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Esoterik&Religion

Fit in den Frühling?

fitqo Eine Sonderseite in einer der wöchentlichen Kostenloszeitungen titelt „Fit in den Frühling“. Darauf zu finden:

  • Visitenkartenartige Kleinanzeige einer Heilpraktikerin einer „Naturheilpraxis“, die so ziemlich alles anbietet: TCM, Akupunktur, EAV, Bioresonanztherapie, Bachsalze, Schüßlerblüten (äh, nein, andersrum), Ganzheitliche Lebensberatung, Hypnose, systemisches Familienstellen u.v.a.m.
  • Ebensolche einer Ebensolchen, die nur rund halb so viele Punkte auflistet, etwa Chakra-Energie-Fußmassage, Entgiften und Ausleiten, Sparyrik(sic!). Letzters muss wohl eine Billigvariante von Spagyrik sein, also pseudomedizinischer Alchemie…
  • Ebensolche einer Ebensolchen, etwas flacher (das Anzeigenformat, beim Angebot geht’s ja nicht mehr) mit ähnlichen Angeboten.
  • Im Hochkantformat, wenigstens eine Abwechslung, ein Schönheitssalon – neben Makeup und Stilberatung natürlich auch mit „ganzheitlicher Kosmetik“ und „Edelsteinmassage“.
  • Eine weitere Heilpraktikerin, die zudem Apothekerin ist (schämen sollte sie sich), bietet in ihrer Anzeige neben fettgedruckter „Klassischer Homöopathie“ u.a. auch „Entgiftungsmassage mit Honig“, wozu dann auch ein Foto der Dame, ein Foto von Honig und ein knapp drei Visitenkarten hoher „Artikel“, d.h. Werbetext ebendieser Anbieterin, über diese „Entgiftungsmassage“.
  • Und im unteren Bereich schließlich ein etwas größerer Artikel mit einem Bild zweier Jogger1. Das wird doch nicht endlich… nein, auch keine echte Fitness. Es geht um „Frühlingspower für den Stoffwechsel“ in Form von „Entgiftung mit Vitalpilzen“; ein Raupenpilz ist ebenfalls abgebildet.

Liebes Bayerisches Taferl, was hat das alles mit „Fit in den Frühling“ zu tun?


Lesetipps:

 


  1. nicht die im ?-Foto oben – das sind selbstgeknipste Läufer in Vevey 2008 – sondern eines aus einer Bilddatenbank []

Wenn Anna, Mantodea und Oxana mit Eli, Fabrice, Ariel und Jörg…

…zusammentreffen, haben wir, nein, keine grauschattierte Orgie von sieben unverhüllt ehrlichen und persönlich portraitierten Personen, sondern, tja, leider nur angebliche Hellseher, die aus der Schweiz heraus spammen. Wir vergleichen mal zwei Mails, die erste schon gut ein Jahr alt (und damals auch schon auf meinem Blog erwähnt), die Unterschiede sind farblich markiert1:

