbare Ausschnitte behandeln soll…

  • Radiohead – Exit Music (For a film) (von Herr Lutz – Romeo und Julia)
    Exit Music am Anfang? Wie unpassend. Hoffentlich bietet sie trotzdem einen guten Einstieg in diese Runde. Sieht aber schlecht aus, denn so ein zwar gefühlvolles, doch langatmig-trauriges Lied, während die Sonne ins Zimmer scheint? Ah, mit der Zeit wird’s noch kraftvoller und abwechslungsreicher. Insgesamt doch ein mehr als gediegener Anfang.
    3½ von 5 Sternen 3½ Romeos
  • Mark Morgan – Acolytes of the New God (von Guldhan – Fallout 1)
    Eine zum Spiel passende düstere, getragene Atmosphäre wird mit Glocken und raschelnden Rasseln schon mal aufgebaut. Dazu ein paar quasigregorianische Chöre. Nach der Hälfte frag ich mich aber so langsam, ob da doch noch mehr Abwechslung kommt… und muss mir leider antworten: kaum. Mag zur richtigen Spielszene wirklich gut passen, aber die gibt’s im Video leider nicht.
    1½ von 5 Sternen 1½ zu weit entfernte Atmosphären
  • Sad Brad Smith – Help Yourself (von Steve – Up In The Air)
    Aha, wir beginnen mit altmodischem Geklampfe – das klingt jetzt negativer, als es gemeint ist – und Gesang. Nett. Wie viele Stimmen singen da übereinander, oder ist das nur ein Hall-Effekt? Egal. Hat jedenfalls was. Auch wenn auch dieses Lied für den Sonnenschein etwas zu traurig klingt.
    3½ von 5 Sternen 3½ Abgehobene
  • Keane – Everybody’s Changing (von endgueltig – Keinohrhasen)
    Britpop, oder? Och nö, der singt ja auch so weinerlich. Gibt’s denn hier keine Filme (bzw. Filmsongs) mit besserer Stimmung? Okay, die Weinerlichkeit geht in eine weichgespülte Radio-Beliebigkeit über. Gähn.
    1 von 5 Sternen 1 langgezogenes Kinn
  • Sigmund Groven – Reodors Ballade (von Postpunk – Flåklypa Grand Prix)
    Flåklypa wird ja wohl nicht skandinavisch für Chanson sein – ihr wisst schon, der früher übliche Name für dieses Eurovision-Song-Dingens. Nun, offenbar nicht, denn hier geht’s ganz ohne Gesang orchestral zu. Und natürlich balladisch, sonst wäre der Titel unpassend. Und, oh Wunder, nicht traurig. Das werden zwar keine Filmszenen im Video sein, aber da wäre ich jetzt auch gerne…
    3½ von 5 Sternen 3½ Sonnenuntergänge

Damit wäre die Pflicht erledigt – mit einem Schnitt von 2,6 ziemlich im Mittelfeld. Weiter zur Kür, den optionalen Songs, die ich nur kurz bewerten werde:

Macht einen erstaunlichen Schnitt von 3,92 für die Bonussongs bzw. 3,53 insgesamt.

Als Vorschlag fürs nächste Mal greife ich den von Runde 7 wieder auf – jetzt findet er ja auf jeden Fall zumindest in den Bonussongs etwas Beachtung –, und wie ich damals schon sagte, es ist etwas Unbekanntes von einem sehr Bekannten: „Yellow Breezes (Demo)“ von Freddie Mercury.
Da bin ich mal auf die Reaktionen gespannt. :mrgreen:

Links und Videos der Woche (2010/09)

Abwechslung

Es gibt Musiker, die kann man schwer in eine Genre-Schublade stecken (wenn man sowas denn tun will). Imogen Heap ist so eine. Irgendjemand hat sie irgendwo als „Indie Rock“ klassifiziert, was dazu geführt hat, dass ihr gestriges Konzert in München (Ampere/Muffatwerk) in den Veranstaltungshinweisen auf Rockantenne enthalten war und die Frühschicht-Moderatoren zu erkennen geben durften, dass sie nicht mal mit dem Vornamen was anzufangen bzw. ihn auszusprechen wissen… (/ˈɪmədʒɨn/1 – die Baldur’s-Gate-Veteranen werden sich erinnern^^). Die englische Wikipedia bemüht da fünf Genres: Electronica, Alternative, Indie, Pop, Ambient.