Januar 2014 Februar 2015
# Gratis-Vorhersagung Auf ihre Fragen habe ich klare Antworten …
Guten Tag, Guten Tag,
Ich heisse Elenja. Ich bin Hellseherin und vor allem Medium. Heute schreibe ich Ihnen hauptsächlich, um Ihnen meine neue Internetseite vorzustellen. Es ist eine völlig kostenlose Seite, auf der Sie mich über Dinge des Lebens, die Ihnen am Herzen liegen, befragen können. Ich heisse Oxana. Ich bin Hellseherin und vor allem Medium. Heute schreibe ich Ihnen hauptsächlich, um Ihnen meine neue Internetseite vorzustellen. Es ist eine völlig kostenlose Seite, auf der Sie mich über Dinge des Lebens, die Ihnen am Herzen liegen, befragen können.
Ich übe diesen Beruf schon seit längerer Zeit aus, aber vor einiger Zeit habe ich mir gesagt, dass mein Hellsehen nicht nur ausschliesslich einer Elite, mehr oder weniger Eingeweihten oder Bevorzugten, die mich kennen, vorbehalten sein darf. So habe ich beschlossen, es so vielen wie möglich zugute kommen zu lassen, damit niemand aussen vorsteht, ohne Antwort auf seine Fragen. Ich übe diesen Beruf schon seit längerer Zeit aus, aber vor einiger Zeit habe ich mir gesagt, dass mein Hellsehen nicht nur ausschliesslich einer Elite, mehr oder weniger Eingeweihten oder Bevorzugten, die mich kennen, vorbehalten sein darf. So habe ich beschlossen, es so vielen wie möglich zugute kommen zu lassen, damit niemand aussen vorsteht, ohne Antwort auf seine Fragen.
Zögern Sie nicht, es ist KOSTENLOS. Es verpflichtet Sie zu nichts und Sie werden überrascht sein von den Enthüllungen, die ich Ihnen machen werde. Ich gebe Ihnen die Adresse meiner neuen Internetseite. Ich erwarte Sie dort, bis gleich. Zögern Sie nicht, es ist kostenlos. Es verpflichtet Sie zu nichts und Sie werden überrascht sein von den Enthüllungen, die ich Ihnen machen werde. Ich gebe Ihnen die Adresse meiner neuen Internetseite. Ich erwarte Sie dort, bis gleich.
Mit freundlichen Grüssen

Elenja

www.astrozukunft.com

Mit freundlichen Grüssen
Oxana
www.dietarot.com

Auf dieser „neuen“ Seite, die laut Whois seit Anfang 2009 registriert ist, finden sich dann sogar gleich zwei „Hellseher“ und „Medien“, neben „Oxana“ auch ein „Jörg“ – beide auch letztes Jahr schon auf der „Unser Team“-Seite zu finden.

Interessant wird’s dann, wenn man mal schaut, wo die Portraits der beiden – und, was ich damals nicht nachgeschaut hatte, auch von „Elenja“ – kommen: Nämlich aus kommerziellen Bilddatenbanken wie FotoSearch. Das hier ist „Oxana“ (von Corbis), das ist „Jörg“2 und das „Elenja“.3

Noch interessanter wird’s, wenn wir erstens die Dateinamen der Bilder anschauen: Die heißen nämlich „portrait_anna.jpg“ bzw. „portrait_eli.jpg“. Und zweitens für einen – echten – Blick in die Vergangenheit die Wayback Machine des Internet Archive bemühen: Da hießen die angeblich selben beiden dietarot.com-„Hellseher“ noch „Mantodea“4 und „Fabrice“ – identische Fotos, praktisch identische Dateinamen („anna.jpg“ bzw. „eli.jpg“), identische Texte, identische Mottos „Alles ist möglich, nichts ist im Voraus verloren!“ bzw. „Vergessen Sie nicht: Wissen bedeutet Vorhersehen.“ Die Unterschiede, dass damals gleich im ersten Schritt mehr Infos abgefragt wurden und fünf länderspezifische Telefonnummern dastanden anstelle nur der deutschen, seien nur am Rand bemerkt.

Bis Juni 2013 ging das dann so weiter – mit einer kleiner webdesignerischen Auffrischung zwischendurch. Beim nächsten Snapshot Ende Juli 2013 – jaja, „neue“ Seite und so… – hat dann schon „Oxana“ Platz, Portrait und Text von „Mantodea“ einge- bzw. übernommen, und „Fabrice“ wurde von „Ariel“ ersetzt. Der blieb aber nicht lange, schon Anfang Oktober desselben Jahres kam „Jörg“.

Auch auf der anderen Site hieß „Elenja“ dermaleinst „Helene“ – von März 2009 bis Juli 2013.

Mag ja sein, dass die Personen, die dann wirklich ans teure Telefon gehen, tatsächlich auf diese Namen hören, egal ob das ihre echten oder nur „Künstlernamen“ sind. Und es mag sogar sein, dass sie den Stuss, den „Hellseher“ so verzapfen, tatsächlich glauben – was sie aber auch nicht wirklich seriös, realitätsbezogen und vertrauenswürdig macht, auch und gerade wenn’s darum geht, Menschen in Notlagen zu helfen.

Das Portal bzw. die Webseitenbetreiber aus Gland am Genfersee jedenfalls – zumindest ist eine entsprechende Adresse im Whois der beiden Seiten vermerkt -, nun, die sehe ich noch viel weiter von Bestnoten in Sachen Seriosität, Anstand und Ehrlichkeit entfernt…5

 

Und als frischgebackener Träger des Helga-und-Fritze-Bademann-Gedächtnis-Preises für meine Einschätzungen hat meine Einschätzung ja auf jeden Fall der Unfehlbarkeit nahekommendes Gewicht. ;)

 


  1. außer vielleicht bei meinen Stammlesern im Feedreader, wenn der Hintergrundfarben verschluckt… []
  2. Die anscheinend automatische Übersetzung der Bildbeschreibung dort ist auch einen Lacher(?) für sich wert: „porträt, von, a, kaukasisches, mann, in, a, grüner pullover, als, er, lächelt, in, dass, fotoapperat“ []
  3. Andere aus „Unser Team“, überwiegend weniger professionell gemachte Portraits, finden sich, soweit ich das überprüft habe, hingegen nur auf mehr oder weniger vielen Esoterik-Anbieter-Seiten. []
  4. Sie mag an Gottesanbeterin gedacht haben, die andere Bezeichnung Fangschrecke scheint mir angesichts des Angebots (nicht des Portraits) aber passender. []
  5. Wobei ja mal die Beurteilung von Juristen interessant wäre, wo auf der Skala zwischen Pseudonym mit falschem Bild zur Wahrung der Anonymität, Werbelügen, kleinen Schwindeleien und gewerbsmäßigem Betrug das alles einzuordnen wäre. []

Handschriftliche Wahrheit?

Sabbatjahr-klein Ich weiß nicht, was mir die „Ehre“ verschafft hat, vor ein paar Tagen einen Sonder-Newsletter von argentinischen Bibel-Endzeit-Spinnern (nennen sich „DER WEG“, Website: www.harmagedon.com.ar) zu bekommen – die verkleinerte Fassung dieses bunten Machwerks mit dem Betreff „SONDERBEITRAG: 6.10.5 Gottes Sabbatjahr beachten! 1. Teil: Warum sollten wir dem Sabbatjahr und dem Jubeljahr unsere besondere Aufmerksamkeit schenken?“ seht ihr hier rechts am Rand.

Der bunt hinterlegte Text enthält Bibelzitate, und alles andere benutzt einen Handschrift-Font (Lucida Handwriting), sofern installiert. Das erste breite Schaubild zum „logischen Ablauf“ der „Endzeit“ ist übrigens auch in der Mail noch unleserlich und wird selbst in voller 1869×1343-Pixel-Größe nicht übersichtlich.

Verwunderlich ist eher, dass der Hintergrund der Mail weiß ist! Normalerweise gehört doch ein farbiger Hintergrund für unpassende Farbkombinationen mit farbigem Text zum Standard für solche Leute, deren Sinn für leserfreundliche Textgestaltung typischerweise ähnlich ungenügend ausgeprägt ist wie ihr Sinn für die Realität. Aber das holen sie immerhin auf den Webseiten und den Schaubildern nach… natürlich mit Microsoft Office erstellt, und kaum muss Text komplizierter als nur untereinander angeordnet werden, ist er als Grafikdatei eingebunden – mitunter farbig gerastert auf andersfarbig gerastertem Hintergrund. Da hilft auch der „HINWEIS“ auf der Startseite nichts:

Gewisse Browser wie GOOGLE-CHROME geben die Grafikoptionen von WORD und EXEL 2007 verzerrt wieder. Öffnen sie die diese Internetseite bitte mit WINDOWS EXPLORER Version 9. Danke

Findet jemand alle Fehler in diesem Hinweis…?