Aber solche Schubladen sind Schall und Rauch, denn am Ende entscheidet die Musik, die Performance und ob es einem gefällt – und das war bei mir gestern definitiv der Fall. Es muss ja nicht immer Metal sein. ;) Fast schon eine familiäre Atmosphäre in diesem Club mit geschätzten 200 Gästen, kam zuerst Trouble Over Tokyo, trotz des Namens ein britischer Solo-Künstler, der teils mit Akustikgitarre, teils mit elektronisch vorbereiteter Begleitung und vor allem einer enormen Stimme begeisterte (und etwas affektierter Gestik), und Back Ted N-Ted, der sich und seine Gitarre gerne selbst live als Begleitung loopt; er war dann später auch bei manchen Songs von Imogen mit dabei.

Imogen Heap Imogen Heap

(Die Fotos sind in typisch miserabler iPhone-Qualität, da ich keine richtige Kamera dabei hatte – bei Flickr gibt’s bessere z.B. aus Manchester.)

Tja, wie soll ich das jetzt beschreiben? Unkonventionell, vielseitig, faszinierend, skurril, eigensinnig, gefühlvoll, unterhaltsam, grandios – 16 Songs (und trotzdem länger als Lacuna Coil) von einfachem Piano über Geigen bis zu unheimlichen Klangteppichen oder furios-rockiger Instrumentierung war alles dabei. Auch mal Glöckchen, ein Gong oder so ein Spielzeug-Plastikrohr, das beim Drehen Geräusche erzeugt… Und natürlich Imogens fantastische Stimme.

Imogen wechselte dabei auch gerne vom Synthesizer links zur Bühnenfront oder zum kleinen Schlagzeug, und nach ein paar Takten übergab sie dieses dem anderen Mädel, das eben noch an der Geige gezupft hat, um selber zum gläsernen Pseudoflügel (ein Keyboard mit großem Leerraum) zurückzukehren…

:music: Auf jeden Fall ein großartiger, unterhaltsamer Konzertabend, der wohl jedem Anwesenden Spaß gemacht haben dürfte.

» Anhören bei last.fm
» Aktuelle Live-Videos bei Youtube
» Und hier spricht sie über ihre Musik und das aktuelle Album Ellipse:

  1. oder [‚ɪ.moʊ.dʒən] in der deutschen Wikipedia, aber Hauptsache auf der ersten Silbe betont ↺

Musik-Quiz 84

Musik-Quiz Willkommen zum heutigen Rätselnachmittag, und heute gibt’s endlich wieder ein Julia’sches Liedzeilenquiz, d.h. es werden ein paar Textzeilen gesucht (und natürlich auch Lied und Künstler), die mit einigen Tips beschrieben werden, die ich nacheinander in Abständen von ca. 15 Minuten geben werde. Fragen in den Kommentaren werden natürlich auch beantwortet.

  1. Gewissensfragen für zwei Ziele und eine Flucht sind das Thema der heute gesuchten vier Zeilen.
  2. (16:20) Hoffentlich wird einem angesichts des Liedtitels nicht schwindlig.
  3. (16:34) Der Bandleader ist auch aus einem anderen Beruf träumerisch bekannt.
  4. (16:50) Es gibt auch eine alternative Version des Lieds, in der eine Himmelsrichtung eine Rolle spielt.
  5. (17:11) Der ungewöhnliche Bandname hat sogar etwas Wissenschafliches.
  6. (17:33) Gewisse Probleme mit der alten Plattenfirma spiegeln sich auch im Albumtitel wider.
  7. (17:51) Die angesprochene Flucht findet vor einem heftigen Wetterereignis statt, das auch den Liedtitel ziert.
  8. (18:17) Welche Bands haben eigentlich sonst noch eine Zeitangabe im Namen?

Gelöst von Yjgalla: „Hurricane“ von 30 Seconds To Mars vom aktuellen Album This Is War (Album-Version, Version mit Kanye West – die „Himmelsrichtung“ –, Text) mit den Zeilen

Tell me would you kill to save a life?
Tell me would you kill to prove you’re right?
Crash, crash, burn let it all burn
This hurricane’s chasing us all underground

Zum Bandnamen sagt Wikipedia:

Der Bandname ist nach Aussage von Jared Leto einer Kapitelüberschrift aus dem Thesenpapier eines früheren Harvard-Professors entnommen. Hierin setzte sich der Verfasser mit dem exponentiellen technischem Wachstum und deren Bezug zur Menschheit auseinander, nach welchen wir uns – theoretisch gesehen – nur dreißig Sekunden vom Mars entfernt befinden.

Jared Leto, Sänger und Gitarrist, ist auch Schauspieler und u.a. aus Requiem for a Dream bekannt – daher das „träumerisch“ in Tip 3.