Und was schreiben diese Leute in ihrer Mail sonst so nach dieser Ladies-not-first-Anrede:

Lieber Bruder, liebe Schwester im Glauben!
Liebe Suchende nach unverfälschter Wahrheit

Nun, im zweiten Absatz ist das Wort „Zeichen“ als Link hervorgehoben. Aber das ist mir wie der Rest sowieso egal. Texte von Leuten, die in einer jahrtausendealten, erst im Lauf von Jahrhunderten kanonisierten Mythensammlung, die sich schon massiv selbst widerspricht (von massiven Problemen mit der Realität ganz zu schweigen), „unverfälschte Wahrheit“ zu finden glauben, kann man sowieso nicht ernst nehmen.

(Auch wenn ich neben dem langen Bild da rechts noch sehr viel Platz hätte…)

JW

Neulich hab ich zufällig eine elegant gekleidete ältere Dame dabei beobachtet, wie sie vor den nachbarschaftlichen Briefkästen stand und ausgiebig in einem kleinen Notizbuch blätterte – wohl um Namen abzugleichen. Um danach ein Faltblatt einzuwerfen, was sie etwas später offenbar auch bei mir getan hat. (Ich kann von meiner Wohnung aus die Briefkästen vor dem Nachbarhaus sehen, aber unsere eigenen nicht.)

Und was war’s? Natürlich Werbung von Jehovas Witzb—, äh, Wittnesses, deutsch Zeugen – für ihr App- und Online-Angebot. (Wobei ich nicht den Eindruck habe, die Faltblattverteilerin würde das selber nutzen.) Die Zeit zum Klingeln hat sie sich so jedenfalls gespart. Wäre wohl weniger Faltblätter losgeworden, wenn sie versucht hätte, sie persönlich an die Leute zu bringen.

Ansonsten stand auch nur ein bisschen vom üblichen Kram drin – wie toll die Bibel doch sei: „Millionen finden in der Bibel Antworten auf ihre Fragen.“ Wundert mich nicht. Wundern würde es mich aber, wenn alle zur selben Frage auch dieselbe Antwort finden, schließlich bietet die Bibel doch jedem das, was er selber gern hätte… Und das hier:

Die Bibel sagt: Gottes Wort ist „wahr und zuverlässig“.
(Psalm 119:160, Gute Nachricht Bibel)1

Da bietet sich eine Gelegenheit, endlich mal dieses Bild zu zeigen:

The Napkin religion is the one true religion because it says so right here on this Napkin
(Urheber unbekannt, massenhaft im Netz zu finden)
Übersetzung: Die Servietten-Religion ist die einzig wahre Religion, denn so steht es genau hier auf dieser Serviette geschrieben.

Sollte ich mal für den Fall, dass irgendwann noch ein Bibelfan klingelt, in echt vorbereiten und zur Widerlegung auffordern…

 


  1. Genaugenommen steht in dem Psalm: „Dein Wort ist nichts denn Wahrheit; alle Rechte deiner Gerechtigkeit währen ewiglich.“ (Lutherbibel 1912) []

Von Wahrsagerei und Lichtgeschwindigkeit

A young Asian woman looks into a crystal ball Unter meinem Beitrag zu angeblichen Wahrsagern mit gefaketem Chat gab’s natürlich auch allgemeine Diskussionen zum Thema, und ein „kashmir_saphir“1 hat in diesem Kommentar doch eine, ähm, interessante physikalische Erklärung für den Blick in die Zukunft geschrieben; mir schien es angebracht, diesem Thema aus Platzgründen einen eigenen Blogbeitrag zu widmen. Das wesentliche Zitat (aber bitte auch die Kommentare darüber und darunter beachten):

Die Zeit ist das, was wir auf der Uhr ablesen. Sie ist von Menschen gemacht. Zeit ist relativ! E=cm² In dem Moment, wo Zeit eine Lichtgeschwindigkeit erreicht, und man Zeiten vergleicht, vergeht die Zeit im Stillstand schneller, in Bewegung langsamer. Wenn diese Menschen ihren geistigen Zustand in einen zeitlosen Stillstand versetzen und wir andere Menschen mit 42 Millionen Stundenkilometer durch das Weltall rasen, so könnten diese Menschen in diesem Zustand in die Zukunft sehen. Der Geist ist frei von Entstehen, Bleiben oder Vergehen. Im Stillstand gibt es keine Bedeutung von Zeit. Also auch keine Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft.

Da gibt’s natürlich – neben dem einen und anderen non sequitur – ein paar Probleme damit:

  1. Bei E=mc² – nicht cm² – geht’s um die Äquivalenz von Masse und Energie. Hat jetzt nicht wirklich viel damit zu tun, wie die Zeit vergeht.
  2. Für einen sich bewegenden Beobachter vergeht die Zeit tatsächlich langsamer als für einen ruhenden – aber auch vor Erreichen der Lichtgeschwindigkeit. Nur kann nichts Lichtgeschwindigkeit erreichen, entweder ist es immer langsamer (und benötigt, nebenbei bemerkt, beim Beschleunigen in die Nähe von c immer mehr Energie), oder es bewegt sich immer mit Lichtgeschwindigkeit (wie das Licht).
  3. Was soll in diesem Zusammenhang überhaupt ein „geistiger Zustand“ sein? Ein Zustand ist kein Objekt, das sich bewegt; er kann sich höchstens verändern, aber das gibt man nicht in m/s an und kann es somit nicht mit der Lichtgeschwindigkeit vergleichen.
  4. Durch Meditation kann man eventuell einen „geistigen Stillstand“ erreichen, einen Zustand, in dem mangels bewusster Gedanken keine Zeit zu vergehen scheint(!). Das ändert aber nichts an der Nichtvergleichbarkeit, und dennoch irgendeinen Vergleich mit Lichtgeschwindigkeit hineinkonstruieren zu wollen, wäre bestenfalls ein Beispiel füe einen „Deppen-Syllogismus“.
  5. Man müsste also voraussetzen, dass da ein „Geist“-Etwas ist, das unabhängig vom Körper existieren kann – wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen.
  6. Dieser Geist müsste vom Körper (oder einem langsamen gewöhnlichen Geist) in Form lichtartiger Teilchen emittiert werden, denn auf c beschleunigen ist ja nicht drin. In welcher Form auch immer – hat sich dazu schon jemand eine neue Physik ausgedacht und durchgerechnet?
  7. Dann würde dieser Geist einfach auf einer quasi2 geraden Bahn uneinholbar davonsausen, während sein Körper und alle anderen mit der Erde gemütlich durchs All zuckeln3.
  8. Wenn der Geist irgendwie doch in der Nähe seines Körpers oder um die Erde herum sausen sollte, müsste man noch mehr neue Physik erfinden, die erklärt, wie das gehen soll.
  9. Selbst wenn dieser Geist in der Nähe bliebe und mit der Umgebung interagieren und sie wahrnehmen könnte, egal ob ganz gewöhnlich über Licht oder sonstwie – ja sogar wenn man diese (physikalische, nicht gefühlte) Zeitlosigkeit einem „geistigen Zustand“ zuschreiben würde, vgl. oben – er könnte nichts erkennen, weil sich alle Wahrnehmungen ja für ihn gleichzeitig ereignen, untrennbar überlagert. Er hat nicht mal die Zeit, die Informationen zu verarbeiten und zu speichern.
  10. Er könnte so auch über nichts nachdenken, auch nicht, wohin er fliegen oder ob er zurückkehren sollte.
  11. Selbst wenn der Körper ihn irgendwie zurückholen könnte, hätte der Geist ja immer noch nichts wahrnehmen können.

Wie soll das Ganze also funktionieren?

Zum generellen Thema der Belege/„Beweise“ und wer sie zu erbringen hat:

Belegen Sie ihre Behauptungen, die auf so wackeligen Boden stehen, dass sie gleich umkippen

Nee, so läuft das nicht. Meine Behauptung ist: Die Welt verhält sich normal, gewöhnlich, gemäß den wissenschaftlichen Erkenntnissen (und die sind alles andere als wackliger Boden), es gibt keine Wahrsager, die in die Zukunft schauen könnten (d.h. über das hinausgehend, was man auf Grund bekannter Fakten durch Nachdenken über die Zukunft vermuten kann, versteht sich).