Danke fürs Mitmachen und bis nächsten Dienstag…

 


Foto: Jason Stitt – Fotolia.com

Englisch lernen mit Queen-Songs (4)

Q Diese kleine Serie hab ich schon viel zu sehr vernachlässigt – höchste Zeit also für einen neuen Beitrag, auch wenn es mal wieder kein eigentlicher Queen-Song ist, sondern ein Solo-Stück von Queen-Drummer Roger Taylor namens „Dear Mr Murdoch“. Und natürlich geht es darin um den „Medienmogul“ Rupert Murdoch, der auch derzeit einen Streit mit Google anzettelt, weil ihm Geld natürlich wichtiger ist als die Gepflogenheiten im Internet…

Hier ein Fan-Standbild-Video mit eingeblendetem Text, und separat gibt’s den Text z.B. hier bei LyricWiki1:

Es folgt wie üblich eine Auswahl an Textzeilen mit Vokabeln. Anmerkungen, Korrekturen und Verbesserungsvorschläge sind natürlich immer willkommen.

dear mr murdoch, what have you done
with your news of the screws and your soaraway sun?

News of the World ist ein sonntägliches Boulevardblatt, das sich durch seine Vorlieben für Sexskandale die Spitznamen „News of the Screws“ und „Screws of the World“ verdient hat (eine Bedeutung von to screw ist ja die Ausübung des Geschlechtsverkehrs2).

Das andere berühmt-berüchtigte Blatt ist natürlich The Sun, und Soaraway Sun ist eine häufiger zu findende Bezeichnung dafür, offenbar bezogen auf ihren rasanten Popularitätsaufstieg (to soar: aufsteigen, steil ansteigen; also hier wohl: der Konkurrenz davonfliegen) in den 1970/80ern, nachdem Murdoch sie übernommen und, äh, qualitativ etwas Richtung Boulevard geschoben hat.

how many time must they poke and they pry

to poke: stochern, stecken, stoßen, stöbern
to pry: spähen, neugierig sein; to pry open: aufbrechen

just to add to the grime they even screwed up the times

grime: Schmutz, (Ruß)
Und ich vermute mal stark, dass hier auch die renommierte Times gemeint ist, an der die Konkurrenz nicht spurlos vorübergegangen ist.

dear mr murdoch you play hard to see
but with your bare-arsed cheek you should be on page three

to play hard to get: sich rar machen, sich zieren; …to see ist wohl ähnlich gemeint, in Richtung Versteckspielen. Muss sich ja reimen… Auf Seite 3 finden sich in der Sun die nackten Mädels, die in so einem Blatt ja irgendwie Pflicht sind.

and dear mr murdoch you’re really the pits

sth./sb. is the pits: etw./jmd. ist das Letzte, ist übel (pit: Grube)

they go straight for the lowest common denominators
how could they fail? go straight to jail – (no bail)!

lowest common denominator: kleinster gemeinsamer Nenner
bail: Kaution (gegen Kaution freilassen)

you control half our media whose values don’t scan

scan: v.t. absuchen, abtasten, prüfen, überfliegen, …; v.i. Sinn ergeben, (das richtige Versmaß haben)

with your minions like vultures and carrion crow

minion: Lakai, Ergebener, Speichellecker
vulture: Geier, Aasgeier
carrion crow: Rabenkrähe, Aaskrähe (carrion: Aas)
Sympathische Typen, oder?^^

dear mr murdoch you’re a dangerous chap
with your jingoist lingo we’re drowning in crap

chap: Bursche, Kerl
jingo: (abwertend) Chauvinist, Hurrapatriot; jingoist: entspr. …isch.
lingo: (abwertend oder lustig) Sprache, Kauderwelsch; Fachjargon

dear mr murdoch where are you coming from?
getting so hard to tell if you’re a yank, oz or pom

yank, yankee: Ami (Brit.,ugs.)
oz: Australien/Australier (Slang)
pom: Brite (im australischen Slang)
(Murdoch stammt aus Australien, ist zusätzlich USA-Staatsbürger und eben auch im UK aktiv.)

dear mr murdoch you do it with zing

zing: Schwung

and dear mr murdoch what have you done?
you’re not quite as nice as attila the hun

Nein, man kann nicht behaupten, dass Roger Taylor den Herrn Murdoch sympathisch findet, wenn er ihn so mit Attila dem Hunnenkönig vergleicht… der wird im Englischen übrigens wahlweise /ˈætɨlə/ oder /əˈtɪlə/ ausgesprochen.

 


Die üblichen Linktips:

  1. überraschenderweise derzeit komplett, obwohl sie Queen-Songs gerade mit „Unfortunately, we are not licensed to display the full lyrics for this song at the moment“ verstümmeln… ↺
  2. die Hauptbedeutung „schrauben“ bietet ja auch Gelegenheit zu einem Wortspiel der Art „How many people does it take to screw in a lightbulb? Two, but how do they get inside?“ ↺