So eine gewöhnliche Behauptung braucht keine großen Belege; sie ist die vernünftige Grundannahme. Aber jemand, der mit so außergewöhnlichen Behauptungen wie der Existenz solcher Wahrsager (oder diverse andere esoterische Behauptungen) daherkommt, der ist dann auch in der Bringschuld entsprechend außergewöhnlicher Belege.

Wie das mit der Nichtbeweisbarkeit der Nichtexistenz eben so ist: Ich könnte 10000000 Möchtegern-Wahrsager mit negativem Ergebnis untersuchen – dann hätte ich zwar zusammen mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen verdammt gute Argumente (s.a. Lesetipps unten), aber eben noch keinen Beweis, denn der 10000001. könnte ja doch einer sein. Oder der 10000002. Oder…

Wenn denn die Zeit dazu da wäre. Aber die 20000000 Einstein-Widerleger, 30000000 Wunderheiler, 40000000 Garagendrachenzüchter u.v.a.m. wollen auch noch zu ihrem vermeintlichen Recht kommen…

Und Nostradamus speziell zu Nostradamus und Kollegen:

Wäre es nicht klüger, diese Menschen an ihren Fähigkeiten zu messen und zu beurteilen, statt Vorurteile zu publizieren? Keiner hat ihre Fähigkeiten überprüft.

[…] wenn Sie die Fähigkeiten des Gelehrten Nostradamus in Frage stellen?

Du müsstest erstmal definieren, was seine „Fähigkeiten“ sein sollen. Nostradamus hat ’ne Menge vager, undeutlicher, verschwurbelter Texte ohne konkreten Zeitbezug geschrieben, die viele Interpretatoren bis heute auf viele verschiedene Arten interpretieren – lustigerweise immer schön korrekt für die, die sie auf die Vergangenheit beziehen, aber voller unzutreffender Rumraterei bei dem, was in der Zukunft lag, als sie es geschrieben haben…

Und natürlich wurden diese „Fähigkeiten“ überprüft – soweit das bei den alten im Nachhinein möglich ist, siehe Nostradamus‘ beliebig deutbares Geschwafel, oder in der Gegenwart z.B. bei der JREF oder der GWUP, auch wenn es da meist ums Erspüren von Gegenständen und Gegebenheiten geht und nicht um Zukunftsvorhersagerei.

Sein Name wurde im Zusammenhang anerkannter Wahrsager wie Platon, Aleister Crowley, Abt Trithemius genannt.

Von wem und nach welchen Kriterien werden denn Wahrsager anerkannt – und von Phantasten, Spinnern, Betrügern4 oder einfach gelehrten Denkern und Philosophen unterschieden? Gab’s welche, denen danach die Anerkennung verweigert wurde?

[…] untergraben sie einen ganzen Berufsstand, der in vorhergehenden Kulturen den Stand von „Gelehrten“ einnahmen und Königen und Kaiser dienten. Sind diese Gelehrten [gemeint sind offenbar die Wahrsager, Anm.] alle ausgestorben? Wohl kaum, sonst würden ihre Dienste nicht von heutigen Politikern und Funktionären in Anspruch genommen werden.

Und die Millionen Fliegen Politiker und Funktionäre können nicht irren?

Lesetipps:

Foto: tomas del amo/Fotolia

 


  1. wir können uns hier gern duzen – weder „kashmir_saphir“ noch „cimddwc“ sind Namen, die m.E. zum Siezen auffordern :) []
  2. also der vorhandenen Raumzeitkrümmung folgend []
  3. nicht ganz so schnell wie deine 42 Mio. km/h, bestenfalls 30 km/s um die Sonne, diese 220-280 km/s ums Milchstraßenzentrum, diese 552 km/s zur Huntergrundstrahlung. Okay, das ist kein Zuckeln, aber immer noch ein paar Größenordnungen unter c. []
  4. Anmerkung dazu: Natürlich gibt’s auch etliche „Wahrsager“, die ehrlich von ihren „Fähigkeiten“ überzeugt sind, die also im rechtlichen Sinne nicht vorsätzlich betrügen. (Das sagt natürlich noch nichts über ihre tatsächlichen „Fähigkeiten“ aus.) []